ALTDORF: Der Kantonsbahnhof füllt den Saal

Rund 60 Millionen Franken sollen insgesamt in den geplanten Kantonsbahnhof im Urner Hauptort investiert werden. An der Infoveranstaltung war die Aula Hagen restlos gefüllt.

Markus Zwyssig
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Die Urner Kantonalbank hat einen Kaufrechtsvertrag für das Hotel Bahnhof unterschrieben. Die Parzelle soll in die Planung zur Gestaltung des künftigen Kantonsbahnhofs mit einbezogen werden. (Bild: Philipp Zurfluh (Altdorf, 7. März 2017))

Die Urner Kantonalbank hat einen Kaufrechtsvertrag für das Hotel Bahnhof unterschrieben. Die Parzelle soll in die Planung zur Gestaltung des künftigen Kantonsbahnhofs mit einbezogen werden. (Bild: Philipp Zurfluh (Altdorf, 7. März 2017))

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

In der Aula Hagen in Altdorf blieb am Montagabend kein Stuhl unbesetzt. Weil viel mehr Leute kamen als erwartet, mussten sogar noch weitere Stühle und Sitzbänke herbeigeschafft werden. 250 Personen nahmen an der Infoveranstaltung zur Zukunft des Bahnhofs Altdorf teil, zu der Kanton, Gemeinde Altdorf und SBB eingeladen hatten.

Der Bahnhof Altdorf soll ab dem Fahrplanwechsel 2021/2022 zum Kantonsbahnhof werden. Die S-Bahn, Schnell- und Intercity-Züge sollen künftig im Urner Hauptort halten. «Uri musste hartnäckig bleiben, damit die hochwertigen Zughalte zugesichert wurden», sagte Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind. «Die SBB sind nicht unbedingt davon begeistert, in Uri Intercity-Züge halten zu lassen.»

Auch alle wichtigen Linien des Busverkehrs sollen künftig am Kantonsbahnhof zusammen-laufen. Camenzind zeigte auf, wie der Kantonsbahnhof dank der zentralen Lage den vielen Pendlern, Touristen und Reisenden Tag für Tag ein verbessertes ÖV-Angebot bieten soll.

Landrat und Altdorf vor wichtigen Entscheiden

Die Gesamtkosten für die Umgestaltung des Bahnhofs und der Umgebung belaufen sich auf 55 bis 60 Millionen Franken. Den grössten Teil übernehmen die SBB. Diese tragen rund 40 bis 45 Millionen Franken.

Nun stehen zwei wichtige Entscheide an. So legt der Regierungsrat dem Landrat einen Verpflichtungskredit von 10,87 Millionen Franken vor. Dieser dürfte an der Session vom 15. März für rege Diskussionen sorgen. Bereits hat die FDP-Fraktion Vorbehalte angekündigt (siehe unsere Zeitung vom 14. Februar). Die Partei ist der Ansicht, dass die Kreditvorlage – sollte sie die Hürde der landrätlichen Zustimmung nehmen – auch dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden soll. Die Gemeinde Altdorf will in eine Fussgängerunterführung investieren. Ein Kreditantrag von 3,19 Millionen Franken für eine entsprechende Verlängerung der bestehenden Unterführung wird am 21. Mai zur Abstimmung kommen. «Das ist ein unverzichtbarer Teil des Gesamtprojekts», so Gemeindepräsident Urs Kälin.

Urner Kantonbank sichert sich die Kaufrechte

Kräftig investieren will auch die Urner Kantonalbank. Im laufenden Jahr wird der Neubau beim Bahnhofplatz in Altdorf vorangetrieben. Die Bank verhandelt zurzeit mit den SBB ein Kaufsrecht für das Bahnhofgebäude. Dieses sei als Einzelobjekt im Inventar der Ortsbilder von Nationaler Bedeutung (Isos) vermerkt, sagte Petra Fischer, Leiterin Marketing und Kommunikation, auf Anfrage. «Es braucht eine gute städtebauliche Lösung, welche über ein qualifiziertes Planungsverfahren ermittelt wird, damit das Gebäude abgerissen werden kann.» Unterschrieben wurde auch ein Kaufrechtsvertrag für das Hotel Bahnhof (wir berichteten). «Wenn wir das Hotel definitiv kaufen, wird das Gebäude ebenfalls abgerissen», so Fischer. Die Parzelle ist Teil des nun gestarteten Projektwettbewerbs. Neun Architekturteams beteiligen sich insgesamt daran. «Wie es beim Bahnhof in Zukunft aussehen wird, ist noch offen. Abhängig ist dies auch von den Plänen der Architekten», so Fischer. Klar ist: Wo zurzeit noch das alte Bahnhofgebäude respektive das Hotel Bahnhof stehen, sollen dereinst Büro- und Geschäftsräumlichkeiten geschaffen werden. Die Bank denkt zum Beispiel an eine Arztpraxis, an Einkaufsmöglichkeiten sowie Gymnastikräume und Gastronomiebetriebe.

Nach dem Vorstellen der Pläne bestand an der Infoveranstaltung Gelegenheit zur Diskussion. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, weshalb man sich nicht früher um eine längere Unterführung bemüht habe. Toni Arnold, Leiter der Bauabteilung, sagte, dass man sich sehr wohl schon vor längerer Zeit dafür starkgemacht habe. Die SBB hätten damals aber nicht eingelenkt. Die Kosten wären aber auch damals im Millionenbereich gewesen. «Andere Gemeinden profitieren ebenfalls, sie könnten auch einen Beitrag zahlen», wurde aus der Versammlung moniert. Altdorf profitiere und erhalte eine hochwertige ÖV-Drehscheibe, sagte Camenzind dazu.

Der Kantonsbahnhof soll gleichzeitig mit der West-Ost-Verbindung und dem Halbanschluss der A2 in Betrieb genommen werden. Das soll auf den Fahrplanwechsel 2021/22 der Fall sein. «Der Terminplan ist ehrgeizig», so Kantonsingenieur Stefan Flury. Trotzdem werde man versuchen, diesen einzuhalten. Abhängig sei dies vor allem auch von Projektverzögerungen und Einsprachen.