ALTDORF: «Der Verlad ist 2 Milliarden günstiger»

Die Gegner einer zweiten Röhre zeigten auf, weshalb sie einen Verlad bevorzugen. Deutlich wurde aber auch, dass Reisebusse offensichtlich ein Problem sind.

Markus Zwyssig
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«Dank der Neat ist der Verlad von Autos und Lastwagen sehr gut zu bewältigen», sagte Verkehrsexperte Ruedi Sturzenegger an einer Veranstaltung der Gegner einer zweiten Röhre. (Bild Angel Sanchez)

«Dank der Neat ist der Verlad von Autos und Lastwagen sehr gut zu bewältigen», sagte Verkehrsexperte Ruedi Sturzenegger an einer Veranstaltung der Gegner einer zweiten Röhre. (Bild Angel Sanchez)

Der Saal im Mehrzweckgebäude Winkel war am Donnerstagabend fast zu klein, um allen Besuchern Platz zu bieten. Kurz vor Beginn mussten noch zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden. Das Urner Komitee Nein zur zweiten Röhre am Gotthard hatte zur Veranstaltung eingeladen. Mehr als 200 Personen wollten von den Verkehrsexperten hören, warum ein Bahnverlad besser sein soll als der Bau einer zweiten Röhre. Im Publikum anwesend waren unter anderem auch Richard Kocher­hans und Willy Reck vom Bundesamt für Strassen (Astra).

Genug Kapazität zum Verladen

Gleich drei Verkehrsexperten waren ans Podium gereist: Ruedi Sturzenegger, ehemaliger Direktor Betrieb SBB, Oskar Stalder, ehemaliger Bereichsleiter Infrastruktur SBB, sowie Jost Wichser, ehemaliger Dozent der ETH Zürich. Sie gehören einer Gruppierung von Ingenieuren und Verkehrsexperten an, welche die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels begleiten. Ihr Gutachten hat schweizweit für grosses Echo gesorgt. Sie kommen zum Schluss, dass die Bahn mehr als genug Kapazitäten habe, um während der Sanierungsarbeiten den gesamten Personen- und Schwerverkehr zu übernehmen. Sogar eine dreijährige Vollsperrung des Tunnels wäre ihrer Meinung nach machbar.

Sturzenegger referierte im Namen der drei Verkehrsexperten zum geplanten LKW- und Autoverlad. «Für die Sanierung des Gotthardtunnels braucht es keine zweite Röhre», so der Experte. «Der Verlad von Autos und Lastwagen ist dank der Neat sehr gut zu bewältigen: Autozüge mit Personenwagen könnten durch den alten Bahntunnel verkehren, Züge mit Lastwagen durch den neuen Basistunnel.» Diese Sanierungslösung sei viel günstiger. «Im Vergleich zum Bau eines zweiten Tunnels ist der Verlad rund 2 Milliarden Franken günstiger», so Sturzenegger. Zudem habe die Variante Bahnverlad ein grosses Plus: Die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels wäre zehn Jahre früher abgeschlossen, also bis spätestens 2024. Der Bau einer zweiten Röhre hingegen würde erst 2035 fertig sein.

Reisebusse: Lösungen sind gefragt

Beim anschliessenden Podium gab Leo Brücker insbesondere auch den Befürwortern einer zweiten Röhre im Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dabei wurde deutlich, dass der Verlad von Reisebussen vor allem aufgrund der begrenzten Höhe im Tunnel ein Problem darstellt. Jost Wichser gab dies unumwunden zu. «Als Alternative besteht im Sommer die Möglichkeit, über den Pass zu fahren», so Wichser. Bei den Reisebussen müsse man aber noch an Lösungen arbeiten. Zudem würden sich mit dem Gotthard-Basistunnel verbesserte Reisemöglichkeiten mit dem Zug bieten. Die Gefahr, im Tunnel ein Blachenverdeck zu verlieren, will man ebenfalls in den Griff bekommen. «LKW müssen zuerst beim Schwerverkehrszentrum kontrolliert werden», so Ruedi Sturzenegger. Oskar Stalder wies darauf hin, wie wichtig gutes Rollmaterial sei. Es gäbe bereits potenzielle Anbieter wie beispielsweise die BLS.

Verladestationen für die Rollende Landstrasse seien zwar ausserhalb des Kantons Uri machbar. Das sei aber nicht sinnvoll, denn zum Teil müssten die LKW Umwegfahrten in Kauf nehmen respektive wieder zurückfahren, so Wichser. Sturzenegger stellte nicht in Abrede, dass die Güterzüge langsamer fahren als die Personenzüge. «Das Ziel, in drei Stunden von Zürich nach Mailand zu gelangen, ist aber trotzdem zu erreichen.» Beim Bahnhof Arth-Goldau und entlang der Bahnstrecke werde im grossen Stil investiert. Das mache kürzere Fahrzeiten möglich. «Die tiefere Geschwindigkeit einzelner Züge im Tunnel ist gar nicht so massgebend.»

Optimierungspotenzial gibt es bei der Grösse des benötigten Kulturlands. Jost Wichser geht von einem Bedarf für die Kurz-Rola von 3,5 bis 4 Hektaren Land aus. «Da das Schwerverkehrszentrum für die Vorbereitung der LKW für den Verlad dient, kann der Landbedarf weiter minimiert werden.»

Markus Zwyssig

Willi will keinen zweiten Brenner

Altdorf MZ. «Ersparen Sie sich einen zweiten Brenner in der Schweiz», sagte Georg Willi an der Infoveranstaltung. Er kennt den täglichen Wahnsinn der österreichischen Verkehrstransversale. Willi ist Nationalrat und Verkehrssprecher für die Grünen in Österreich. «Es ist schön, über den Brenner zu fahren, weil es so billig ist», so Willi. Heute werde die Schweiz umfahren – dies auch dank einer konsequenten Verkehrspolitik mit Alpenschutzartikel und leistungsabhängiger Schwerverkehrsabgabe. Der Bau einer zweiten Röhre am Gotthard würde ein völlig falsches Zeichen setzen und zu einer Lastwagenflut durch die Schweiz führen. In der «Zentralschweiz am Sonntag» erscheint morgen ein Interview mit Georg Willi.