ALTDORF: Diese Hochzeitsfeier geht bachab

Die Theatergruppe «Momänt & Co.» spielt Bertolt Brechts «Die Hochzeit» auf Urner Mundart. Beim Einakter machen viele neue Talente mit. Die bewährten Kräfte helfen nun vor allem hinter den Kulissen.

Markus Zwyssig
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Hier herrscht dicke Luft (von links): die Mutter des Bräutigams (Corinne Gnos), der Bräutigam (Florian Arnold), die Braut (Madlen Arnold) und der Vater der Braut (Stefan Gisler). (Bild: Hans Schneckenburger (Altdorf, Januar 2017))

Hier herrscht dicke Luft (von links): die Mutter des Bräutigams (Corinne Gnos), der Bräutigam (Florian Arnold), die Braut (Madlen Arnold) und der Vater der Braut (Stefan Gisler). (Bild: Hans Schneckenburger (Altdorf, Januar 2017))

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Blutauffrischung bei der Theatergruppe «Momänt & Co.»: Bewährte Spieler wie Anita und Marco Schenardi sowie Beat Widmer stehen bei der diesjährigen Produktion nicht auf der Bühne. Für die Zukunft halten sie sich aber ein weiteres Mitspielen noch offen. Dafür gibt es diesmal neue Talente zu entdecken.

Die Änderungen sind gewollt. Die Vereinsmitglieder haben sich einen Generationenwechsel gewünscht und daher erstmals Regisseur Jürg Schneckenburger ­engagiert. In Uri ist er bekannt durch seine zahlreichen Arbeiten für das Jugendtheater Altdorf und weitere Theaterprojekte, bei denen Jugendliche beteiligt waren. So hat er bereits mit Madlen Arnold, Corinne Gnos und Rahel Ziegler mehrmals zusammengearbeitet. Nino Arnold hat er bei der Inszenierung «Durchs wilde Finstertal», in der Kegelbahn des Restaurants Kreuz, kennen gelernt. Sie alle stehen nun bei «Momänt & Co.» auf der Bühne. Florian Arnold spielte vor zwei Jahren bei den Theateraufführungen mit der Band The Krabbers. Nun übernimmt er eine der Hauptrollen. Zum zweiten Mal dabei ist Guido Infanger. Er hat bei «Nicht nur zur Weihnachtszeit» bereits mitgespielt.

«Es braucht eine Blutauffrischung, damit der Verein nicht überaltert», so der 55-jährige Schneckenburger. Die Theatergruppe «Momänt & Co.» wurde 1992 gegründet. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, aktuelles, engagiertes, anspruchsvolles, aber auch unterhaltsames Theater zu zeigen. Seit der Freilichtaufführung «Indergand» wird diese Zielsetzung in der Regel alle zwei Jahre auf der Bühne des Theaters Uri umgesetzt.

Ehemalige Spieler helfen öfter hinter den Kulissen

Von der Stammbesetzung sind auf der Bühne diesmal nur Stefan Gisler und Sandra Lussmann dabei. Die älteren Vereinsmitglieder sind hinter den Kulissen tätig. Marco Schenardi hat einmal mehr das Stück in Urner Dialekt übersetzt. Die Familie Schenardi ist weiterhin auch mit Luca Schenardi vertreten, er ist seit Beginn für die Grafik und das Plakat verantwortlich. Beat Widmer hat zusammen mit Sabina Marazzi wiederum die Produktionsleitung übernommen. Die Theatergruppe spielt diesmal ein eher kurzes Stück. «Die Hochzeit» ist ein Einakter von Bertolt Brecht. Die Inszenierung von «Momänt & Co.» dauert knapp 80 Minuten ohne Pause. In der Bearbeitung von Theo Ziegler und Jürg Schneckenburger sind zwei Lieder von Bertolt Brecht und zwei Schweizer Volkslieder zu hören. Es wird gesungen und getanzt. Theo Ziegler greift als Sänger gleich mehrere Male zur Mandoline. Auch hat Schneckenburger zum Stück einen Prolog und einen Epilog inszeniert. Und das vor allem aus einem Grund: «Ich will das Hochzeitspaar nicht als Verlierer aus dem Stück entlassen», erklärt er.

Brecht hat das Stück im Alter von 21 Jahren geschrieben. Bereits in diesem Frühwerk zeigten sich aber die Stärken des Schriftstellers. Das Stück sei gar nicht so einfach zu spielen, so Schneckenburger. «Es ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Themen Liebe und Beziehung. Für Schneckenburger ist «Die Hochzeit» eine spannende, heitere Tragikomödie. Brecht hat das Stück als Spiegel für das Kleinbürgertum geschrieben. Das Paar sieht sich in der damaligen Zeit gezwungen, zu heiraten. Die Frau ist schwanger. Das Paar will das Gesicht wahren und sich in einem guten Licht präsentieren. «Die Erwartungen an das Fest sind zu hoch», sagt Schneckenburger. «Es muss gezwungenermassen in die Brüche gehen.»

Stück regt zum Nachdenken, aber auch zum Lachen an

Das Stück, das Brecht vor fast hundert Jahren geschrieben hat, ist für Schneckenburger nach wie vor aktuell. «Der Text spiegelt die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen. Das betrifft und berührt uns heute wie damals.» Spannend findet Schneckenburger, wie verschiedene Generationen mitspielen: Da sind zwei ältere Menschen, ein Ehepaar in der Krise, ein junges Paar und schliesslich zwei, die sich an diesem Abend frisch verlieben. «Das Stück regt dazu an, über Anerkennung nachzudenken», so Schneckenburger.

Das Stück bietet für das Publikum aber auch viel zum Lachen: Slapsticknummern um auseinanderfallende Möbelstücke werden mit Leichtigkeit dargeboten. Schneckenburger jedenfalls gefällt es, Brecht zu inszenieren. «Das macht Lust, sich vielleicht auch einmal an ein grosses Stück von Brecht zu wagen», sagt Schneckenburger. «Mutter Courage und ihre Kinder» beispielsweise wäre ein solches Werk, mit dem sich Schneckenburger gerne für eine Inszenierung auseinandersetzen würde.

Vorerst aber erlebt das Publikum auf der Bühne im Theater Uri, was an einer Hochzeitsfeier alles schief laufen kann. «Ich bin gespannt, wie das Publikum reagieren wird», sagt Schneckenburger. Sicher sei, dass sich bei der Inszenierung über alle Aufführungen hinweg noch einiges weiterentwickeln werde. Bis zum 10. Februar wird die Theatergruppe das Stück «Die Hochzeit» insgesamt 20 Mal spielen.

Hinweis

Die Theatergruppe «Momänt & Co.» feiert mit Bertolt Brechts «Die Hochzeit» am Samstag, 7. Januar, Premiere. Billette für die Aufführungen im Theater Uri sind beim Ticketcenter Uri, Telefon 041 874 80 00, erhältlich.

«Der Text spiegelt die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen.» Jürg Schneckenburger, Regisseur (Bild: Hans Schneckenburger)

«Der Text spiegelt die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen.» Jürg Schneckenburger, Regisseur (Bild: Hans Schneckenburger)