ALTDORF: «Es ist einfach geil, hier zu springen»

Freestyler zeigten am «Moove Uri» ihre coolsten Tricks – und dies auf einer 25 Meter hohen Schanze. Für Ärger sorgte aber der HC Ambri-Piotta.

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Snowboarden trotz grünen Wiesen: Gestern zeigten Freestyler in Altdorf ihre verrücktesten Tricks. (Bild: Urs Hanhart)

Snowboarden trotz grünen Wiesen: Gestern zeigten Freestyler in Altdorf ihre verrücktesten Tricks. (Bild: Urs Hanhart)

Es ist zwar erst Oktober, und Altdorf liegt gerade einmal auf 458 Metern über Meer: Dennoch wurde am Wochenende im Urner Hauptort Ski und Snowboard gefahren. Denn mitten im Dorf fand gestern und am Freitag zum ersten Mal das Urner Freestyle-Festival «Moove Uri» statt. Dafür bauten die Organisatoren auf dem Winkelplatz extra eine 25 Meter hohe Schanze auf. Rund zwanzig junge Snowboarder und Skifahrer zeigten auf der «Winkel»-Schanze ihre waghalsigsten Sprünge und rasantesten Salti. Und das Publikum honorierte die Tricks mit viel Applaus. Je verrückter die Stunts waren, desto besser wurde die Stimmung im Publikum.

«Etwas ganz Spezielles»

«Es ist einfach geil, hier zu springen», schwärmte der 17-jährige Freeski-Fahrer Colin Wili von der Sportmittelschule Engelberg. «Die Zuschauer pushen uns richtig. Deshalb wollen wir ihnen auch etwas bieten.» Und der 16-jährige Snowboarder Gian Sutter aus Pfäffikon ZH fügte an: «Normalerweise springen wir ja fast ausschliesslich in Skigebieten. Das hier, mitten im Dorf, ist schon etwas ganz Spezielles.» Denn die Freestyler holten oben am Waldrand Anlauf und sprangen mitten ins Publikum. Der Blick vom Schanzentisch über die Dächer von Altdorf ist also durchaus ein bisschen vergleichbar mit der Skisprungschanze mitten in der Stadt Innsbruck – mit dem Unterschied, dass die Bergisel-Schanze in Österreich einfach doch ein bisschen grösser ist.

Abfallprodukt abgeholt

Für den Bau des Riesen-Kickers in Altdorf waren neben unzähligen Gerüststangen rund 100 Tonnen Schnee nötig. Der Schnee stammte aus verschiedenen Eishallen. Der grösste Teil kam aus der Rigihalle in Küssnacht. Denn die Eisfelder werden in den Hallen täglich präpariert und abgekratzt. Dabei bleibt so etwas wie Eisschnee übrig. Die Hallenbetreiber haben dieses Abfallprodukt nun nicht einfach hinter ihren Hallen wegschmelzen, sondern mit Lastwagen nach Altdorf bringen lassen.

«Natürlich gabs auch kritische Stimmen, dass wir extra Schnee nach Altdorf karrten», sagt OK-Mitglied Marcel Greimel. «Doch acht Lastwagen sind verantwortbar. Wenn man die Transportwege gewisser Lebensmittel anschaut, steht das in keinem Verhältnis.» Und ein Helfer fügte an: «An einem Schwingfest brauchen sie etwa gleich viele Lastwagen für das Sägemehl, und dort sagt ja auch niemand etwas.» Trotz acht Lastwagen voll Schnee war das Weiss gestern aber Mangelware. Denn bei 15 Grad Celsius schmolz der Schnee relativ schnell.

Kopfvoran über die Schanze in Altdorf (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
26 Bilder
Mit offenem Mund dem Ziel entgegen (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Ein Salto rückwärts ins Juheeeee (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die imposante Schanze über dem Winkelplatz in Altdorf. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Kaum Schnee, trotzdem wird gesprungen. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die «Sicherheitsmatratze» kann auch mal eben anders benutzt werden. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
In der Tonne die Schanze runter (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Immer wieder muss die Schanze präpariert werden. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Ein Snowboarder bei seinem 'Move'. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Ein Snowboarder bei seinem 'Move'. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die Freestyler zeigen ihr Können. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die Freestyler zeigen ihr Können. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die Schanze muss immer wieder präpariert werden. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Im Hintergrund die nicht weniger wichtige Bühne für die passende Musik. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die Freestyler zeigen ihr Können. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Dieser Springer im Hintergrund stürzt gleich (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Die Freestyler zeigen ihr Können. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die Freestyler zeigen ihr Können. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die Freestyler zeigen ihr Können. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die Freestyler zeigen ihr Können. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die Freestyler zeigen ihr Können. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die Freestyler zeigen ihr Können. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)
Die Freestyler zeigen ihr Können. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Kopfvoran über die Schanze in Altdorf (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

«Vor allem in der Nacht von Freitag auf Samstag sackte die Schneeschicht stark zusammen», so Greimel. Mehrere Helfer waren deshalb gestern ständig damit beschäftigt, den aufgeweichten Landehang wieder für die nächsten Springer zu präparieren. Gefährliche Kanten auf der Metallkonstruktion wurden zudem mit Matratzen gesichert. Wegen des wenigen und weichen Schnees konnten die Freestyler auch längst nicht so viele Sprünge zeigen wie ursprünglich geplant.

Die Hauptschuld für die Schnee-Misere war beim HC Ambri-Piotta zu suchen. Der Tessiner Hockeyklub hatte den Organisatoren eigentlich zugesichert, 100 der insgesamt 150 benötigten Kubikmeter Eisschnee zu liefern. Doch die Betreiber des Eisstadions Valascia teilten am Mittwoch kurzerhand mit, dass dies nun doch nicht möglich sei. «Das ist einfach ärgerlich», sagt OK-Präsident Roman Waser. Das siebenköpfige Organisationskomitee kam deshalb in den vergangenen Tagen nochmals tüchtig ins Rotieren. Die Eissporthalle Bäretswil ZH sowie die Kunsteisbahnen Wetzikon und Dübendorf sprangen glücklicherweise in die Bresche. Dennoch fehlten am Schluss einige Kubikmeter Schnee.

Auftritte namhafter Musiker

Für Stimmung sorgten aber nicht nur die Schneesportler, die sich über die Riesenschanze wagten, sondern auch die Musiker auf der Bühne. Denn die Organisatoren hatten mit der grossen Kelle angerichtet: An beiden Tagen spielten neben drei Urner Bands auch fünf bekannte Musikgrössen, darunter Pflegeleicht, Ex-Mister-Schweiz Jan Bühlmann alias Jan Oliver sowie Ivo, der auch schon im Vorprogramm von Shakiras Europatournee auftrat.

Hinter dem Festival «Moove Uri – Dr Tell gumpet» steckt der Verein Filmhouse aus Seedorf – eine Clique aus Schulzeiten. Die jungen Männer im Alter zwischen 22 und 26 Jahren standen bereits als Teenager oft zusammen auf den Ski und hielten ihre Sprünge auf Video fest. Der Verein möchte das Festival künftig regelmässig durchführen – vorausgesetzt die erste Ausgabe wird ein Erfolg. Das OK rechnete mit 1400 bis 1600 Festivalbesuchern. Die Zahl der Eintritte war bis Redaktionsschluss aber noch nicht bekannt.


Elias Bricker