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ALTDORF: Er holt den Bob Dylan der Schweiz nach Uri

Heinrich Danioths Krippenspiel hat ihn animiert: Giulio Zenoni, Küchenchef im «il bacio» am Winkelplatz, holt einen der ganz Grossen der Schweizer Musikszene für ein exklusives Konzert in eines der kleinsten Lokale in Altdorf.
Bruno Arnold
Organisator Giulio Zenoni freut sich auf das Konzert von Toni Vescoli im Ristorante il bacio in Altdorf. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 7. April 2018))

Organisator Giulio Zenoni freut sich auf das Konzert von Toni Vescoli im Ristorante il bacio in Altdorf. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 7. April 2018))

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Kurz vor Weihnachten 1999: Der Altdorfer «Plätzli»-Wirt Giulio Zenoni schlendert durch Luzern. Bei Musik Hug hört er sich «Tegsass» an, das neuste Album von Toni Vescoli, eingespielt zusammen mit Bob-Dylan-Musikern und Texas-Tornados-Legenden in einem Tonstudio in Austin im US-Bundesstaat Texas. «So richtig igfahrä» sei diese Musik, fast «abgstüählet» hätten ihn Songs wie «Stets in Truure», «La Albispa» oder «Sitze ime Wartsaal», sagt der Musikfreak. «Erste Sahne, echt hochkarätig.» Für Zenoni war klar: «Den Vescoli hole ich ins ‹Plätzli›.»

Etwas mulmig sei ihm dann aber doch zumute gewesen, als er das Schweizer Rock-Urgestein ein paar Tage später angerufen habe, gesteht der 57-jährige Altdorfer. «Aber Toni hat zugesagt, ganz spontan, trotz der Kleinheit des Lokals – oder vielleicht gerade deswegen.» Im Jahr 2000 trat der Zürcher Musiker und Singer-Songwriter erstmals im Altdorfer Unterdorf auf. Sieben weitere Konzerte sollten folgen, das bisher letzte am 31. März 2011, zusammen mit dem Akkordeonisten und Keyboarder Markus Maggi. Es war das Abschiedskonzert für «Plätzli»-Wirt Giulio Zenoni. Vescoli bezeichnet ihn mittlerweile als Freund.

Giulio Zenoni liebt die Kleinheit des Kantons

Am Freitag tritt Toni Vescoli wieder bei Giulio Zenoni in Altdorf auf, der mittlerweile sein zweites «Plätzli» führt, das «il bacio». In diesem kleinen Lokal an der Marktgasse 4 lebt der Altdorfer seit einigen Monaten seine Italianità aus und verwöhnt die Gäste unter anderem mit seinen legendären «Spaghetti Isola Bella» oder mit dem «besten Eiscafé im Urner Hauptort». «Koch ist mein Traumberuf», sagt er, «, und zwar seit ich Mamma beim Schnitzelpanieren helfen durfte.» In rund vierzig verschiedenen Restaurants in Asien, Südamerika, Nordamerika, Italien und China hat der gelernte Koch gearbeitet, aber immer wieder hat es ihn ins Urnerland zurückgezogen, denn er liebt die Kleinheit – sei es nun im «Plätzli» oder eben im noch kleineren «il bacio».

In seiner Freizeit will sich Giulio Zenoni zurückziehen, Musik hören, ein Buch lesen, seine Ruhe haben, nicht gestört werden. Er besitzt deshalb auch kein Natel. Und ein iPhone oder einen Computer, um seine Lieblingsmusik herunterzuladen? «Nein, habe ich auch nicht, ich könnte diese Geräte gar nicht bedienen», erklärt er. «Probleme werde ich wohl erst haben, wenn ich einmal am Bahnhof ein Billett lösen muss», meint er – und lacht herzerfrischend. «Mir ist wichtiger, dass ich weiss, wie ein Alfa-Romeo-Motor tönen muss oder wie man gute Pasta kocht», sagt der Italien-Fan.

Giulio Zenoni hat schon zig Konzerte organisiert, hat «Toni Vescoli & Teg sass», «Simon & the Starchiefs», «Sugar Cain Train», «Jerry and the Rockets», Coverbands wie Björn Again («Abba»), «Crazy Diamond» («Pink Floyd»), ehemalige «Züri-West»- oder «Schmetterband»-Leute und viele mehr ins Urnerland geholt. Jetzt präsentiert er nochmals Toni Vescoli, zum neunten Mal. Die Aufführung des Urner Krippenspiels von Heinrich Danioth im Dezember 2017 war der Auslöser dafür. Danioths «Schnee! Schnee! Schnee! Nur immer meeh, meeh, meeh, meeh! Und nyt ass Schnee!» habe ihn eine Brücke zu Vescolis «Schneemaa» auf dem Album Tegsass schlagen lassen: «Luutlos fallt de Schnee, immer meh, immer meh Schnee, bis d’ gar nüt meh chasch gseh», singt er dort. Das Gelübde, nie mehr ein Konzert zu organisieren, war in diesem Moment gebrochen. Und er verspricht: «Toni Vescoli wird mit 76 Lenzen nochmals alles geben. So nahe an den Rolling Stones und an Bob Dylan wird Uri nie mehr sein.»

Vescolis Musik ist Handwerk

Der «eingefleischte Altdorfer», wie sich Zenoni selber bezeichnet, ist überzeugt: «Wenn Vescoli nicht ‹Züridütsch› singen würde, wäre er seit Jahrzehnten die unbestrittene musikalische Nummer 1 in der Schweiz. Vescolis Musik ist Handwerk, ehrliche Musik, denn er ist einer der allerletzten, der Rhythmusinstrumente, Gitarre und Mundharmonika gleichzeitig spielt und mit seinem unvergleichlichen Gesang verbindet. Für mich ist er so etwas wie der Bob Dylan der Schweiz.» Dylans «Knockin’ on Heaven’s Door» und der «Schneemaa» sind denn auch Songs, die Zenoni am Freitag unbedingt hören möchte, und zwar in der unnachahmlichen Version des Zürcher Singer-Songwriters.

Weit über 1000 Schallplatten und wohl eben so viele CD zählt Zenonis Sammlung. Er beginnt zu lachen: «Rund 1500 Schallplatten habe ich einmal in einem Container entsorgt, weil ich meinte, die Vinylzeit sei unwiderruflich vorbei.» Wie viele Konzerte er besucht hat, weiss er nicht. Über 150 seien es allein im Hallenstadion gewesen, das erste davon 1980: «Santana. Marathon-Tour. Ticket für 42 Franken», erinnert er sich. «Mein Kollege und ich sind mit dem Velo von Altdorf nach Zürich gefahren.» Und (fast) alles, was in der Folge Rang und Namen hatte, liess er sich nicht entgehen: Rolling Stones, Bob Dylan, Joe Cocker, Paul Mc Cartney, Deep Purple, Fleetwood Mac, Eric Clapton, Jethro Tull, Bryan Adams, Elton John, Billy Joel, Dire Straits und und und... Auch Schweizer Cracks wie Polo Hofer, Hanery Amman, «Rumpelstilz», «Schmetterband» oder «Züri West» und viele mehr hat er selbstverständlich live gehört. Zenoni führt sich zwar ein breites musikalisches Spektrum zu Gemüte, und doch hat er absolute Vorlieben: «The Boss» Bruce Springsteen etwa, oder Roger Waters. «Als auf dessen Tour unter dem Titel ‹The dark Side of the Moon› bei ‹Perfect Sense› ein Astronaut auftauchte und über mich hinwegflog, da habe ich echt den Verstand verloren», erzählt er.

«Bob Dylan. Fertig. Ende der Durchsage!»

«Der grösste Musiker aller Zeiten ist und bleibt für mich aber Bob Dylan», schwärmt Zenoni. Robert Allen Zimmermann, der bürgerliche Name des heute 77-jährigen US-Amerikaners, sei Programm: «Dylan ist für mich der Zimmermann, der Baumeister eines Klangteppichs, der seinesgleichen sucht, ob es nun Country, Folk, Rock oder Blues ist. Seine Aura ist himmlisch, seine Stimme genial: Wer sagt, Dylan könne nicht singen, der versteht nichts von Musik. Fertig. Ende der Durchsage!», wird Zenoni energisch. Dylans Texte seien biblisch, für sein Werk hätte er nicht nur den Nobelpreis für Literatur verdient, sondern auch einen solchen für Musik. «Doch leider gibt es den nicht», bedauert er. «Musik löst Freude aus, Zuversicht und Trost», sagt Zenoni. «Am besten hilft mir Dylan – in jeder Situation.»

«Bob Dylan, Bruce Springsteen oder Roger Waters einmal im «il bacio» einen Teller Spaghetti kochen zu können, das wäre sicher der Hammer», sagt er, wenn man ihn auf einen grossen Traum anspricht. «Aber es muss nicht unbedingt sein. Ich habe sie alle live gesehen, das macht mich glücklich, für den Rest meines Lebens.» Wer nun annimmt, Zenonis Lieblingssong stamme aus der Feder von Bob Dylan oder Toni Vescoli, der täuscht sich. Es ist weder «Blowin in the Wind» oder «Knockin’ on Heaven’s Door» noch «Scho rot» oder «Ds Pfäffli», sondern «Jersey Girl». Und er betont: «Nicht das Original von Tom Waits und auch nicht die Kopie von Bruce Springsteen, sondern die Live-Version von Polo Hofer. Zenoni beginnt zu rezitieren: «I bi verliebt, äs isch äs eländs Gfüehl, i nes Meitschi vom Wyssebüehl. Schalala, schalalalala, äs git nüt wo mr besser gfieu, schalala, schalalalala, aus äs Meitschi vom Wyssebüehl.» Und dann könne man an meiner Beerdigung auch noch «Wish you were here» von Pink Floyd auflegen – wegen des Titels», sagt er – und schmunzelt. Doch ans Sterben denke ich noch lange nicht», betont er. «Die Gäste verwöhnen, ihnen Freude machen, und jetzt noch einmal Toni Vescoli live im Urnerland geniessen», das sind seine konkreten Ziele. Diesmal soll es aber definitiv das letzte Mal sein, dass er ein Konzert organisiert. Es sei denn, Heinrich Danioth gebe ihm nochmals einen unmissverständlichen Wink.

Hinweis

Wer kein Ticket besitzt, kann das Konzert von Toni Vescoli auf dem «il-bacio»-Vorplatz (Brunnenseite) live mitverfolgen.

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