ALTDORF: Der älteste Urner erobert ab sofort die Kinoleinwand

Der Dokumentarfilm «Im Bann des Föhns» erlebte im Cinema Leuzinger Premiere. Beim Publikum überwogen die positiven Reaktionen. Es gab aber auch mahnende Worte, der Föhn habe auch seine negativen Seiten.

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Regisseur Theo Stich (links) bei der Premiere seines neuesten Dokfilms.

Regisseur Theo Stich (links) bei der Premiere seines neuesten Dokfilms.

Vom Hauptdarsteller war an der Premiere weit und breit nichts zu spüren. Am Donnerstagabend gab es in Altdorf keinen Föhn, nicht einmal ein laues Lüftchen blies. Stattdessen regnete es in Strömen. Die 215 Personen nahmen angesichts des schlechten Wetters gerne im Cinema Leuzinger Platz.

Auf der Bühne präsentierten sich Regisseur Theo Stich und die Hauptpersonen des Dokumentarfilms «Im Bann des Föhns»: der Urner Meteorologe Ludwig Z’graggen, die Isenthaler Bergbauern Thomas und Heidi Eberli-Ziegler mit ihren Kindern, der Flüeler Segelflieger Alois Bissig und seine Frau Bernadette, der Andermatter Pfarrer Marzell Camenzind sowie der Atmosphärenphysiker Hans Richner.

Publikum hat Humor und Witz verstanden

Regisseur Theo Stich freute sich über das aufmerksame Premierenpublikum. Auch die Feinheiten des Films seien rübergekommen, wie die Reaktionen des Publikums gezeigt hätten. «Humor, Witz und Ironie im Film wurden verstanden», sagte Stich.

Erst über die Recherchen zum Film und bei den Dreharbeiten habe er den Föhn richtig kennen gelernt, sagte Stich. Dabei blies der Föhn 2015, als der Dokumentarfilm entstand, gar nicht so stark. Gerne hätte er Föhnstürme gehabt, wie sie letzte und vorletzte Woche durch die Schweiz brausten. Wie man das aber technisch bewältigt hätte, weiss Stich nicht. «Der Kameramann hatte bereits bei Föhnstärken von 100 Stundenkilometern Mühe, einigermassen stabile Bilder zu machen.» Hätte der Föhn stärker ­geblasen, wäre es wohl noch schwieriger geworden.

Ludwig Z’graggen sorgte mit seiner witzigen Art für Schmunzler. «Der Föhn hat mehr Gutes als Schlechtes», sagte er. Er sorge für saubere und klare Luft. Und vor allem zaubere er besondere Stimmungen hervor. «Wer im Kanton Uri lebt und den Föhn nicht verträgt, hat Pech», so Z’graggen. Alois Bissig nutzt den Föhn für sein Hobby. Er hat ein klares Ziel: Er will mit seinem Segelflugzeug 1500 Kilometer weit fliegen. «Bis jetzt habe ich 1220 Kilometer geschafft», sagt er. Auch Pfarrer Camenzind beobachtet das Wetter genau und kennt die Gefahren: «Wenn es zu viel Schnee gibt und der Wind heftig bläst, dann wird es in Andermatt unter Umständen kritisch.»

Altdorf sollte mehr mit dem Föhn werben

Als Exot der Truppe wurde der Atmosphärenphysiker Hans Richner aus dem Aargau bezeichnet. «Altdorf ist die Welthauptstadt des Föhns», sagte er. Daraus müssten die Urner etwas machen und entsprechend damit werben. Seit 1864 gibt es eine absolut lückenlose und homogene Aufzeichnung der Föhnereignisse. Das sollte Altdorf ausnützen.

So harmlos wie dargestellt sei der Föhn nicht, monierte ein Zuschauer. «Der stärkste Urner» habe auch andere Launen. Er erinnerte daran, dass 1962 bei Aesch in Unterschächen der gesamte Forstwald in einer Nacht umgelegt worden sei. Exakt 20 Jahre später seien sieben Ställe abgedeckt worden.

Ein Wetterphänomen, das viele Menschen fasziniert

Im Grossen und Ganzen kam der Film aber beim Publikum gut an. Sie sei vielleicht nicht ganz so objektiv, sagte Justizdirektorin Heidi Z’graggen. Wegen ihres Bruders Ludwig Z’graggen, der im Film mitspielt und Meteorologe ist, beschäftige sie sich immer mit dem Föhn. Der Film sei ausgewogen, denn neben einem Meteorologen und einem Atmosphärenphysiker würden eine Bauernfamilie, ein Segelflugzeug-Pilot und ein Pfarrer mitspielen. «Es ist erstaunlich, dass die Menschen so fasziniert sind von einem Wetterphänomen», sagte Z’graggen. Für die Urner sei es aber nichts Aussergewöhnliches. Man lebe einfach damit.

Starke Winde habe er gerne, sagte Markus Russi, Betriebsleiter des EW Ursern. «Das ist ideal für unsere Windanlagen auf dem Gütsch.» Klar, manchmal blase er heftig. «Erst kürzlich haben wir Windböen von bis zu 219 Kilometern pro Stunde gemessen.»

Peter Ziegler, Vizepräsident der Korporation Uri, gefielen vor allem die Informationen über den Föhn. «Das war für mich zum Teil Neuland», so Ziegler. Die verschiedenen Mitwirkenden hätten den Film sehr unterhaltsam gemacht.

«Das Schönste am Film waren die tollen Bilder aus dem Urserntal», sagt der Hospentaler Landrat Bruno Christen mit einem Schmunzeln. Er selber habe den Föhn eigentlich nicht so gerne. «Er bereitet mir Kopfschmerzen», so Christen. Alles in allem sei es aber ein eindrück­licher Film mit einer guten Aufmachung.

Wer den Film sehen will, hat zurzeit viele Möglichkeiten. «Im Bann des Föhns» ist in Altdorf sowie in 18 weiteren Kinos der Schweiz zu sehen.

 

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Hinweis

Der Dokumentarfilm «Im Bann des Föhns» ist heute Samstag und morgen Sonntag um 16 Uhr im Cinema Leuzinger in Altdorf zu sehen.