Altdorf
Der neue Bischof sorgt für frischen Wind

Die Katholische Landeskirche Uri hat in den letzten Jahren laufend Mitglieder verloren. Nun hat sich der Trend etwas abgeschwächt.

Urs Hanhart
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Heidi Jauch präsidierte erstmals die Versammlung des Grossen Landeskirchenrats.

Heidi Jauch präsidierte erstmals die Versammlung des Grossen Landeskirchenrats.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 24. November 2021)

«Mit der Wahl des neuen Bischofs Joseph Maria Bonnemain ist der Grundstein für den Dialog gelegt worden. Auch der neue Generalvikar Peter Camenzind trägt dazu bei. Dafür sind wir sehr dankbar», mit diesen Worten eröffnete Heidi Jauch am Mittwoch die Herbstversammlung des Grossen Landeskirchenrats der Römisch-Katholischen Landeskirche Uri, die im Rathaus Altdorf unter Maskenpflicht abgehalten wurde. Die Erstfelderin hatte ihren ersten Auftritt als Vorsitzende dieses Gremiums. Auch der Präsident des Kleinen Landeskirchenrats, Gunthard Orglmeister, schlug im Zusammenhang mit der Bischofswahl optimistische Töne an. Er betonte: «Die Zusammenarbeit mit Chur hat sich sehr verstärkt. Es gab eine andere Zusammenkunft. Dabei habe ich gespürt, dass ein neuer Wind weht. Begeisterung und Feuer sind vorhanden. Man ist bestrebt, die Kirche zu den Menschen zu bringen.» Orglmeister gab sich zuversichtlich, dass der richtige Weg eingeschlagen worden sei, damit es mit der Kirche im Kanton Uri in den nächsten Jahren wieder aufwärtsgehe.

Im Zusammenhang mit dem Budget 2022 präsentierte Verwalter Erwin Walker eine interessante Statistik. Im Jahr 2006 zählte die Landeskirche noch 30'209 Mitglieder. Seither ist die Zahl der Katholiken auf 27'894 geschrumpft, was einem Rückgang von rund 8 Prozent entspricht. Im Vorjahr gab es 415 Kirchenaustritte. Heuer sind es «nur» deren 311. Dazu sagte Walker: «Es ist zu hoffen, dass die Abschwächung der Austritte anhält und der positive Geist durch den neuen Bischof Wirkung zeigt.»

Defizit ist «verkraftbar und verantwortbar»

Das Budget 2022 rechnet mit einem Aufwand von rund 1,304 Millionen Franken. Den grössten Teil, nämlich rund 478'000 Franken, macht der kantonale Finanzausgleich aus. Weitere Mittel werden für die Jugendseelsorge (126'500) und die Katechese (246'500) verwendet. Die Einnahmen von rund 1,294 Millionen Franken setzen sich mehrheitlich aus Pro-Kopf-Beiträgen der einzelnen Kirchgemeinden zusammen. Im von den Versammelten einstimmig genehmigten Voranschlag 2022 ist ein Ausgabenüberschuss von 9893 Franken budgetiert. Der Präsident der Finanzkommission, Josef Gisler, wies darauf hin, dass das Budget nur aufgrund eines ausserordentlichen Personalaufwands nicht ausgeglichen abschneide. «Das Defizit ist deshalb nach Meinung der Finanzkommission angesichts der komfortablen Eigenkapitalsituation verkraftbar und verantwortbar», so Gisler. Auf eine Erhöhung der Pro-Kopf-Beiträge wurde verzichtet. Aktuell sind es 23,30 Franken pro Katholik.

Landeskirche Neuenburg erhält Darlehen

Ein Antrag zur Gewährung eines Darlehens in Höhe von 50'000 Franken aus dem Kapital des Diözesanfonds an die «Fédération catholique romaine neuchâteloise» wurde einstimmig gutgeheissen. Die Landeskirche Uri verwaltet treuhänderisch für das Bistum Chur ebendiesen Diözesanfonds. Dessen Kapital beläuft sich auf derzeit rund 150'000 Franken. Die Darlehensvergabe erfolgte gemäss Orglmeister in Absprache mit Bischof Bonnemain. Hintergrund dafür ist die Tatsache, dass die Landeskirche Neuenburg nur durch Spendengelder finanziert wird, weil es in diesem Kanton keine allgemeine Kirchensteuer gibt. Das Darlehen wird für zehn Jahre zinsfrei gewährt. Danach soll das Geld wieder zurück in den Fonds fliessen.

Zwei Prüfungskommissionen sind gewählt

Der Kleine Landeskirchenrat hat zwei Verordnungen vorbereitet, die im nächsten Jahr im Grossen Rat behandelt werden sollen. Dazu sind zwei Prüfungskommissionen gewählt worden. Jene Kommission, die sich mit der Verordnung über die Umsetzung des «Schutzkonzepts für die seelische, geistige und körperliche Unversehrtheit der Menschen im Bereich des Bistums Chur» beschäftigt, wird von Beat Walther präsidiert. Als Mitglieder gehören ihr Pia Kempf, Patrizia Herger, Vreni Truttmann und Monika Planzer an. Die andere Kommission befasst sich mit der Verordnung über die Anstellungs- und Besoldungsrichtlinien. Den Vorsitz hat Max Gisler inne. Mitglieder sind Patrizia Herger, Josef Brücker, Oswald Tresch und Vreni Arnold.