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ALTDORF: Ein Sortiment so bunt wie die Fassade

Bäre Schuler führt sein Brockenhaus seit 30 Jahren. Bei ihm können die Kunden auf vier Etagen zwischen Tausenden von Gebrauchtwaren herumstöbern. Der 59-Jährige möchte sein aussergewöhnliches Geschäft noch einige Jahre weiterführen.
Salome Infanger
Bäre Schuler vor der kunstvoll bemalten Fassade seines Brockenhauses. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 11. März 2017))

Bäre Schuler vor der kunstvoll bemalten Fassade seines Brockenhauses. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 11. März 2017))

Salome Infanger

salome.infanger@urnerzeitung.ch

Wer das Brockenhaus von Bäre Schuler in Altdorf betritt, steht zuerst einmal in einem hohen und ziemlich vollgepackten Raum. Erst im zweiten Moment beginnt man, die zahlreichen Gegenstände einzeln zu betrachten. An den Steinwänden hängen Bilder, Kreuze, Backformen aus Kupfer. Hebt man den Kopf zur Decke, blickt man alten Lampen entgegen. In den Gestellen stehen Vasen, Geschirr und Dekowaren. Gehstöcke, Weihwassergeschirr, alte Fasnachtsplaketten: Die Liste von Schulers Sortiment wäre endlos. Auch der Besitzer selber hat keine Ahnung, wie viele Dinge er auf den vier Etagen des alten Gebäudes verstaut hat. «Tausende» seien es über die dreissig Jahre hinweg geworden.

Als das Brockenhaus One Way am 11. März 1987 seine Tore öffnete, war das Sortiment um einiges kleiner, erinnert sich Schuler. «Es sah eher aus wie eine Stube.» Ein bis zwei Bilder und ein Kreuz hingen an der Wand, ein Sofa und ein paar Möbelstücke standen herum. «Ein Jahr später hatte ich aber bereits ein Platzproblem.»

Das Brockenhaus hat eine breite Kundschaft

Das Platzproblem ist geblieben – und Schuler auch. «Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, mir gefällt der Kontakt mit den Kunden.» Von arm bis reich, jung bis alt kämen alle in sein Geschäft mit der kunstvoll bemalten Fassade. «Die Brockenhausliebhaber gehören nicht einer bestimmten Schicht an.» Auch wenn er gerne einmal bezahlte Ferien hätte, ist es für den Selbstständig­erwerbenden schwer vorstellbar, irgendwo angestellt zu sein. Der ursprüngliche Bürgler hat zwei Söhne im Alter von 16 und 20 Jahren, die ihm auch gerne tatkräftig helfen.

Auch im zweiten und dritten Stock findet man allerlei alte Habseligkeiten: Schallplatten, Bücher, Stereoanlagen, Diaprojektoren, Videos, Schränke und Regale. Vom Parterre führt eine Steintreppe in den Keller, in dem einige kleinere Möbel auf interessierte Käufer warten.

An die Haushaltssachen und Gebrauchtwaren kommt Schuler vor allem durch Haus- und Wohnungsräumungen, die er anbietet. «Rund 90 Prozent des Materials taugen meistens nur noch für die Entsorgungsstelle.» Die anderen 10 Prozent kann er für den Laden gebrauchen. Zum Teil fahren auch Leute mit dem Auto voller Waren vor und fragen ihn, was er noch brauchen könne. Wofür die Leute Geld ausgeben, sei auch mit viel Erfahrung schwierig abzuschätzen, sagt Schuler. «Möbelstücke zu verkaufen, ist jedoch schwieriger geworden.» Früher hat er häufig alte Möbel restauriert. Heutzutage seien die Leute aber nicht mehr bereit, seinen Aufwand mit einem höheren Kaufpreis zu entgelten. Kleine Gebrauchtgegenstände seien beliebter. Aber auch die können lange Zeit im Laden bleiben. «Ein Teil der Lampen hängt wohl auch schon seit 20 Jahren an der Decke», erzählt Schuler.

Konkurrenz von Onlineplattformen

Das hört sich nicht nach einem lukrativen Geschäft an, und Schuler merkt, dass der Umsatz eher rückläufig sei. Denn auch Onlineportale wie E-Bay oder Tutti, über die jeder seine Gebrauchtwaren selber weiterverkaufen kann, machen seinem Geschäft Konkurrenz. Doch zusammen mit seinen anderen Dienstleistungen kann er davon leben.

Neben dem, dass er Räumungen durchführt und jeden Nachmittag im Laden steht, bietet er auch noch Kleintransporte und Entsorgungen an oder schraubt für Kunden Möbel zusammen. Seit 2001 betreibt er eine Antikgalerie in Flüelen, die jeden Samstag geöffnet ist. Dort verkauft Schuler Raritäten und antike Sammlerstücke. Privat sei er aber kein Sammler, erzählt Schuler, der in einer Wohnung über dem Brockenhaus lebt. «Wäre es so, möchte ich wohl vieles aus dem Laden für mich selber behalten.» Lieber fährt er Ski oder geht auf Reisen. Auch die Idee mit dem Brockenhaus kam ihm durchs Reisen. Im Ausland war er häufig in solchen Läden unterwegs, und er wollte sich selbstständig machen. So hatte er vor Jahren grosses Glück, dass er die Räumlichkeiten im alten Schlachthaus der ehemaligen Metzgerei Planzer in Altdorf mieten konnte. Zu Beginn nur Parterre und Keller, später kamen das erste und das zweite Obergeschoss dazu.

Am Greinergässli-Fest wird das Jubiläum gefeiert.

Auch das Greinergässli-Fest kam dazu. Jedes Jahr im Sommer veranstaltet Schuler gemeinsam mit Guido Gamma und Grisi Furger ein Fest mit Livemusik in der Gasse, die am Brockenhaus vorbeiführt. Auch im Jubiläumsjahr werden vor der Tür des Brockenhauses zwei Rockbands spielen. Mit Grillstand und Barbetrieb sorgen die Veranstalter für die Verpflegung der Gäste.

Schuler wird bald sechzig. Nach mehr als der Hälfte seines Lebens wünscht er sich, sein spezielles Geschäft noch ein paar Jahre weiterführen zu können.

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