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ALTDORF: Fall Walker: Urner Obergericht verurteilt Erstfelder Barbetreiber zu 10 Jahren Gefängnis

Nun doch schuldig: Ignaz Walker soll einen Auftragskiller auf seine damalige Ehefrau angesetzt haben. Zu diesem Urteil kommt das Obergericht – und verurteilt ihn zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren. Ins Gefängnis muss Walker jedoch vorerst nicht.
Bruno Arnold und Carmen Epp
Ignaz Walker beantwortet nach der Urteilsverkündung Fragen der Medien. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 22. Januar 2018))

Ignaz Walker beantwortet nach der Urteilsverkündung Fragen der Medien. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 22. Januar 2018))

Bruno Arnold und Carmen Epp

redaktion@urnerzeitung.ch

Mit Spannung wurde am Montag das Urteil des Obergerichts im Fall Walker erwartet. Spannend machte es auch Walker selber: Obwohl er vereinbart hatte, vor der Urteilsverkündung Medien Interviews zu geben, liess er lange auf sich warten. Hat er sich womöglich ins Ausland abgesetzt, aus Angst vor einer Verurteilung? Die Frage, die auf dem Rathausplatz herumgereicht wurde, löste sich um 9.30 Uhr auf: Pünktlich zur Urteilsverkündung traf auch Walker im Landratssaal ein. Dass er auf sich warten liess, hatte einen Grund, wie Walker später gegenüber den Medien sagte: Er habe am Vorabend der Verkündigung telefonisch erfahren, welches Urteil ihn erwarten würde. «Da wollte ich die Medien nicht vor der Verkündigung anlügen, ich würde einen Freispruch erwarten», so Walker. Von wem er das Wissen um das Urteil haben will, wollte er nicht sagen.

Der angebliche Informant sollte jedoch Recht behalten: Im Landratssaal verkündete Obergerichtsvizepräsident und Verfahrensleiter Thomas Dillier, was Walker schon gewusst haben will: dass das Obergericht ihn schuldig spricht, am 12. November 2010 Sasa Sindelic als Auftragskiller auf seine damalige Ehefrau, Nataliya K.*, angesetzt zu haben. Das Gericht verurteilt Walker wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren. Dies als Gesamtfreiheitsstrafe sowohl für den Fall vom November 2010 sowie für die Gefährdung des Lebens von Johannes Peeters vom Januar 2010, für die Walker bereits rechtskräftig verurteilt worden ist.

Walker bleibt wegen geringer Fluchtgefahr auf freiem Fuss

Damit hat das Obergericht erneut eine 180-Grad-Wende vollzogen. Die Richtern haben gegenüber dem Urteil von 2013 jedoch das Strafmass von 15 auf 10 Jahre reduziert. Dies, weil das Obergericht damals im Fall Peeters von einer versuchten vorsätzlichen Tötung ausgegangen sei, nun aber «nur» von einer Gefährdung des Lebens.

An die Freiheitsstrafe von 10 Jahren angerechnet werden die 1683 Tage, die Walker bereits in Untersuchungs- und Sicherheitshaft war. Bleibt es beim vorliegenden Urteil, sei davon auszugehen, dass Walker aufgrund der erstandenen Haft – und sofern er nach zwei Dritteln der Haft bedingt entlassen werden kann – wohl noch rund zwei Jahre in Haft zu verbringen hat, erklärte Dillier.

Obwohl Walker nun erneut verurteilt wurde, verliess er den Gerichtssaal als freier Mann. Das Obergericht lehnte den Antrag der Staatsanwaltschaft ab, Walker in Sicherheitshaft zu nehmen. Stattdessen belasse man es bei den bestehenden Ersatzmassnahmen wie Schriftensperre und Meldepflicht. Dillier begründete dies wie folgt: Walker habe sich der Justiz bisher stets gestellt. Deshalb und weil Walker «nur noch» zwei Jahre Freiheitsstrafe drohen würden, sei eine Fluchtgefahr nicht konkret genug, um ihn in Sicherheitshaft zu nehmen.

Zusätzlich zur Freiheitsstrafe verhängt das Obergericht eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 30 Franken sowie eine Busse von 800 Franken. Ausserdem muss Walker seiner ehemaligen Ehefrau 25000 Franken Genugtuung zahlen. Er wird ausserdem zur Zahlung von Schadenersatz in Höhe von rund 15 000 Franken an eine Versicherung verpflichtet. Ausserdem werden ihm die Verfahrenskosten von 112000 Franken auferlegt.

Verteidiger ist sprachlos, Oberstaatsanwalt zufrieden

Linus Jaeggi fiel eine Reaktion auf das Urteil schwer. «Im Moment bin ich sprachlos», sagte der Verteidiger nach der Urteilsverkündung. Das Obergericht habe den Freispruch 2016 schlecht begründet. Dass es sich nun dem Bundesgericht beuge, könne er nicht nachvollziehen. Er ist überzeugt, dass das Gericht Walker erneut hätte freisprechen können, dies aber besser hätte begründen müssen. Walker will das Urteil «selbstverständlich» anfechten. Er hält den Entscheid des Obergerichts für einen politischen. «Wer die Akten gelesen hat, weiss, wie grundsätzlich falsch das ist.»

Oberstaatsanwalt Thomas Imholz nimmt das Urteil «erleichtert und mit Genugtuung» zur Kenntnis, obwohl das Strafmass unter den von ihm geforderten 15 Jahren liegt. Entscheidend sei, dass es einen Schuldspruch gegeben hat. «Über das Strafmass kann man immer streiten und diskutieren.» Er habe von Anfang an betont, dass nur eine Verurteilung in Frage komme. Deshalb habe ihn der Freispruch 2016 auch überrascht. «Das Bundesgericht hat nun aber korrigierend eingewirkt und ein klares Urteil gefällt. Somit gab es für das Obergericht gar keine andere Option mehr als eine Verurteilung», so Imholz. Er werde das begründete Urteil abwarten und dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Ein möglicher Grund für einen Weiterzug könne etwa das Strafmass sein. Auf den ersten Blick seien aber die Entscheide bei der mündlichen Urteilseröffnung nachvollziehbar begründet worden.

Nataliya K. wollte zum Urteil nichts sagen und verwies an ihre Anwältin, Claudia Zumtaugwald. «Ich bin erleichtert und mit dem Urteil sehr zufrieden», meinte diese. «Ich habe zwar eine etwas höhere Strafe erwartet, kann aber mit den zehn Jahren sehr gut leben.» Zur Tatsache, dass Walker auf freiem Fuss ist, habe sie sich gar keine Gedanken gemacht. Sie könne aber die Begründung des Gerichts dazu nachvollziehen.

Hinweis

*Name der Redaktion bekannt

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