Altdorf
Die Tellspiele 2021 sind abgesagt

Schillers Tell wird in Altdorf erst 2024 in einer Neuinszenierung zu sehen sein. Die Tellspielgesellschaft kann dann ihr 125-Jahr-Jubiläum feiern.

Markus Zwyssig
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Darauf müssen sich die Urner noch länger gedulden: Eine Szene der Altdorfer Tellspiele 2016.

Darauf müssen sich die Urner noch länger gedulden: Eine Szene der Altdorfer Tellspiele 2016.

Bild: Keystone / Urs Flüeler (Altdorf, 13. August 2016)

Alles war vorbereitet für den Probestart ins Tellspieljahr 2021. Diese Woche hätte es losgehen sollen. Doch nun kommt alles anders. Der Vorstand der Tellspielgesellschaft hat sich angesichts der unsicheren Situation mit der Regisseurin Annette Windlin und dem Kulturbeauftragten des Kantons, Ralph Aschwanden, zu einer virtuellen Aussprache getroffen. Dabei kam man zum Schluss, dass nichts anderes bleibt, als die Tellspiele 2021 abzusagen. Am Freitag wurde nun eine entsprechende Medienmitteilung verschickt.

«Der Entscheid fiel uns allen schwer», sagt Barbara Bär, Präsidentin der Tellspielgesellschaft auf Anfrage. «Aufgrund der jetzigen Situation sahen wir keine andere Möglichkeit, als die Aufführungen abzusagen. Auch wenn wir dies schweren Herzens tun, ist der Vorstand überzeugt, dass es im Interesse der Tellspiele erfolgt ist.»

Barbara Bär: «Aktuelle Unsicherheit ist zu gross»

Die Beiträge des Kantons Uri, der Gemeinde Altdorf, der Urner Kantonalbank sowie der zahlreichen Stiftungen und Sponsoren waren gesichert. «Die Tellspiele Altdorf durften einmal mehr die breite Unterstützung und das Wohlwollen in Uri erfahren», so Barbara Bär. Umso mehr schmerze dieser Entscheid, die Tellspiele 2021 abzusagen. Die aktuelle Unsicherheit sei zu gross. Und: «Wie sich die Situation weiterentwickelt, ist nicht absehbar.» Der Probenbetrieb könne auch mit einer begrenzten Anzahl Personen nicht aufgenommen werden. Die Gefahr, dass einzelne Leute oder ein Teil des Ensembles in Quarantäne müssten, sei vorhanden und wäre für das Projekt fatal. Das Regieteam und die Spieler müssten frei und unbeschwert arbeiten können. Eine dauernde, angespannte Lage verhindere dies.

Regisseurin und ihr Team tragen Entscheid voll und ganz mit

«Die Absage ist bitter», sagt Regisseurin Annette Windlin. Für sie und ihr Team sei es ein harter, aber gerechtfertigter Entscheid, den man voll und ganz mittrage. «Ich muss einen aus gesundheitlicher Sicht sicheren Probebetrieb gewährleisten können. Hier stehen wir insbesondere gegenüber älteren Mitwirkenden in der Verantwortung.» Anderseits bereitet aber auch die Vorstellung Sorge, nach einem halben Jahr intensiver Probenarbeit nicht auf der Bühne vor vollen Publikumsrängen spielen zu können.

Nach der ersten Verschiebung von 2020 aufs 2021 waren alle Vorkehrungen getroffen. Das Regieteam, die Schauspielerinnen und Darsteller machten sich bereit, das Projekt für den Herbst 2021 wieder hochzufahren. «Wir waren schon recht weit fortgeschritten mit unseren Vorbereitungen», so Annette Windlin. Doch nun müsse man die Bücher schliessen. Das sei traurig, beende aber auch die ständige Unsicherheit, wie es weiter gehen soll.

Finanziell ist eine Absage aktuell mit der Unterstützung der öffentlichen Hand, der Stiftungen und der Sponsoren für die Tellspielgesellschaft noch tragbar. «Wir werden alles in unseren Möglichkeiten Stehende tun, um für das Regieteam, aber auch etwa für das Theater Uri das Beste herauszuholen,» meint Barbara Bär. «Es wird aber das Entgegenkommen von allen Seiten brauchen, um die Tellspiele am Leben zu erhalten.»

Die Neuinszenierung der Tellspiele wird auf das Jahr 2024 verschoben, weil in diesem Jahr die Tellspiel- und Theatergesellschaft Altdorf ihr 125-jähriges Bestehen feiern kann. Der Vorstand will das Jubiläum unbedingt mit einer Aufführung von Schillers Tell verbinden. Für alle Beteiligten ist klar, dass Annette Windlin auch im 2024 Regie führen und ihre Inszenierung auf die Altdorfer Bühne bringen soll. Das Regieteam wird wiederum zur Verfügung stehen.

Annette Windlin: «Die Besetzung der Rollen muss wohl neu geklärt werden»

Die Arbeit für die Neuinszenierung soll anfangs 2023 aufgenommen werden. Annette Windlin wird sich mit ihrem Team dann Gedanken machen, wie diese aussehen soll. Heute ist diesbezüglich noch viel offen. «Die Welt wird sich in dieser Zeit auch verändern und das beeinflusst auch unsere Arbeit», sagt sie. «Vielleicht wird sich auch das Spielerteam verändern. Einige sind nicht mehr dabei, andere kommen dazu. Die Besetzung der Rollen muss dann wohl neu geklärt werden», so Annette Windlin.

Die Tellspielgesellschaft ist für die Aufführungen im 2024 zuversichtlich. Dies insbesondere auch, weil die Urner Kantonalbank ihre weitere Unterstützung als Hauptsponsor bereits zugesagt hat. «Damit können wir nun mit Elan und top motiviert auf die Tellspiele 2024 blicken», sagt Annette Windlin.

Hinweis: Bereits gekaufte Tickets für die diesjährigen Aufführungen werden zurückerstattet. Die aktuellen Informationen werden auf der Internetseite der Tellspielgesellschaft aufgeschaltet.