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ALTDORF: «Die Tell-Inszenierung hat viel Pathos»

Die bildgewaltige Neuinszenierung der Tellspiele erhielt am Samstag sehr viel Lob. Sie regte aber auch zu Diskussionen an und stiess zum Teil auch auf Kritik.
Markus Zwyssig
Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart unterhält sich angeregt mit einer Tellspielerin. (Bild Urs Hanhart)

Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart unterhält sich angeregt mit einer Tellspielerin. (Bild Urs Hanhart)

Starker, lang anhaltender Applaus und schliesslich stehende Ovationen: Die Neuinszenierung der Altdorfer Tellspiele unter der Regie von Philipp Becker kam bei der Premiere am Samstag sehr gut an. Im Saal sassen einige prominente Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Begeistert war Bundesrat Ueli Maurer.«Ich liebe Schiller und ‹Tell›», sagte er nach der Aufführung im Foyer des Tellspielhauses. «Das war eine der besten Inszenierungen», so sein Urteil. «Tell» habe er sicher schon zehnmal gesehen. Zum dritten Mal sei er nun in Altdorf. Der Text werde authentisch und mit viel Pathos vorgetragen. «Regisseur Philipp Becker ist es gelungen, ein Volkstheater mit sehr viel Charme, ein bisschen Witz und mit einem Augenzwinkern zu präsentieren», urteilte Maurer.

«Beeindruckt von den Urnern»

Ständeratspräsident Raphaël Comte hat Schillers «Wilhelm Tell» zum ersten Mal gesehen. «Diese Inszenierung ist wunderschön», lobte er nach der Aufführung. Er finde es spannend zu sehen, wie jeder Kanton in der Schweiz seine eigenen Traditionen pflege. Von der Leistung der Urner zeigte er sich beeindruckt. «Das ist ganz speziell mit den vielen Leuten, die mitwirken, mit den Bühnenbildern, mit dem Chor und mit der Musik.»

Sehr stark angesprochen von der Inszenierung fühlte sich der Urner Landammann Beat Jörg.«Bei dieser Inszenierung rückt die Sprache stärker in den Vordergrund.» Weil viele Rollen mehrfach besetzt seien, könnten viele einen wichtigen Part übernehmen. Ganz besonders freut es Jörg, dass auch viele junge Spieler tragende Rollen spielen dürfen. «Philipp Becker und sein Team haben eine grandiose Leistung geliefert.» Zudem würden die Musik und der Chor einen wichtigen Teil der Inszenierung ausmachen.

«Das war eine der besten Inszenierungen, die ich bisher gesehen habe», sagte Regierungsratskollege Urs Janett.«Die Inszenierung hat viel Pathos. Es hat eine gewisse Schizophrenie, weil verschiedene Rollen mehrfach gesprochen werden.» Beeindruckt war Janett von den «witzigen Bühneneffekten, die ich bisher in einem Tellspiel noch nie gesehen habe».

«Botschaft ist verständlich»

Sehr speziell fand Ständerat Isidor Baumann die Aufführung. «Die Inszenierung hat mich immer stärker beeindruckt, je länger die Aufführung dauerte.» Erstaunt sei er nach der Pause ein bisschen gewesen, dass das Wasser ­einen derart hohen Stellenwert einnehme. «Philipp Becker gelingt es aber mit seiner Inszenierung, eine Botschaft rüberzubringen, die man sehr gut versteht.»

Von einer grossartigen Inszenierung sprach Pius Knüsel, Kulturvermittler und Direktor der Volkshochschule Zürich. Gespielt worden sei auf eine unglaublich schöne Art übertrieben und in dieser Übertreibung auch ironisch. «Gleichzeitig werden die Kernbotschaften auf einem Silbertablett präsentiert. »

«Froh um Gessler und Tell»

Die Inszenierung stiess aber nicht ausschliesslich auf Lob. Es gab auch kritische Stimmen, so etwa diejenige von Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart. Er schätzt zwar die grosse Kraft und die Begeisterungsfähigkeit der Spieler. Dass aber mehrere Personen eine Rolle darstellen – im Fall von Tells Frau Hedwig gleich deren 14 –, findet er fragwürdig. Er sei sehr froh gewesen, als Gessler seinen Auftritt hatte. Den gibt es nämlich – wie auch Tell – bei der diesjährigen Inszenierung nur einmal: «Endlich steht ein Schauspieler auf der Bühne. Einer, der eine ganze Rolle spielen darf», so Müller-Drossaart. Es sei sicher gut gemeint. «Ich verstehe, dass man alle mitspielen lassen will. Aber den Spielern wäre mehr geholfen, wenn sie allein eine Rolle verkörpern könnten.» Als Zuschauer wäre es besser verständlich, wenn nicht alle miteinander oder jeder nur einen Satz spricht, so Müller-Drossaart. Das mache die Inszenierung von Philipp Becker etwas verwirrlich. «Für Laien ist es eine Überforderung.» Die Qualität der Urner sei bisher immer gewesen, dass sie glaubhaft eine Rolle verkörperten und auf der Bühne gemeinsam eine Welt erschafften. Für Müller-Drossaart ist klar: «Die Schauspieler kommen zu wenig zum Zug, denn sie müssen ihre Rolle mit anderen teilen.» Zum Schluss der Aufführung werde zwar deutlich, dass es dem Regisseur gelungen sei, die Spieler zu begeistern. Trotzdem freue er sich wieder auf eine Inszenierung mit mehr politischem Inhalt.

Hinweis

Die TV-Sendung «Glanz & Gloria» auf SRF 1 wird heute Montag um 18.50 Uhr über die Premiere der Altdorfer Tellspiele berichten.

Markus Zwyssig

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