ALTDORF: Fussballer und Asylsuchende bauen Vorurteile ab

Männer aus Eritrea und Fussballer des FC Altdorf begegneten sich im Haus für Kunst Uri. Durch kulturellen Austausch sollen Asylsuchende besser integriert werden.

Markus Zwyssig
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Im Haus für Kunst Uri haben sich Eritreer und einheimische Fussballer auf spielerische Art näher kennen gelernt. (Bild: Urs Hanhart)

Im Haus für Kunst Uri haben sich Eritreer und einheimische Fussballer auf spielerische Art näher kennen gelernt. (Bild: Urs Hanhart)

Markus Zwyssig

Eine Villa mit Swimmingpool, ein Bauernhaus, eine Kapelle in den Bergen, eine Kirche, eine Moschee, ein Haus im Kolonialstil: Die Bilder, die auf einem Tisch liegen, könnten unterschiedlicher kaum sein. Auf den einen Fotos liegt viel Schnee, auf anderen brennt die Sonne heiss vom Himmel. Jeder Mann nimmt ein Bild und erklärt den anderen, was darauf zu sehen ist und weshalb er gerade dieses Sujet ausgewählt hat. Dann heftet er sich das Bild an die Brust.

Beim Workshop am Mittwochabend im Haus für Kunst Uri sind zwei Welten aufeinandergetroffen. Männer aus Eritrea begegneten Fussballern des FC Altdorf. Im Vordergrund stand der kulturelle Austausch in einer Kunstausstellung.

Projekt für drei Jahre gesichert

Die Kernidee der Veranstaltung mit dem Namen Kulturenbrücke ist es, Begegnungen zwischen den Kulturen zu schaffen. In Uri lebende Asylsuchende treten dabei in Kontakt mit Urner Vereinen, also hier ansässigen Menschen. Die Kunst soll als Mittel für den Austausch dienen. «Dabei sollen nicht Unterschiede zementiert werden. Vielmehr ist die Grundidee, Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Gruppen zu finden», sagt Kunstvermittlerin Lotti Etter. Es sei wichtig, dass man Hemmschwellen abbauen und sich gegenseitig kennenlernen könne. Denn die Asylsuchenden hätten sonst nur wenig Kontakte zur einheimischen Bevölkerung. Zwei bis drei solcher Veranstaltungen sind pro Ausstellung im Haus für Kunst Uri geplant. Daran sollen jeweils rund 20 Personen teilnehmen. «Es ist aber gar nicht so einfach, Vereine zum Mitmachen zu bewegen», sagt Etter. Vorurteile seien weitverbreitet – gerade gegenüber Ausländern und zeitgenössischer Kunst. «Ich bin froh, wenn sich weitere Vereine bei mir melden.» Die Finanzierung des Projekts ist dank Beiträgen des Kantons und der Art Mentor Stiftung für drei Jahre gesichert. Etter führt die Workshops im Zusammenhang mit ihrer Weiterbildung an der Zürcher Hochschule der Künste durch. Das Schweizerische Rote Kreuz, das für die Betreuung der Asylsuchenden zuständig ist, und die Organisation Sprache & Integration unterstützt die Veranstaltungen aktiv.

Dolmetscher hilft

Im Haus für Kunst Uri steht noch wenige Tage die Installation des Künstlerduos Lang/Baumann. Die rechteckige, begehbare Holzkonstruktion führt vor der Fassade beim Haupteingang des Hauses in den ersten Stock, durchquert horizontal den Raum und zieht sich über das Dach. Von dort dringt sie durch die Dachfenster wieder ins Haus ein, windet sich weiter durch die Räumlichkeiten und endet schliesslich ausserhalb des Hausanbaus. Eyob Filmon ist während des Workshops durch diese Röhre gekrochen. Es sei schon speziell gewesen und ein bisschen unheimlich. Und Anwar Adalla ergänzt: «Man muss im Dunkeln ein wenig aufpassen. Vor allem darf man nicht zu schnell vorwärtsgehen.» Die beiden Eritreer finden die Veranstaltung im Haus für Kunst Uri eine gute Sache. Man lerne sich dabei kennen. Sie wohnen zwar auch in Altdorf. Mit den Einheimischen haben sie aber kaum zu tun. «Ob auf der Strasse oder in einem Restaurant: Angesprochen werden wir selten. Meistens sind wir sonst unter uns.» Ein solcher Anlass sei daher ein guter erster Schritt zur Integration.

«Zuerst war die Stimmung etwas zurückhaltend – und zwar auf beiden Seiten», sagt Ronny Arnold vom FC Altdorf. Doch bald sei man ins Gespräch gekommen. Einige der Eritreer sprechen gebrochen Deutsch, andere Englisch. Sie haben einen Dolmetscher mitgenommen, der helfen soll, dass man sich unterhalten kann.

«Es war spannend zu erfahren, wie man in Eritrea lebt», sagt Fussballer Elias Scheiber. «Ein solcher Workshop ist ein guter Weg, Vorurteile abzubauen.» Und ein erster Schritt ist getan. So kickt ein junger Mann aus Eritrea bereits beim FC Altdorf mit.