ALTDORF: «Dieses Jahr wird es bekömmlicher»

Das Festival Alpentöne ist zu einer namhaften kulturellen Veranstaltung geworden. Festivalleiter Hansjörg Felber über Konkurrenz, Geld und Publikumserwartungen.

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«Alpentöne»-Leiter Hansjörg Felber: «Etwas Vergleichbares gibt es in dieser Gegend nicht.» (Bild: Eveline Beerkircher)

«Alpentöne»-Leiter Hansjörg Felber: «Etwas Vergleichbares gibt es in dieser Gegend nicht.» (Bild: Eveline Beerkircher)

Interview Florian Arnold

Kommendes Wochenende dreht sich in Altdorf alles um die «Alpentöne». Das Festival, das alle zwei Jahre im Urner Hauptort stattfindet, hat sich zu einem beliebten Treffpunkt für Musiker aus dem ganzen Alpenraum entwickelt. Hansjörg Felber trägt bei «Alpentöne» die Hauptverantwortung und dies seit 1999, als das Festival zum ersten Mal durchgeführt wurde.

Hansjörg Felber, sind Sie ein Provokateur?

Felber: Nein, ich glaube nicht.

Aber das Festival Alpentöne vermag zu provozieren.

Felber: Ich kann verstehen, dass man den Zugang zu einem Teil der Musik nicht findet. «Alpentöne» deckt eben ein sehr breites Spektrum ab, inhaltlich und musikalisch. Und darunter gibt es auch sehr sperrige Sachen. Es geht aber nicht ums Provozieren, sondern darum, auch ungewohnte Umgänge mit dem Thema Alpen aufzuzeigen. Die Erfahrung zeigt: Wer sich darauf einlässt, wird überrascht. Beim letzten Festival gingen wir an die Grenze. Dieses Jahr wird es wieder bekömmlicher.

«Man darf gar nicht alles gut finden», sagten Sie einmal. Wie ist das zu verstehen?

Felber: Wenn das Publikum alles gut findet, ist man im Mainstream. Und das heisst, dass vieles vielleicht etwas belanglos, ohne Ecken und Kanten daherkommt. Und dabei werden die speziellen Aspekte nicht herausgeschält. «Alpentöne» will aber genau das Gegenteil. Es gibt Dinge, die nicht schön und gefällig sind, dafür aber interessant. Wenn wir auf Konzerte heftige Reaktionen haben, wissen wir, dass wir bei einigen etwas bewirkt haben.

Vor zwei Jahren trat etwa Stiller Has auf, der die breite Masse begeisterte. Und für die elitäre Schicht gab es dann noch das Experimentelle.

Felber: Elitär ist ein unschönes Wort in diesem Zusammenhang. Aber die etwas experimentellen Konzerte sind für Leute gedacht, die sich vertieft mit der Musik auseinandersetzen, die ein profundes Musikwissen sowie Erfahrungen mitbringen und sich vielleicht mit einer speziellen Richtung auskennen. Andererseits will man auch jenen etwas bieten, die Musik einfach geniessen wollen.

Das Publikum hat grosse Erwartungen an das Festival. Wie gehen Sie damit um?

Felber: Es ist eine Herausforderung. 1999 haben wir einen Überraschungscoup gelandet, weil wir originell und aussergewöhnlich waren. Das zu halten, ist nicht einfach. Wir wollen nach wie vor Neues, Überraschendes, hohe Qualität und immer wieder andere Facetten zeigen. Die Reaktionen beweisen, dass dies bisher gelungen ist.

Wie gelingt das in diesem Jahr?

Felber: Vieles kommt aus Österreich, junge Künstler sind dabei, auffallend viele Frauen und Neue Volksmusik. Das sind vier Auffälligkeiten der diesjährigen Ausgabe.

Aber es gibt auch Beiträge aus Helsinki und Irland. Was hat das mit den Alpen zu tun?

Felber: Wir gehen erstmals mit der Hochschule Luzern Musik eine Kooperation ein. Diese Woche wird in Altdorf eine Art Trainingslager mit Volksmusikern aus Irland, Finnland und der Schweiz durchgeführt. Dabei wird nach Unterschieden, aber auch nach Gemeinsamkeiten gesucht. Das Publikum wird die Möglichkeit erhalten, diese zu hören.

«Alpentöne» ist nicht das einzige Festival in der Region. Wie denken Sie über die Konkurrenz?

Felber: Wir haben ein gutes Verhältnis, man kennt einander, und wir stehen ab und zu in Kontakt. Das ist auch wichtig, da wir feststellen, dass etwa die «Stanser Musiktage» begonnen haben, teilweise Ähnliches wie wir zu machen. Konzeptionell unterscheiden wir uns aber stark. Ausserdem glaube ich nicht, dass das Publikum die Festivals gegeneinander ausspielt. Wenn jemand schon am «Obwald» war, heisst das nicht, dass er deswegen nicht an «Alpentöne» kommt.

Aber der Sponsor entscheidet sich vielleicht nur für ein Festival.

Felber: Das ist ein allgemeines Problem von Kulturveranstaltungen, auch in Uri. Wir haben ein grosses, qualitativ gutes Kulturangebot. Der Wirtschaftsraum ist nicht gross und für nationale Sponsoren nicht der interessanteste.

Steht «Alpentöne» finanziell also schlecht da?

Felber: Im Unternehmenssponsoring mussten wir einen Rückgang verzeichnen. Der Kuchen an Geld wird eher kleiner, während es immer mehr Veranstaltungen gibt. Kommt hinzu, dass Sponsoren immer mehr auch eigene Veranstaltungen organisieren und folglich weniger Geld zur Verfügung haben, um Externes mitzufinanzieren. Als regelmässige Veranstaltungen ziehen wahrscheinlich die Tellspiele, das Volksmusikfestival und «Alpentöne» die meisten Mittel ab. Daneben gibt es aber auch immer wieder grosse Einzelprojekte.

Alternierend zu «Alpentöne» fand dreimal das Volksmusikfestival in Altdorf statt. Was halten Sie davon?

Felber: Das ist ein nicht allzu einfaches Thema. Das Haus der Volksmusik, das sich als Kompetenzzentrum der Lehre und Forschung der Volksmusik verschrieben hat, ist auch aus unserem Festival heraus entstanden. Später kam dann die Idee auf, selber ein grosses Festival zu machen. Dabei gab es Schnittmengen von Gebieten, die auch wir beackern.

Dann wäre es Ihnen lieber, wenn es das Volksmusikfestival nicht gäbe?

Felber: Das kann ich so nicht sagen. Das Volksmusikfestival hat seinen Reiz, da es das ganze Dorf zu einer Musikbühne macht und auch zum Mitmachen animiert. «Alpentöne» unterscheidet die Einzigartigkeit. Wir sind ein Programmfestival mit einer inhaltlichen Ausrichtung, aber mit einer unwahrscheinlichen Breite und Tiefe. Etwas Vergleichbares gibt es in dieser Gegend nicht.

In einer Woche ist es so weit. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Felber: Ich freue mich auf den Moment, wo es losgeht. Nach fast zwei Jahren, in denen man am Vorbereiten ist, freut man sich, wenn endlich der erste Ton erklingt. Das ist jedes Mal ein spezielles, emotionales Erlebnis.

Auf welche Darbietung sind Sie besonders gespannt?

Felber: Auf Christian Zehnder mit seinem Obertongesang. Er tauscht sich auf der Bühne mit kongolesischen Pygmäen aus. Daneben möchte ich auf keinen Fall die Wiener Ziehharmoniker und Erika Stucky mit dem «Blechhaufn» verpassen. Das wird ein lustiges Konzert. Daneben wird sicher auch die Klanginstallation im Sacklager interessant. Ich werde ohnehin versuchen, in jedes Konzert hineinzuhören.

Was bereitet Ihnen Sorge?

Felber: Dass etwas passiert, das man nicht kontrollieren kann, etwa wenn ein Föhnsturm ein Zelt wegreissen oder ein Brand ausbrechen würde. Gegen so etwas ist man machtlos. Alles andere ist gut organisiert.

Sie werden das Festival nicht ewig leiten. Ist die diesjährige Ausgabe Ihre letzte?

Felber: Das ist noch nicht klar. Ich schliesse es nicht aus. Wir sind daran, die bestehenden Strukturen, aber auch Stellung und Inhalt des Festivals generell zu überprüfen. Diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen.

Zum Schluss ein kleiner Werbespot: Warum sollte man zum «Alpentöne» kommen?

Felber: Weil es kaum ein Festival gibt, das eine derartige Vielfalt von Stilen und Interpreten auf einem hohen Niveau anbietet.