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ALTDORF: Er will eine Schule für 420 Kinder bauen

Nach dem Beben in Nepal wollte Heinz Gisler helfen. Mit kreativen Mitteln sammelt der Urner nun Geld für ein Schulprojekt.
Florian Arnold
Für die nepalesischen Kinder will Heinz Gisler die Schule wieder aufbauen. (Bild: PD)

Für die nepalesischen Kinder will Heinz Gisler die Schule wieder aufbauen. (Bild: PD)

25. April 2015. In Nepal bebt die Erde. Ganze Dörfer fallen wie Kartenhäuser zusammen. Und mittendrin ist der Urner Heinz Gisler. «Hinter mir ist eine Wand eingebrochen», erzählt er. «Ich bin nur noch gerannt. Ein paar Sekunden langsamer, und ich wäre flach wie eine Briefmarke herausgekommen.» Ein guter einheimischer Freund des Urner Feriengasts verliert in den Trümmern eine 10-jährige Tochter, die 7-jährige Schwester überlebt schwer verletzt. Doch ihr kann im staatlichen Spital nicht geholfen werden, sodass sie in ein privates Krankenhaus verlegt werden muss. Heinz Gisler hilft finanziell mit.

250 000 Franken für neue Schule

Als er zurück in die Schweiz kommt, sammelt er Geld für das verletzte Kind. Sein Freundeskreis spendet grosszügig. «Das hat mich sehr berührt», sagt der Urner. Bald wird ihm aber klar, dass sein Engagement noch an anderen Orten gebraucht wird. Der in Uri lebende Nepalese Rajendra Khadka erzählt ihm von einer Primarschule, die dessen Grossonkel gegründet hatte und die beim Beben zerstört wurde. Der Hilfsverein Nepallai, was mit «für Nepal» übersetzt werden kann, wird gegründet, und in nur wenigen Wochen ist das Geld beisammen, um ein Notschulhaus für 420 Kinder aufzustellen. Doch Gisler und Khadka wollen mehr: 2017 soll ein Neubau des Schulhauses entstehen. Auch wenn es sich für Schweizer Verhältnisse um ein geringes Baubudget handelt, ist das Ziel ambitioniert. 250 000 Franken werden benötigt.

Heinz Gisler ist in seinem Leben sehr viel gereist. Der gelernte Geomatiker arbeitet jeweils während der Sommermonate. Im Winter zieht es ihn immer in die Ferne, manchmal für mehrere Monate. Vor allem der mittlere Osten wirkt auf Gisler magnetisch: die Herzlichkeit der Menschen, andere Kulturen, Traditionen und Religionen. Es sei für ihn ein Grundprinzip, ein Teil seines Reisebudgets für Soziales auszugeben, sagt der Urner. «Mit dem Schweizer Pass ist man auf der ganzen Welt privilegiert. Für mich ist es eine Ehre, einem Bettler Geld zu geben.» Strassenkindern kauft er ganze Töpfe voll Essen, da und dort unterstützt er Einheimische. Er habe sich eine Strategie zurechtgelegt. «Ich habe meine Hilfe immer über Frauen abgewickelt», sagt Gisler. Während viele Männer dem Alkohol verfallen seien, würden sich die Frauen um die Familie und die Kinder kümmern. «Sie sind es, die den Karren ziehen.» Auf diese Weise seien viele langjährige Freundschaften entstanden. Trotzdem sei es für ihn nie in Frage gekommen, in den mittleren Osten auszuwandern. «Uri ist mein Hafen», sagt der 59-jährige Altdorfer.

Schwacher Staat

Nepal, das farbige Land mit den freundlichen Menschen, vermag zu täuschen. «Korruption ist kein Fremdwort in Nepal», stellt Gisler fest. Die Hilfsgelder müssten bis vor Ort gebracht werden, damit sie sicher ankämen. Gerade was die Bildung angehe, nehme der Staat nicht die ganze Verantwortung wahr. «Man muss sich immer wieder motivieren, dass man sich dadurch nicht runterziehen lässt.»

Mehr als die Hälfte der Einwohner Nepals seien Analphabeten, so Gisler. Gerade deshalb sei es wichtig, in die Bildung zu investieren. Und beim Verfolgen dieses Ziels lässt Gisler viel Kreativität spielen: Mit Fotos seiner Reisen liess er einen Bilderkalender drucken. Der Erlös aus dem Verkauf fliesst in das Hilfswerk ein. «Es ist erstmalig in meinem Leben, für ein Hilfsprojekt Geld zu sammeln», sagt Heinz Gisler. «Aber ich glaube fest daran, dass wir es schaffen, das Schulhaus zu realisieren.»

Florian Arnold

HINWEIS

Den Bilderkalender sowie Informationen zum Hilfsverein für Nepal sind erhältlich unter www.nepallai.com.

Die Schule ist beim Erdbeben zerstört worden. (Bild: PD)

Die Schule ist beim Erdbeben zerstört worden. (Bild: PD)

Er hilft mit, damit die nepalesischen Kinder wieder zur Schule gehen können: Heinz Gisler. (Bild: PD)

Er hilft mit, damit die nepalesischen Kinder wieder zur Schule gehen können: Heinz Gisler. (Bild: PD)

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