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ALTDORF: Der Wolf M68 erhält Gastrecht im Museum

Das Tierpräparat des «Urner» Wolfs ist nun im Historischen Museum Uri ausgestellt. Die Geschichte der Wölfe in Uri beginnt allerdings nicht erst mit M68.
Rolf Gisler-Jauch
Der ausgestopfte M68 ist nun in Altdorf zu sehen. (Bild: PD)

Der ausgestopfte M68 ist nun in Altdorf zu sehen. (Bild: PD)

Früher tauchte der Wolf sporadisch im Urnerland auf. 1770 wurde dem Jäger Balz Jauch für einen im Isenthal erlegten Wolf eine Abschussprämie ausbezahlt. 1804 zeigten sich Wölfe auf dem Furkapass. 1824 streifte ein Wolf im Urserental umher und wurde von den Talbewohnern verjagt. Im Winter 1852/53 tauchte in den Wäldern des unteren Reusstals erneut ein einzelner Wolf auf. Der 18-jährige Jäger und nachmalige Hauptmann Andreas Imhof schoss sodann in der Adamsrüti (Axen) den vorerst letzten Wolf in Uri.

Dieser männliche Wolf befindet sich heute als Tierpräparat in der Sammlung des Zoologischen Museums der Universität Zürich. 1858 soll ein einzelner Wolf in den Urner Bergen nochmals für Aufregung gesorgt haben. Danach verabschiedete sich Ise-grim für fast 150 Jahre aus dem Urnerland und bald auch aus der Schweiz.

Urner Wölfe waren Einzelgänger

Obwohl in Uri der Wolf vor allem als Einzelgänger aufgetreten war, ist seine normale Sozialordnung das Rudel mit starken Bindungen. Zum Wolfsrudel gehören neben den Eltern und ihren Welpen meist auch Nachkommen aus dem Vorjahr bis zu ihrer Geschlechtsreife. Jedes Rudel besitzt ein Revier. Die Grösse der Reviere bestimmt sich durch die Grösse der Beutetierarten und deren Zahl. Bei ihren Wanderungen durch das Revier setzen Wölfe Harnmarken ab. Als weiteres Mittel zur Reviermarkierung dient das gemeinschaftliche Heulen der Rudelmitglieder. In einer Nacht kann ein Wolf 50 bis 70 Kilometer zurücklegen. Seit Ende des 20. Jahrhunderts steht der Wolf unter internationalem Schutz, und die Bestände erholten sich teilweise. So kehrte der Wolf zurück. In Uri hinterliess er wahrscheinlich im Jahr 2007, sicher jedoch 2008 erstmals wieder Spuren, indem er einzelne Schafe riss. 2015 tötete ein Wolf in der Region Isenthal/Emmetten 32 Schafe. Von der Sicherheitsdirektion wurde eine Abschussverfügung erlassen, der Wolf verabschiedete sich jedoch Richtung Vorarlberg.

Von Mitte Mai bis Anfang Juli 2016 hatte ein Wolf in Heim­betrieben und Alpen der Gemeinden Isenthal, Erstfeld, Gurtnellen und Wassen mehr als 40 Schafe gerissen. Dann riss er insbesondere im Gebiet Surenen nochmals rund 30 Nutztiere. Verschiedene DNA-Analysen zeigten auf, dass es sich beim schadenstiftenden Wolf immer um dasselbe Tier handelte, der den Namen M68 erhielt. M steht für «männlich». Die Nummer dient für die eindeutige Identifikation. Jeder mit einer DNA identifizierte Wolf erhält an der Uni Lausanne eine Ziffer, die fortlaufend nummeriert ist. M68 ist somit der 68. Wolf, der in der Schweiz genetisch identifiziert wurde.

Zu viele Schafe sind des Wolfes Tod

Seit 2007 wurden in Uri von vermutlich fünf Wölfen rund 150 Schafe gerissen. Die Kantone können für einzelne Wölfe, die erheblichen Schaden an Nutztieren anrichten, eine Abschussbewil­ligung erteilen. Das Ziel dieser Massnahme ist die Vermeidung von weiteren Schäden. Die Schadenschwelle liegt bei Gebieten, in denen der Wolf das erste Mal auftritt, bei 25 gerissenen Nutztieren in einem Monat oder 35 Nutztieren in vier Monaten.

Da mit den Rissen von M68 die Schadenschwelle erreicht war, erliess die Sicherheitsdirektion Mitte Juli 2016 eine entsprechende Abschussverfügung. Der Abschussperimeter umfasste das Alpgebiet westlich der Reuss von Seelisberg bis Göschenen sowie die Alpen in Ursern. Mit dem Abschuss wurden die kantonalen Organe der Wildhut und speziell bezeichnete Jäger beauftragt. Am 28. Juli 2016 wurde M68 im Gebiet Surenen erlegt.

Der Wolf wird zwischen 100 und 160 Zentimeter lang und hat eine Schulterhöhe von 50 bis 100 Zentimetern. Der europäische Wolf wiegt hingegen 28 bis 38 Kilogramm, während der nordamerikanische Wolf bis zu 80 Kilo schwer sein kann. In Europa ist das Wolfsfell grau bis bräunlich. Der Wolf erreicht ein Alter von 10 bis 13 Jahren. M68 war etwa ein bis zwei Jahre alt, wog 31 Kilogramm und war italienischer Abstammung. Der tote Wolf wurde dem Tierpathologischen Institut der Universität Bern zur Untersuchung übergeben. Er wies am linken Vorderbein eine zweite, ältere Schussverletzung auf, die in Abheilung war. Aufgrund der illegalen Schussverletzung wurde Anzeige gegen unbekannt erstattet. Von Hansruedi Riebli, Giswil, wur- de schliesslich das eindrücklich schöne Tierpräparat geschaffen. Nun ist der «Urner» Wolf im Historischen Museum zu sehen, ehe er schliesslich einen Platz im Naturkundemuseum der Kantonalen Mittelschule erhält.

Rolf Gisler-Jauch

redaktion@urnerzeitung.ch

Hinweis

Der Wolf kann im Historischen Museum Uri bis am 15. Oktober besichtigt werden: jeweils mittwochs, samstags und sonntags jeweils von 13 bis 17 Uhr. Später wird der Wolf im Naturkunde­museum des Kollegis stationiert.

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