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ALTDORF: Fünf Musiker lassen alte Zeiten wieder auferstehen

Die Bauernmusik hat sich Tänzen verschrieben, die man vor 100 Jahren spielte. Erstmals gibt es passende Filmaufnahmen dazu.
Markus Zwyssig
Die Bauernmusik Altdorf mit (von links): Patrik Stadler, Erich Herger, Peter Gisler, Hanspeter Wigger und Sepp Wipfli. (Bild F.X. Brun)

Die Bauernmusik Altdorf mit (von links): Patrik Stadler, Erich Herger, Peter Gisler, Hanspeter Wigger und Sepp Wipfli. (Bild F.X. Brun)

Szenen von einem eidgenössischen Schützenfest, ein Fasnachtsumzug, Bilder aus dem Familienleben, ein Markttag im Dorf: all das hat der Altdorfer Musikant und Volksliedsammler Tsches Krupski in den Dreissigerjahren des vergangenen Jahrhunderts mit seiner Kamera festgehalten. Am Donnerstag, 13. August, sind als Prolog zum Alpentöne-Festival Ausschnitte der Aufnahmen von Krupski im Theater Uri zu sehen. Die Bauernmusik Altdorf spielt dazu Tanzmusik von Tsches Krupski (1882–1940) und seinem Bruder Ladislaus Krupski (1883–1947), der sich auch Hanns in der Gand nannte.

Ein Abend mit zwei Premieren

«Die alten Aufnahmen aus dem Kanton Uri sind spannend anzuschauen», gibt sich Peter Gisler überzeugt. Kommt dazu, dass das Filmmaterial bisher nur schwer zugänglich war. Der Altdorfer Musiker und Verleger ist dabei, die Filme, welche das Staatsarchiv Uri bearbeitet hat, zu sichten und für das Konzert Ausschnitte daraus zusammenzustellen. «Interessant ist es insbesondere auch, wie die Leute damals gekleidet waren», sagt Gisler. Die Stücke der Bauernmusik Altdorf werden am Konzert mit historischen Bildern bereichert. Bisher sei das Urner Kulturgut musikalisch aufgearbeitet worden, sagt Peter Gisler. «Jetzt wird es erstmals möglich, sich mit Filmsequenzen in die damalige Zeit zurückzuversetzen.» Und es gibt am Vorabend des Alpentöne-Festivals noch eine zweite Premiere: Die neue CD «Tsches nicht Jazz» der Bauernmusik Altdorf wird an diesem Abend erstmals erhältlich sein.

Im Estrich über Schatz gestolpert

Jahrelang hat Peter Gisler im Kanton Uri nach alten Volksmusikquellen gesucht und geforscht. Einen musikalischen Schatz hat er im Krupskihaus an der Klostergasse in Altdorf entdeckt. Im Estrich stand ein zirka 120 Zentimeter hoher Schrank. Dieser war vollgestopft mit handgeschriebenen Noten. «Es war ein unvergesslicher Anblick», erinnert sich Gisler. Was er zu sehen bekam, war alles andere als alltäglich. Zuoberst lagen die Notenbüchlein, welche Hanny Christen für ihre berühmt gewordene Sammlung zur Abschrift erhielt. Danach gab es viele Einzelblätter, gedruckte Noten mit klassischer Musik für Klavier, populäre Wiener- und Operettenmelodien, Tänze aus Bayern, Lieder und Klarinettenübungen.

So tönte es im 19. Jahrhundert

Zuunterst im Schrank entdeckte Gisler die eigentliche Sensation. «Vor mir lagen fünfstimmige Bearbeitungen von Tsches Krupski, die er für eine Bauernmusik geschrieben hat», sagt Gisler. Zu dieser Zeit sei es sehr unüblich gewesen, dass Volksmusik fünfstimmig aufgeschrieben worden sei. In der Regel habe man nur die Melodie notiert. Die Begleitinstrumente improvisierten dazu. «Nun gibt es einen Beleg, der genau aufzeigt wie die Tänze zur damaligen Zeit begleitet wurden», so Gisler. «Nach heutigen Kenntnissen muss Tsches Krupski als der grösste Überlieferer alter Tanzmusik aus Uri angesehen werden.»

Dank Krupskis Sammlung weiss man heute recht genau, was vor dem Akkordeon- und Schwyzerörgeli-Zeitalter um 1900 im Kanton Uri gespielt wurde. Das war eine Zeit, bevor Radio und Schellackplatten für eine weite Verbreitung der Musik und damit auch für eine breite Beeinflussung der Musik, sorgten. Die Sammlung beinhaltet traditionelle Tänze, die auch in ähnlicher Art in anderen Regionen der Schweiz vorkommen können. Bei den fünfstimmigen Bearbeitungen für die Bauernmusik handelt es sich vermutlich um beliebte Tänze, welche Tsches und Ladislaus Krupski für Klarinette, Trompete, zwei Hörner und Bass bearbeiteten.

Altes wieder neu belebt

Die Nachlasse von Tsches und Ladislaus Krupski sind hauptverantwortlich dafür, dass der Kanton Uri gut dokumentiert über im 19. Jahrhundert gespielte Musik ist. All dies hat Peter Gisler in den vergangenen Jahren erforscht, dokumentiert und schliesslich mit seinen Mitmusikern aufs Neue zum Klingen gebracht. «Zweifellos ist es für die Schweizer Volksmusiklandschaft eine Bereicherung, wenn die Musik der Krupski-Sammlung wieder gespielt wird», sagt Gisler. Er spielt in der Bauernmusik Altdorf Kontrabass und Örgeli. Mit dabei in der Bauernmusik sind ausserdem Sepp Wipfli (Klarinette), Patrik Stadler (Posaune), Erich Herger (Flügelhorn), und Hanspeter Wigger (Trompete, Büchel). Das Konzert im Theater Uri findet in Zusammenarbeit und mit Unterstützung des Hauses der Volksmusik statt.

Hinweis

Das Konzert der Bauernmusik Altdorf am Donnerstag, 13. August, im Theater Uri beginnt um 20.30 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Franken. Der Alpentöne-Festivalpass ist ebenfalls gültig.

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