ALTDORF: Dieser Künstler ist auch ein leidenschaftlicher Sammler

Ian Anüll zeigt im Haus für Kunst Uri eigene Arbeiten und Werke aus seiner grossen Sammlung. Auf den drei Stockwerken des Hauses ist ein vielfältiges Kunst-Sammelsurium zu sehen. Zudem gibt es wieder ein breites Begleitprogramm.

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Ian Anüll zeigt im Haus für Kunst Uri eigene Arbeiten und Werke aus seiner Sammlung. (Bild: Markus Zwyssig)

Ian Anüll zeigt im Haus für Kunst Uri eigene Arbeiten und Werke aus seiner Sammlung. (Bild: Markus Zwyssig)

Beim Durchstöbern meiner Sammlung an Vinylplatten bin ich vor ein paar Tagen auf eine obskure Aufnahme aus den 1980er-Jahren gestossen: «Zero Zero Dead Mickey» von Robert Zimmermann. Das Cover der in den Studios der Schweizer Band Yello entstandenen Scheibe stammt von einem gewissen Ian Anüll. In Uri war das bisher ein wohl eher unbekannter Name. Das dürfte sich aber nun schlagartig ändern. Jetzt kann man den 1948 in Sempach geborenen Künstler in Altdorf entdecken, und zwar gleich auf drei Stockwerken.

Auf Einladung des Hauses für Kunst Uri hat Ian Anüll Arbeiten der vergangenen 40 Jahre ausgewählt, die er grösstenteils noch nie zuvor gezeigt hat. Geschickt mischt er seine Werke mit Arbeiten von Künstlern, mit denen er getauscht oder deren Arbeiten er gekauft hat. Und das ist eine fast unglaubliche Menge. «Wir zeigen nur eine Auswahl», sagte Barbara Zürcher, Direktorin des Hauses für Kunst Uri, gestern beim Presserundgang durch die neue Ausstellung. «Es gibt noch sehr viel mehr.» Denn Ian Anüll ist ein obsessiver Sammler. Er bewahrt seine Kunst in mehreren Depots – unter anderem auch in Frankreich – auf.

Ex-Punkerin als Künstlerin und Musikerin zu erleben

Für seine «Show», wie er die Ausstellung im Haus für Kunst selber nennt, konnte Ian Anüll aus dem Vollen schöpfen. Kaum mehr wiederzuerkennen ist der Danioth-Pavillon. Der holländische Künstler Jan van der Ploeg hat die Wände knallig bunt bemalt. Da wird üppig angerichtet. Abstrakte Malerei und zahlreiche Objekte aus Anülls Sammlung sind zu sehen.

Gezeigt werden im grossen künstlerischen Sammelsurium im Haus für Kunst Uri auch Werke von Klaudia Schifferle. Die Künstlerin war Sängerin und Bassistin der auch international bekannten Punkgruppe Kleenex. Die Schweizer Frauenband musste sich später wegen der Marke mit demselben Namen in Liliput umtaufen. Wenn alles klappt, wird Schifferle bald auch als Musikerin im Kanton Uri zu hören sein. Die Musikperformance zusammen mit Ian Anüll, Marc Zeier und Luigi Archetti findet am Samstag, 19. August, von 14.30 bis 16.30 Uhr im Rahmen des internationalen Musikfestivals Alpentöne im Haus für Kunst Uri statt. Zum Begleitprogramm der Ausstellung im Haus für Kunst Uri gehören auch eine Lesung von Peter Nim und die Klangperformance von Christoph Rütimann. Sie werden am Freitag, 23. Juni, um 18.30 Uhr zu Gast sein. Das Café Mondial findet zweimal statt: am Samstag, 17. Juni, und am Samstag, 12. August, jeweils von 15 bis 17 Uhr. Beim Museumscafé soll der Austausch zwischen Migrantinnen und Urnerinnen gefördert werden. Zudem begeben sich die Gäste auf einen Rundgang durch die Ausstellung.

Am Donnerstag, 17. August, sprechen um 18 Uhr Gerold Zenoni, Romana Bossi Bisatz und Annemarie Oechslin über ihre persönlichen Beziehungen zu ausgewählten Bildern von Heinrich Danioth. Kunstvermittlerin Lotti Etti wird die Veranstaltung «Mein Danioth» moderieren. Die Ausstellung von Ian Anüll im Haus für Kunst Uri wird nicht die einzige sein. Arbeiten des Künstlers und Werke aus seinem reichen Sammlerfundus werden 2019 auch im Musée jurassien des Arts in Moutier zu sehen sein.

«Die beiden Ausstellungen machen wir bewusst nicht in Zürich oder Genf», erklärt Anüll. Da wäre es nur eine Ausstellung unter vielen. «Sowohl nach Altdorf als auch nach Moutier muss man bewusst hinfahren», kommentiert der Künstler.

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Hinweis

Die Vernissage «Ian Anüll – Peinture en Promo» findet morgen Samstag, 10. Juni, um 17. 30 Uhr im Haus für Kunst Uri statt. Die Ausstellung dauert bis zum 20. August.