ALTDORF: Falsche Berechnungen reiten Projekta AG in den Konkurs

Die Arbeit eines ehemaligen Mitarbeiters war bei neun Bauobjekten mangelhaft. Den Schaden vermag das Urner Planungsbüro nicht mehr auszumerzen. 20 Mitarbeiter müssen nun auf den Arbeitsmarkt hoffen.

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Das Altdorfer Ingenieurbüro Projekta AG ist in Konkurs gegangen. Grund dafür sind die Berechnungsfehler eines Mitarbeiters, der bis im Mai 2015 angestellt war. Bei neun Gebäuden in Uri und Schwyz sind Sanierungsmassnahmen nötig. Die Bauten wurden zwischen 2012 und 2014 erstellt und allesamt vom selben Ingenieur fehlerhaft berechnet.

«Die Fehlberechnungen können zu Rissen, Deformationen, Abplatzungen und beträchtlichen Nutzungseinschränkungen führen», schreibt die Firma in einer Medienmitteilung. Einzelne Inhaber dieser Gebäude wurden erst gestern von der Projekta AG über das Erfordernis einer Sanierung informiert, nachdem die Berichte zu ihren Objekten erst seit kürzester Zeit vorliegen.

Versicherungsdeckung reicht bei weitem nicht aus

«Die voraussichtlichen Kosten für die notwendigen Sanierungsmassnahmen an den bis heute neun identifizierten Objekten übersteigen die Versicherungsdeckung sowie die finanziellen Möglichkeiten der Projekta AG bei weitem», sagt Verwaltungsratspräsident Othmar Stöckli. Man habe sämtliche Möglichkeiten geprüft, um den drohenden Konkurs abzuwenden. «Wir bedauern diese Entwicklung ausserordentlich, insbesondere für die betroffenen Eigentümer und Nutzer der Gebäude, aber auch für unsere Mitarbeitenden», so Stöckli.

Die Projekta AG bestand seit 1960 und beschäftigte zuletzt 20 Mitarbeiter. «Wir sind zuversichtlich, dass alle unsere ehemaligen Mitarbeitenden in nützlicher Frist eine neue Stelle im aktuellen Arbeitsmarkt finden», sagt Stöckli. Dabei werde auf das breite Beziehungsnetz der Firma zurückgegriffen. Aber auch die kantonalen Stellen hätten ihre Unterstützung zugesichert. Zudem seien von anderen Büros bereits Stellen angeboten worden. Besonders bedauerlich sei es, dass die Firma bis auf die Altlasten des ehemaligen Ingenieurs operativ sehr gut aufgestellt gewesen sei, so Stöckli. «Aber der Mühlestein aus der Vergangenheit war einfach zu schwer.»

Ins Rollen gebracht hatte die Sache eine Kundenanfrage im Sommer 2016. Bei einer Terrasse eines bestehenden Gebäudes im Kanton Uri prüfte man eine von den Eigentümern gewünschte Mehrbelastung. Dabei stellte sich heraus, dass ein ehemaliger Mitarbeiter bei der Planung des Gebäudes einen Fehler gemacht hatte. «Wir haben daraufhin umgehend gehandelt», betont Stöckli. Intern wurden alle Projekte, die der fehlbare Ingenieur betreut hatte, gesichtet und einer ersten Prüfung unterzogen. In gravierend scheinenden Fällen beauftragte die Projekta AG drei unabhängige Ingenieurbüros, diese detailliert zu untersuchen und eine Zweitmeinung abzugeben.

Am 23. Dezember wurde schliesslich die Bilanz der Projekta AG beim Landgericht Uri deponiert. Das Landgericht Uri hat nun am 5. Januar 2017 entschieden, den Konkurs über die Projekta AG zu eröffnen.

Konsequenzen für Ingenieur sind noch unklar

Das Konkursamt wird heute erste Befragungen der Organe durchführen. Details konnten gestern keine in Erfahrung gebracht werden. Noch ist unklar, ob der Konkurs auch rechtliche Konsequenzen für den Ingenieur haben wird. «Wir hatten bei der Anstellung keinen Grund, an seinen fachlichen Kompetenzen zu zweifeln», erzählt Stöckli. «Er hat gute Zeugnisse und viel Berufserfahrung mitgebracht.»

Im Mai 2015 hatte sich die Projekta AG wieder von ihm getrennt, allerdings nicht aus fachlichen, sondern aus persönlichen Gründen. Was nun mit den schadhaften Gebäuden geschieht, wird jetzt das Konkursamt entscheiden.

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch