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ALTDORF: Flüchtlinge zeigen ihre Lieblingsplätze

Gästival und Flüchtlingstag spannten zusammen. Aus dieser Kombination resultierten viele spannende Begegnungen zwischen Einheimischen und Migranten.
Smret Tekeste erzählt den Rundgangteilnehmern, weshalb der Loftpark ihr Lieblingsplatz ist. (Bild Urs Hanhart)

Smret Tekeste erzählt den Rundgangteilnehmern, weshalb der Loftpark ihr Lieblingsplatz ist. (Bild Urs Hanhart)

Urs Hanhart

Es regnete in Strömen am Samstagvormittag in Altdorf. Eigentlich alles andere als ideales Wetter für Outdoor-Aktivitäten. Trotzdem versammelten sich vor dem Theater Uri rund zwei Dutzend Interessierte, um an einem ganz speziellen Dorfrundgang teilzunehmen. Im Rahmen des Gästivals (200 Jahre Gastfreundschaft in der Zentralschweiz) stellten sieben Migranten, die zum Teil schon viele Jahre im Urnerland leben und arbeiten, ihre ganz persönlichen Lieblingsplätze im Urner Hauptort vor. Sie erzählten, weshalb sie die gewählten Plätze an ihre Heimat erinnern und gaben dabei teilweise auch Bewegendes preis. Am Nachmittag dann gab es auch noch einen Rundgang mit Einheimischen, die quasi im Gegenzug ihre bevorzugten Orte in Altdorf der zugezogenen Bevölkerung nahebrachten.

Kraft tanken in der Natur

Erste Station der kleinen Dorfwanderung war der Loftpark. Dies ist der Lieblingsplatz der gebürtigen Afrikanerin Smret Tekeste, die im Frühling 2011 aus Eritrea in die Schweiz gekommen ist. In ihrem Heimatland absolvierte sie ein Agrikultur-Studium. Hier ist sie inzwischen als Dolmetscherin tätig. «Diesen Platz habe ich gewählt, weil er mich an meine Schulzeit in Eritrea erinnert», sagte sie. «Als Schülerin habe ich immer draussen unter den Bäumen gelernt. Und als ich dann in die Schweiz kam, ging ich oft in den Loftpark, um Deutsch zu lernen», verriet Tekeste. «Die Natur ist etwas sehr Wichtiges für mich. Denn sie gibt mir Kraft und hilft mir in Stresssituationen.» Wenn sie Heimweh habe, kaufe sie jeweils Guavensaft, sagte die Eritreerin. Davon und weitere kleine Spezialitäten aus ihrem Heimatstaat hatte Tekeste für ihren Auftritt im Loftpark als Probierhäppchen für die Rundgangteilnehmer mitgenommen.

Ein nächster Halt wurde beim Nazar-Shop an der Gotthardstrasse gemacht. Diesen hat die gebürtige Türkin Elif Senpinar 2009 eröffnet. Sie ist seit 1989 in der Schweiz. Senpinar bietet türkische und internationale Spezialitäten an. «Hier in Uri habe ich zuerst viele Jahre bei der Firma Texaid gearbeitet», erzählte die gebürtige Türkin. «Irgendwann kam ich auf die Idee, mich selbstständig zu machen», sagte Senpinar. «Ich stellte fest, dass es in Uri keinen türkischen Laden gab.» Ihr Mann sei nicht begeistert gewesen von der Idee, einen Shop zu eröffnen. «Er hatte Sorge, dass ich nicht mehr genügend Zeit für die Familie haben würde», so Senpinar. «Aber ich konnte ihn schliesslich doch überzeugen.» Mittlerweile läuft der Laden derart gut, dass sich die Inhaberin überlegt, ein grösseres Lokal zu mieten.

Weitere Stationen auf dem Rundgang waren das Historische Museum Uri, das Haus Flora, das Haus für Kunst und der Rathausplatz mit dem Telldenkmal. «Wir haben das Telldenkmal gewählt, weil wir vor zwei Jahren beim Schweizer Film ‹Schweizer Helden› mitspielen durften», sagten Erdal Dündar aus der Türkei und Wali Morid aus Afghanistan. «Dieser Streifen handelt von Asylsuchenden, die das Theaterstück Wilhelm Tell einstudieren und aufführen.» Durch den Film hätten sie viel über den Schweizer Nationalhelden erfahren, sagten die beiden.

Integration fördern

Nach dem zweiten Rundgang wurden alle Teilnehmer zwecks Erfahrungsaustausch zu einem «World Café» ins Mehrzweckgebäude Winkel eingeladen. Anschliessend begann das traditionelle multikulturelle Fest zum Flüchtlingstag, welches das Schweizerische Rote Kreuz und das Hilfswerk der Kirchen Uri organisierten. Auf dem Programm standen kulinarische und musikalische Leckerbissen. Auf der Bühne waren die Sheepheadmonkeez sowie die Baye-Magatte-Band (Afro New Music) zu sehen und vor allem auch zu hören. «Der Tag des Flüchtlings ist die wichtigste Sensibilisierungskampagne in der Schweiz im Bereich Flucht, Asyl und Integration», betonte Mirjam Würsch, Sozialarbeiterin beim Hilfswerk der Kirchen Uri. «Feierlichkeiten und Feste an diesem Tag schaffen Verbindungen sowie Begegnungen zwischen Einheimischen und Fremden, wodurch die Integration gefördert wird.»

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