ALTDORF: Der Weg zu einem Urner Haus für Kunst

Vor zwanzig Jahren wurde das erste Haus für Kunst Uri eröffnet. Das Geld aus dem Verkauf der einstigen Liegenschaft ist für den Kunstverein Uri immer noch ein finanzielles Polster.

Markus Zwyssig
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Im Haus für Kunst Uri sind in der aktuellen Ausstellung «Frühlingserwachen» Frühwerke von Heinrich Danioth sowie von Eduard, Ernst und Max Gubler zu sehen. (Bild: F. X. Brun (Altdorf, 8. März 2018))

Im Haus für Kunst Uri sind in der aktuellen Ausstellung «Frühlingserwachen» Frühwerke von Heinrich Danioth sowie von Eduard, Ernst und Max Gubler zu sehen. (Bild: F. X. Brun (Altdorf, 8. März 2018))

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Das Haus für Kunst Uri an der Herrengasse 2 in Altdorf ist heute eine weit herum bekannte Adresse. In den ehemaligen Räumen der Druckerei Gamma sind unter der Direktion von Barbara Zürcher wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Künstler zu sehen. Zum Jahresende geniesst jeweils die Förderungsaustellung der Kunst- und Kulturstiftung Uri Gastrecht. Eröffnet wurde das Haus am 1. Mai 2004. Zu verdanken ist das moderne Zentrum der Kunst der Grosszügigkeit von Mäzen Max Dätwyler.

Der Grundstein für ein Kunsthaus im Kanton Uri wurde aber bereits einige Jahre früher gelegt. 1996 kaufte der Kunstverein Uri nur ein paar Meter weiter westlich ein Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert. Nach der Sanierung und dem Umbau wurde es Ende März 1998, also vor zwanzig Jahren, feierlich eröffnet. Im Haus an der Herrengasse 10 fanden sechs Jahre lang mehrere Ausstellungen mit einheimischen und auswärtigen Künstlern statt.

Aufstrebende Urner Künstler machten Druck

«Es war für uns im Kunstverein damals der Abschluss einer zwanzigjährigen Phase, in der wir in der Höflikaserne in Altdorf und später an unterschiedlichen Orten Ausstellungen durchgeführt hatten», blickt der damalige Präsident des Kunstvereins Uri, Rolf Aebersold, auf die Eröffnung des ersten Hauses für Kunst zurück. Die Zeiten der Wanderschaft waren damit vorbei. Nach viel beachteten Ausstellungen zum Urner Kunstschaffen in der damaligen Höflikaserne – zu denen heute noch gültige Ausstellungskatalogen von Karl Iten erschienen – , hatte der Kunstverein Ausstellungen in Flüelen in der einstigen Basisapotheke oder in der Alten Kirche organisiert. Zustande gekommen war das erste Haus für Kunst vor allem auch, weil die damals aufblühende Urner Künstlergeneration Druck gemacht hat.

«Die Eröffnung des Hauses war erfreulich, gleichzeitig aber auch eine Bürde. Die regelmässigen Ausstellungen wurden mit dem eigenen Haus zum Pflichtprogramm», so Aebersold. Damals im ersten Haus für Kunst Uri wurde viel Arbeit noch halbprofessionell oder ehrenamtlich geleistet. «Es war auch ein Lehrplatz, wie man ein Kunsthaus betreibt», so Aebersold.

So war das damalige Haus für Kunst eine Etappe zum heutigen Kunsthaus. Die Offerte von Max Dätwyler an den Kunstverein, die Liegenschaft Gamma als neues Kunsthaus zur Verfügung zu stellen, bewog den Kunstverein das Haus zu verkaufen. Der Luzerner Rechtsanwalt Jost Schumacher erwarb das Haus anfangs 2004 für 1,15 Millionen Franken. Damit kehrte die Liegenschaft wieder ins Eigentum der bisherigen Besitzerfamilie zurück. Dominique Epp, der frühere Besitzer, ist Schumachers Onkel.

Verkaufserlös erleichtert den Kunstbetrieb

An den Kauf der Liegenschaft hatten damals unter anderem der Kanton Uri, die Gemeinden Altdorf und Schattdorf, die Dätwyler-Stiftung, die Urner Kantonalbank, das EWA und die Otto-Gamma-Stiftung zum Teil namhafte Beiträge gesprochen. Und der Verein hatte mehrere Hunderttausend Franken in die Liegenschaft investiert. Insbesondere half aber auch ein massgebliches Legat von Regina und Annalisa Müller für Instandstellungsarbeiten. Weil die Geldgeber nach dem Verkauf weitgehend darauf verzichteten, ihr Geld zurück zu erhalten, konnte der Betrieb des neuen Kunsthauses finanziell erleichtert werden. Von diesem Polster zehrt der Kunstverein Uri auch heute noch.

Mit dem neuen Haus für Kunst Uri stellte die Dätwyler-Stiftung zum zweiten Mal eine Liegenschaft zu Gunsten der Kultur zur Verfügung. Neben der Dätwyler-Villa an der Bahnhofstrasse, die als Haus der Musik dient, wurde auch das Gamma-Haus als Haus für Kunst an der Herrengasse 2 zugängig.

Für die nächsten 25 Jahre wird der Neu- beziehungsweise Umbau dem Kunstverein Uri unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Der Kunstverein übernimmt die laufenden Betriebskosten und den kleinen Unterhalt des Gebäudes. 2009 wurde das Haus durch einen Danioth-Pavillon ergänzt. Auch dies wurde durch den Urner Kunstmäzen Max Dätwyler ermöglicht.

Dätwyler-Stiftung hat Betriebsbeitrag erhöht

Für Susanne Döhnert-Dätwyler, Geschäftsführerin der Dätwyler-Stiftung, ist die Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Uri sehr erfreulich und geprägt von gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung. «Die Entwicklung des Hauses für Kunst Uri seit 2004 ist eine Erfolgsgeschichte», sagt Döhnert. «Die Ausstellungen im Haus finden weit über die Zentralschweiz hinaus grosse Beachtung.» Der Vertrag zur Nutzung des Hauses zwischen der Dätwyler-Stiftung und dem Kunstverein läuft bis 2029. «Eine entsprechende Standortbestimmung von beiden Seiten wird demnach erst 2025 aktuell werden», so Döhnert. «Aus heutiger Sicht gibt es keinen Grund für eine Änderung der Nutzung.»

Neben der Dätwyler-Stiftung sind der Kanton Uri und die Gemeinde Altdorf, die wichtigsten Geldgeber. Angewiesen sei das Haus aber auch auf verschiedene Sponsoren, sagt Elisabeth Fähndrich, Präsidentin des Kunstvereins Uri. «Mit dem Kanton und der Dätwyler-Stiftung haben wir Leistungsvereinbarungen, mi allen drei Institutionen pflegen wir eine angenehme partnerschaftliche Zusammenarbeit.» Lob hat Fähndrich vor allem für Direktorin Barbara Zürcher. «Es gelingt ihr immer wieder, die richtigen Themen zu setzen und spannende Künstler ins Haus zu holen.» Die Ausstellungen und Begleitprogramme sorgen für regelmässige Eintrittszahlen: In den vergangenen fünf Jahren waren es jeweils zwischen 4100 und 5300 Besucher. Zudem bietet die Kunstvermittlerin Workshops und Führungen für Gruppen und Schulklassen an. Von diesem Angebot wird rege Gebrauch gemacht, viele Urner Schulklassen kommen ins Haus für Kunst. Im Jahr 2016 besuchten gut 1600 Personen eine Veranstaltung der Kunstvermittlung, 2017 waren es sogar gut 1700.


Hinweis

Alle Beiträge der Serie gibt es unter: <b>urnerzeitung.ch/dossier</b>

Nach der Sanierung und dem Umbau wurde das Kunsthaus Ende März 1998, also vor zwanzig Jahren, feierlich eröffnet. (Bild: Urner Zeitung)

Nach der Sanierung und dem Umbau wurde das Kunsthaus Ende März 1998, also vor zwanzig Jahren, feierlich eröffnet. (Bild: Urner Zeitung)