ALTDORF: Diese Tellspiele werden ein Spektakel

Regisseur Philipp Becker hat für seine «Tell»-Neuinszenierung Grosses vor. Mit Vorbereitungen und Sponsorensuche ist man früh dran und das aus gutem Grund.

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Gesslers imposanter Auftritt bei den Tellspielen 2012: Auch bei der Neuinszenierung im kommenden Jahr soll wieder ein Pferd auf der Bühne stehen. (Archivbild Urs Hanhart / Neue UZ)

Gesslers imposanter Auftritt bei den Tellspielen 2012: Auch bei der Neuinszenierung im kommenden Jahr soll wieder ein Pferd auf der Bühne stehen. (Archivbild Urs Hanhart / Neue UZ)

Markus Zwyssig

Tell steht ganz vorne auf der Bühne. Er spannt die Armbrust. Sohn Walter setzt sich hinten im Saal den Apfel auf den Kopf. Wenig später zischt ein Pfeil über die Köpfe des Publikums hinweg und bohrt sich durch den Apfel. Für die Schlüsselszene in Schillers «Wilhelm Tell» will Regisseur Philipp Becker einen Filmtrick nutzen. In seiner Neuinszenierung der Altdorfer Tellspiele für das kommende Jahr wird es zahlreiche weitere bildgewaltige Szenen geben, die mit modernster Technik bewältigt werden. So soll beispielsweise der Bau der Zwing Uri derart imposant dargestellt werden, dass die Zuschauer sich an den monumentalen Filmklassiker «Metropolis» von Fritz Lang erinnert fühlen. Das Rütli wird als eine Projektion aus Licht erstrahlen. Und dann regnet es sogar auf der Bühne. Ein Pferd soll ebenfalls wieder über die Bühne traben. Bei Gesslers Auftritt in der Hohlen Gasse soll der Zuschauer an düstere Tim-Burton-Filme denken.

Begeisterte Tellspieler

«Unsere Aufführung soll den Pulsschlag der Menschen verändern», sagte Regisseur Philipp Becker. Mit seinen Ausführungen löste er an der GV der Tellspiel- und Theatergesellschaft Altdorf am Samstagabend Begeisterung aus. Noch dauert es fast eineinhalb Jahre bis zur Premiere. Doch die Vorstellungen des Regisseurs und seines Teams sind bereits sehr konkret. Becker zeigte Bilder und kurze Filmeinspielungen von den Bauproben. Zu sehen war auch ein Modell der Bühne, und es gab erste Kostüme zu bewundern. Becker ist bei seiner Inszenierung nicht so sehr an der Tagespolitik interessiert, sondern an Tell als Mythos. «Im Zentrum steht das Recht auf Freiheit», sagte Becker. Das Streben nach Unabhängigkeit sei zeitlos und habe den Menschen seit jeher beschäftigt. Dargestellt werden soll dies mit einem Ritt durch die Zeiten von der mythischen Vorzeit bis zur Gegenwart.

MG Schattdorf ist mit dabei

Philipp Becker sucht für seine Neuinszenierung rund hundert Spieler und ein Orchester. Die Rollen werden zwar erst im Dezember verteilt. Klar ist aber, dass Michel Truniger die 20 Musiker dirigieren wird. Die Musikgesellschaft Schattdorf wird massgeblich das Orchester bilden. Dazu kommen zwei bis drei Profimusiker. Aaron Tschaler übernimmt die Chorleitung. «Jung und Alt sollen bei der Neuinszenierung mitmachen», sagte Becker. Und er verspricht: «Alle werden singen und tanzen.»

Weit fortgeschritten ist man auch in Sachen Werbung, wie der Marketingverantwortliche Dani Regli aufzeigte. Diese soll zum Denken anregen, plakativ wirken und auch ein wenig provozieren. Immer wieder zu sehen ist das umgekippte Schweizer Kreuz. Nebst Plakaten soll es auch Porträts der Spieler in Postkartenformat geben.

Konkurrenz auf dem Rütli

«Wir haben mit der Sponsorensuche früher als üblich begonnen», sagte Präsidentin Barbara Bär. Der Grund: Es gibt noch ein weiteres kulturelles Grossprojekt. Der Urner Schauspieler und Buchautor Urs Althaus plant, im Sommer 2016 auf dem Rütli Gioachino Rossinis Oper «Wilhelm Tell» aufzuführen. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) hat die Bewilligung bereits vor geraumer Zeit erteilt. Die Oper soll vom 28. Juli bis am 28. August 2016 aufgeführt werden. Die «Tell»-Neuinszenierung in Altdorf feiert am 20. August Premiere. Geplant sind 26 Aufführungen. Dabei erhofft man sich eine Auslastung von mindestens 70 Prozent.

Fast 400 000 Franken braucht es für die aufwendige Neuinszenierung an Sponsorengeldern. Der Kanton Uri, die Gemeinde Altdorf und die Urner Kantonalbank haben ihre Unterstützung zugesichert.

Bei der Tellspiel- und Theatergesellschaft Altdorf ist man zuversichtlich, dass man auch die restlichen Gelder zusammenbringt. «Bei verschiedenen Stiftungen ist es schwierig geworden, Beiträge zu erhalten», stellte Finanzchef Daniel Bollinger fest. Das habe vor allem mit den tieferen Zinserträgen der Stiftungsvermögen zu tun.

Mit grosser Ausstrahlung

Er sei sprachlos, sagte der an der GV anwesende Peter Wenger, Präsident des Tellspielvereins Interlaken. Auch im Berner Oberland sei für 2016 eine Neu­inszenierung geplant. Doch im Gegensatz zu Altdorf, das immer wieder Neues ausprobiere, setze man in Interlaken auf die Tradition.

Wenn in Altdorf «Tell»-Neuinszenierungen stattfinden würden, sei das immer etwas Besonderes, sagte Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg. «Das Theater strahlt weit über die Kantonsgrenzen hinaus.» Die sehr grosse Leistung der Mitwirkenden werde enorm geschätzt. Daher biete der Kanton Uri auch Hand zur finanziellen Unterstützung und für eine Defizitgarantie.