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ALTDORF: Die «Höfli»-Gruppe ist ihr Lebenswerk

José Briker leitet seit zwölf Jahren die Pflegewohngruppe Höfli. Jetzt tritt die in Holland aufgewachsene Urnerin ab – auch mit ein bisschen Wehmut.
Florian Arnold
José Briker (59) im «Snoezelenraum», einem Erholungszimmer in der Pflegewohngruppe Höfli in Altdorf. (Bild Florian Arnold)

José Briker (59) im «Snoezelenraum», einem Erholungszimmer in der Pflegewohngruppe Höfli in Altdorf. (Bild Florian Arnold)

Florian Arnold

José Briker steckt den Schlüssel ins Schloss der schweren weissen Tür. Mit einem Ruck öffnet die Frau mit den kurz geschnittenen grauen Haaren die Pforte zu ihrem Reich und schliesst sie hinter sich wieder ab. Zwei Treppenstufen führen zu einer Holzvorrichtung, die mit einem Schnappschloss verriegelt ist. Ein Laufgitter? Nein. Auf den zweiten Blick wird klar: Die Vorrichtung dient nur dem Schutz, dass niemand die Treppe runterfallen kann. Auf der Couch in der Ecke hat sich ein älterer Mann etwas ungeschickt hingelegt. Seine Beine baumeln hin und her. Er macht ein Nickerchen. Briker nimmt es mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. «Hier kann eben jeder machen, was er will und wie es ihm wohl ist.» Die Räume sind hoch, die Holzverkleidungen vermitteln eine heimelige Atmosphäre. Die Gänge sind so breit, dass man nicht den Eindruck hat, auf einer geschlossenen Abteilung zu sein.

25 Bewohner werden betreut

Die Pflegewohngruppe Höfli hat sich auf demente Menschen spezialisiert, die sich noch selber fortbewegen können. Vor zwölf Jahren wurde das ehemalige Fabrikgebäude der Dätwyler AG umgebaut. Und vor zwölf Jahren wurde José Briker ins Boot geholt, als erste Leiterin der Wohngruppe. Waren es ganz zu Beginn drei Patienten, so verbringen heute 25 Personen ihren Lebensabend in den Loft-Räumen. Die Angestellten teilen sich 26 Vollzeitstellen.

«Hier geben die Bewohner den Rhythmus vor», erklärt Briker. Jeder steht dann auf, wann es ihm passt. Ob um 8 oder um 10 Uhr, spielt keine Rolle. «Wir drängen nicht mit der Körperpflege oder dem Essen», betont Briker. «Wer hier arbeiten will, muss flexibel, einfühlsam und motiviert sein. Am wichtigsten ist ein gesunder Menschenverstand.» Sich auf einen Tag vorzubereiten, sei aber zwecklos. «Hier ist keine Stunde wie die andere.»

Anekdoten werden festgehalten

Das Schicksal dementer Menschen sei zwar traurig. Trotzdem gebe es bei der Arbeit sehr viel zu lachen, sagt Briker. «Ich werde es nie vergessen, wie ein Bewohner dachte, dass er auf der Jagd sei», sagt sie mit einem Schmunzeln. «Er lag die ganze Nacht wach auf der Lauer nach Wild.» An solchen Dingen müsse man einfach das Positive sehen, sagt sie. «Der Mann konnte in dieser Nacht sein, wie er wollte.» Die besten Anekdoten halten die Mitarbeiter sogar in einem Humorbuch fest.

Leben wird nicht verlängert

Ständiger Begleiter im Heim ist aber auch der Tod. «Das ist kein Tabuthema bei uns», sagt Briker. «Für die meisten hier bedeutet der Tod Erlösung. Wir akzeptieren, wenn jemand gehen will, auch wenn uns die Menschen natürlich ans Herz gewachsen sind.» Doch das Heim verzichtet – gestützt auf die Einverständniserklärungen der Angehörigen und der Ärzte – auf lebensverlängernde Massnahmen.

Die Arbeit mit den Dementen belastet. «Nach einem Achteinhalbstundentag ist man schon sehr müde», sagt Briker. Dann sei es wichtig, abschalten zu können. Ihre Familie helfe ihr dabei, erzählt die Mutter von drei erwachsenen Kindern. In ihrer Freizeit liest Briker Bücher. Ihr grösstes Hobby ist aber das Velofahren. Ihr elegant geschwungenes Rad mit den grossen Seitentaschen gilt als ihr Markenzeichen.

Nicht nur ihre Liebe zum Velo, sondern auch ihr Akzent beim Sprechen verraten es: José Briker ist in den Niederlanden aufgewachsen. 1982 kam sie in die Schweiz und arbeitete zunächst im Akutspital in Uznach. Später kam sie ans Kantonsspital Altdorf, wo sie auch ihren Mann kennen lernte. Nach einer siebenjährigen Babypause begann Briker im «Spannort» in Erstfeld zu arbeiten und leitete dort später den Pflegedienst. Nach einem einjährigen Time-out fühlte sie sich bereit, die Herausforderung anzunehmen und die Pflegewohngruppe Höfli aufzubauen.

«Das Kind ist jetzt erwachsen»

Nun, nach zwölf Jahren, zieht sie den Schlussstrich. Heute Freitag ist ihr letzter Arbeitstag als Leiterin. «Die Pflegewohngruppe Höfli ist mein Lebenswerk», sagt Briker. «Ich habe das Kind vor zwölf Jahren geboren. Jetzt ist es erwachsen, und ich muss es loslassen.» Und etwas Wehmut kann sie der Situation nicht absprechen.

«Ich habe mein Leben lang mit kranken und gebrechlichen Menschen gearbeitet», fasst die 59-Jährige zusammen. «Man hofft natürlich, dass einem dieses Schicksal selber erspart bleibt.» Ganz ausschliessen könne sie aber nicht, dass auch sie dereinst der Demenz verfalle. Und dann? Würde die Heimleiterin selber ins Höfli ziehen? Briker überlegt lange. «Für Demente ist das Höfli sicher die beste Institution», gibt sie sich zurückhaltend. «Ich hätte sicher keine Mühe, meine Mutter oder meine Schwiegermutter hier zu platzieren.» Aber Briker gibt zu: «Ich werde nicht gerne alt.»

Institution soll spezialisiert bleiben

Mit gutem Gewissen aber verlässt sie nun die Pflegewohngruppe. «Wir haben heute ein sehr gutes Image», weiss die langjährige Leiterin. «Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Institution weiterhin gut spezialisiert bleibt und sich aber immer weiterentwickelt», sagt José Briker. «Das geht nur, wenn man weiterhin ein gutes Team hat.»

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