ALTDORF: Er sorgt an den Konzerten für den guten Ton

Beni Röösli sass schon bei vielen Konzerten hinter dem Mischpult. Am kommenden Freitag und Samstag ist das auch beim Tonart-Festival der Fall – und das bereits zum elften Mal. Röösli sagt, was am Festival so besonders ist.

Markus Zwyssig
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Beni Röösli ist nicht nur an Konzerten, sondern auch im Tonstudio konzentriert an der Arbeit. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 3. März 2017))

Beni Röösli ist nicht nur an Konzerten, sondern auch im Tonstudio konzentriert an der Arbeit. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 3. März 2017))

Wenn beim Tonart-Festival Musiker und Sänger wie Seven, Wiliam White, Nemo oder Gustav gut aus den Boxen tönen, dann ist das vor allem auch ein Verdienst von Beni Röösli. Der Tontechniker kennt das Festival, das seit zwölf Jahren in Altdorf stattfindet, seit der Anfangszeit. Bei der zweiten Ausgabe – also vor elf Jahren – war Röösli das erste Mal dabei. Er mischte damals das Konzert des Swiss Jazz Orchestra. Seine Arbeit fand offensichtlich Anklang. So wurde er im nächsten Jahr wieder gebucht und war fortan beim Tonart-Festival stets hinter dem Mischpult.

Inzwischen wird Röösli von den Veranstaltern des Tonart-Festivals direkt gebucht. «Das ist eher die Ausnahme», sagt der 35-jährige Luzerner. «Normalerweise ist die Vermieterfirma auch gleich für die Technik verantwortlich.» Weil er am Tonart-Festival im Theater Uri fast immer vor Ort ist, wurde Röösli zu einer Ansprechperson für die Bands mit ihren Wünschen. Da bekommt er manchmal auch die Aufregung vor dem Autritt zu spüren. Hektisch wird es etwa dann, wenn die Band andere Instrumente braucht, als sie vorgängig bestellt hat. «Da braucht es Nerven und Improvisationstalent», weiss Röös­li aus Erfahrung.

Die Musik, die auf der Bühne gespielt wird, kann er aber nicht beeinflussen. Das will er auch gar nicht. «Der Künstler soll so tönen, wie man ihn kennt.» Im Idealfall klinge das wie ab CD. «Meine Aufgabe ist es, dass ich den Sound möglichst authentisch zum Publikum bringe.»

Bei bekannten Musikern wird Techniker zum Helfer

Röösli hat aber nicht bei jedem Auftritt dieselbe Aufgabe. Bekanntere Sänger oder Musiker wie etwa Philipp Fankhauser nehmen ihren eigenen Tontechniker ans Festival mit. Da wird Röösli zum Helfer. «In möglichst kurzer Zeit muss ich dann versuchen, mit dem Equipment einer Band, das ich noch nie zuvor gesehen habe, zurechtzukommen.»

Die Arbeit sei schwieriger bei einer Band, die nicht so routiniert ist. Da hat der Techniker mehr zu kämpfen. Gute Bands sind erfahrener. «Da braucht man nur alles richtig einzustellen, dann kann man sich zurücklehnen», sagt Röös­li mit einem Schmunzeln. Ein Problem sind laute Bands in kleinen Räumen. «Der lauteste Mann, meist der Schlagzeuger, gibt die Lautstärke vor», so Röösli. Da ist es Aufgabe des Tontechnikers, eine Balance zu finden, die stimmt. Aber: «Man kann laute Bands nicht leiser machen.» Beim Tonart-Festival sei das gut gelöst. Diesmal stehen das Akustik-Quartett Malky (am Freitag) und Seven mit einem Akustik-Trio (am Samstag) auf der grossen Bühne im Theater Uri.

Etwas Besonderes findet Röös­li die Konzerte im Foyer des Theaters Uri. Die Band Take This begleitet an beiden Festivalabenden mehrere Sänger musikalisch. «Die Hauptschwierigkeit besteht darin, dass die Musiker nur selten in dieser Zusammensetzung miteinander spielen», erklärt der Tontechniker. «Daher wird der Soundcheck ausgedehnter, und die Zeit auf der Bühne wird für eine Probe genutzt.»

Die Musiker und Sänger schauen nur schnell, ob das Signal beim Techniker ankommt. Dann spielen sie drauflos. «Da bleibt wenig Zeit, jedes Instrument einzeln zu testen, so, wie es der Techniker gerne hätte. Die Dynamik eines Schlagzeugs beispielsweise, von laut bis leise, kann nicht wirklich durchgecheckt werden.» Doch irgendwie klappt es dann doch. «Die Musiker und Sänger können auf einer guten Anlage spielen», ist Röösli überzeugt. «Das ist wie bei einer Jam-Session im Jazzkeller.» Das sei nicht einfach ein Konzert, das nach Schema x ablaufe. «Während des Auftritts gibt es Gelegenheiten zum spontanen Improvisieren. Da entsteht manchmal etwas völlig Neues.»

Tontechniker ist ein kritischer Konzertbesucher

Als Tontechniker arbeitet Röösli nicht nur bei Konzerten. Er ist auch für das «Regionaljournal Zentralschweiz» von SRF 1 im Einsatz. Im selben Haus betreibt er zudem sein eigenes Tonstudio. Neben seiner Arbeit widmet er aber auch viel Zeit für seine beiden Kinder, die zwei und drei Jahre alt sind. Die Kinderbetreuung teilt er sich mit seiner Frau, die ebenfalls Teilzeit arbeitet.

Röösli mischt nicht nur die Musik vieler Bands, er besucht auch oft Konzerte. Diese verfolgt er mit kritischen Ohren. «Ich bin auch schon rausgelaufen, wenn für mich der Sound nicht stimmte», sagt er. So etwa bei einem Festival, bei dem John Fogerty, ehemaliger Sänger von Creedence Clearwater Revival, auftrat. «Da war ich gar nicht einverstanden mit dem, was aus den Boxen kam.» Und auch bei seiner eigenen Arbeit muss die Qualität stimmen. In den vergangenen Jahren habe er genügend Zeit in Konzertsälen und Übungskellern verbracht. Daher müsse er nicht mehr überall dabei sein. Von gut gespielter Musik, die aber letztlich nur akademischer Kram sei, hält er nicht viel.

«Wichtig ist mir, dass wir es miteinander gut haben und dass die Arbeit Spass macht», so Röös­li. Beim Tonart-Festival sei er gerne dabei. Da gehe es nicht um Profit. Die Veranstalter seien vielmehr Überzeugungstäter. Das sei ihm sympathisch.

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch