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ALTDORF: Die Karfreitagsprozession durchs Künstlerauge betrachtet

Heinrich Danioth war ein scharfer Beobachter. Filmautor Felice Zenoni hat nach österlichen Spuren im schriftlichen Nachlass des Urner Malers und Schriftstellers gesucht.
Die Altdorfer Karfreitagsprozession – einst ... (Bild: PD)

Die Altdorfer Karfreitagsprozession – einst ... (Bild: PD)

Das Staatsarchiv Uri bewahrt einen Grossteil von Heinrich Danioths schriftlichem Nachlass auf. Für seinen Dokumentarfilm über ihn konnte Felice Zenoni vor Ort sämtliche Dokumente einsehen und transkribieren. Eine Sisyphusarbeit, bei der er unter anderem auch von den Töchtern des Künstlers, Madeleine und Cilli, unterstützt wurde.

Gerne hätte Zenoni im Film auch Passagen aus einem undatierten Brief Danioths an seine Urner Künstlerfreundin Erna Schillig visualisiert. Darin thematisiert er die Karfreitagsprozession in Altdorf. Diese Szene war im Film als Pendant zum St.-Nikolaus- und Weihnachtskapitel gedacht. Doch die Materialfülle zwang Zenoni zu rigoroser Reduktion, und so musste die geplante Szene vorzeitig über die Klinge springen. Dennoch möchte er sie nun dem geneigten Leser zu Ostern zumindest in schriftlicher Form nachliefern. Die präzise Schilderung der Karfreitagsprozession durch das Künstler­auge trifft wohl immer noch zu und behält ihre Gültigkeit. Wie zu Danioths Zeiten tragen auch heute die Barmherzigen Brüder eine Marienstatue von der Pfarrkirche Altdorf zum Kapuzinerkloster. Die 1754 nach Mailänder Vorbild gegründete Bruderschaft nimmt verschiedene Aufgaben im kirchlichen Leben wahr und setzt sich für die Wohlfahrt ein.

Danioth kommentiert mit leicht spöttischem Unterton

Man spürt bereits in diesem frühen Text Danioths fast bewunderndes Interesse für kirchliche Tradition, die mit der Frömmigkeit einfacher Leute einhergeht. Gleichzeitig positioniert er sich klar als aussenstehender Betrachter, der das Ereignis distanziert und mit leicht spöttischem Unterton (den er sich im Austausch mit Freunden direkter und ausgiebiger erlaubte) kommentiert. Im Film «Danioth – der Teufelsmaler» summiert Tochter Madeleine Danioth: «Ich glaube, mein Vater war ein tief religiöser Mensch. Er tat das, was man heute als human oder sozial bezeichnen würde. Mühe hatte er mit der Kirche als Institution.»

Vermutlich schrieb Danioth den Brief gegen Ende der 1920er-Jahre, in jener Zeit als sowohl er wie auch Erna Schillig vom deutschen Expressionisten und Professor August Babberger unter die Fittiche genommen wurden. Beide Urner studierten bei ihm an der «staatlichen Akademie der bildenden Künste» in Karlsruhe. Ähnlich konsequent wie Heinrich Danioth ging sie ihren künstlerischen Weg, und dies zu einer Zeit als Frauen in der von Männern dominierten Kunstwelt noch die Ausnahme bildeten. In den 1960er-Jahren war sie eine der wenigen weiblichen Expertinnen in der Eidgenössischen Kunstkommission.

Nachfolgend der leicht gekürzte undatierte Brief Heinrich Danioths an Erna Schillig: «Karfreitag – mein liebes Erna! Auch ich bin zu müde, um ausführlicher zu werden. Einziger Beweggrund zu diesem Brief ist der, wenigstens auch unter deinen Ostergratulanten zu sein und gemeinsam mit dir den werdenden Frühling zu feiern. 9 Uhr abends! Soeben ‹stabat-matert› es durch die dunklen Röhren unserer Dorfgassen.

Du kennst ja diese so leicht zugängliche Musik. Blechernes Trompetengeschmetter, abgelöst von einem müden leiernden Volksgesang! Schön, sind die Hunderte von Lichtlein in den Händen von zehn- bis sechzigjährigen ‹Kindern›. Und dann diese braven Männer in gelben Mänteln, die vor einer halben Stunde den Jassteppich klopften! Heidnischer kann man schon nicht mehr sein. Ich denke bei diesem Anlass immer mit einigem Schrecken an unsere eigene schreckenvolle Jugend zurück. Waren das Tage geistiger Züchtigung und beispielloser Unfreiheit. Die Kinder von heute haben wenigstens ihre flammende Kerze. Der Unterhalt des flackernden Feuerleins regt wenigstens natürliche Interessen an. Sapperment, Erna! Ich danke dir noch für deine prächtigen Fotos. Wie viel Freude hast du mir damit gemacht! Wenn man abends so abgeschunden aus der Fabrik kommt, um alsbald unter der Einsamkeit und der geistigen Öde eines Dorfes zu leiden: Hei, wie wertvoll sind dann Briefe, die alte geistige Bande erneuern. Ich war gewiss noch nie empfänglicher für Freundschaftsbriefe als in der letzten Zeit. Frohe Festtage und herzliche Grüsse von Heiri Danioth, der gegenwärtig wirklich sehr viel arbeitet und äusserst zurückgezogen und solid lebt.»

(red)

Hinweis

Die Altdorfer Karfreitagsprozession von der Pfarrkirche St. Martin zum ehemaligen Kapuzinerkloster beginnt Karfreitag um 20 Uhr.

... und heute. (Bild: PD)

... und heute. (Bild: PD)

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