ALTDORF: Disco und Gokarts statt Schule

Der «Hagenrummel» sorgte am Donnerstag für Chilbistimmung auf dem Pausenplatz. Schulhausleiter Theo Ziegler erklärt, wieso Lernen auch ausserhalb des Schulzimmers stattfindet.

Remo Infanger
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Gokarts und geschminkte Gesichter füllten am «Hagenrummel» den Pausenplatz. (Bild: Remo Infanger (Altdorf, 2. Juni 2017))

Gokarts und geschminkte Gesichter füllten am «Hagenrummel» den Pausenplatz. (Bild: Remo Infanger (Altdorf, 2. Juni 2017))

Remo Infanger

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Auf dem Gelände des Hagenschulhauses ging am vergangenen Donnerstag mächtig die Post ab. Wo sonst brav die Schulbank gedrückt wird, flogen Bälle auf Büchsen, kurvten Gokarts umher oder wurden Dartpfeile mit einer Armbrust geschossen. Der Projekttag «Hagenrummel» sorgte für Chilbistimmung auf dem Pausenplatz. «Der Rummeltag ist das Abschlussprojekt von vier klassenübergreifenden Vormittagsateliers», erklärt Theo Ziegler, Leiter der Schulhäuser Hagen und Marianisten.

Die erste bis sechste Primarklasse und drei Kindergärten erhielten die Aufgabe, einen eigenen Chilbistand aufzubauen und diesen zu betreiben. Unterstützt von der Lehrperson, haben die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld Ideen zusammengetragen, Materialien für den Stand organisiert und Plakate gezeichnet. «Die Idee dahinter ist, dass jede Klasse für ihre Attraktion Verantwortung übernehmen kann und den Stand während des Rummels in Betrieb hält», so Ziegler.

Gehandelt wird mit «Hagen-Talern»

Um aber mitmachen zu können, brauchte man Geld – spezielles Geld. So erhielt jedes Kind zu ­Beginn 20 «Hagen-Taler». Die fiktive Währung wurde an den Chilbiständen anderer Klassen ausgegeben, um sich von Mitschülerinnen und -schülern schminken zu lassen, das Fingerspitzengefühl an Geschicklichkeitsspielen zu testen oder Popcorn und Sirup zu kaufen.

Die erwirtschafteten «Hagen-Taler» wurden untereinander wieder aufgeteilt. «Es ist toll, zu beobachten, wie sich die Schüler selber organisieren und einander helfen», sagt Ziegler. Während die einen den Stand aufrechterhalten, testen die anderen die Attraktionen auf dem Platz. Dann wird gewechselt.

Für Ziegler steht dabei ganz klar das Pflegen der Gemeinschaft im Vordergrund. «Natürlich geht es vor allem um Spiel und Spass», so der Schulhausleiter. «Mit dem Projekttag lernen die Schüler aber auch, dass ein Miteinander notwendig ist, um Ziele zu erreichen.»

Hilfsbereitschaft gestärkt, Gewalt vorgebeugt

Dass dieses Miteinander auch klassenübergreifend ist, zeigte sich beispielsweise am Schminkstand. Organisiert von einem Kindergarten, wollten viele ihr Gesicht bemalen lassen. Als die Warteschlange am Stand grösser wurde, schnappten sich auch Sechstklässler Pinsel und Schminke und halfen den Kindergärtlern aus. Währenddessen stieg in einem Klassenzimmer die Party. Brian Epp und Frédéric Kempf sorgten als DJs in der Kinderdisco für die nötige Stimmung. «Wir spielen alles», so die beiden Viertklässler. «Momentan läuft grad ‹Pokerface› von Lady Gaga, das kennt halt jeder.»

Der Projekttag trägt für Ziegler auch zur Gewaltprävention bei. «An solchen Tagen lernen die grossen Schüler auch die kleinen kennen und umgekehrt», so Ziegler. «Man übernimmt füreinander Verantwortung und entwickelt ein Gemeinschaftsgefühl.» Die Schüler würden auch ihre Kompetenzen kennen lernen und trainieren. Das Organisieren, Erstellen von Zeitplänen und Herausfinden, was für andere Schüler ein attraktives Angebot am Chilbistand sein könnte, lerne man am besten auf diese Weise und nicht am Pult. Am Nachmittag standen nebst den rund 160 Schülerinnen und Schülern und 15 Lehrpersonen auch den Eltern die Türen offen.

Im Hagen-Schulhaus fand das Rummelprojekt zum ersten Mal statt. Das Schulhaus Marianisten hat den Erlebnistag am Freitag bereits zum vierten Mal durchgeführt. Ziegler ist stolz, dass solch ein Projekt auf die Beine gestellt wurde. «Nicht zuletzt verdanken wir das auch der tollen Zusammenarbeit zwischen den beiden Schulhäusern.»