ALTDORF: «Halbe Million wäre eine gute Basis»

Markus Brülisauer hofft auf mehr Geld für das Haus der Volksmusik. Der Leiter möchte, dass vor allem auch Schulkinder profitieren.

Interview Markus Zwyssig
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Markus Brülisauer: «Vieles, was zu neuen Klängen führt, ist ein Rückgriff auf Altes.» (Bild: Florian Arnold / Neue UZ)

Markus Brülisauer: «Vieles, was zu neuen Klängen führt, ist ein Rückgriff auf Altes.» (Bild: Florian Arnold / Neue UZ)

Markus Brülisauer, rund um das Haus der Volksmusik ist es ruhig. Läuft bei Ihnen momentan derart wenig?

Markus Brülisauer: Nein, im Gegenteil: Bei uns ist es alles andere als ruhig. Es finden laufend Veranstaltungen und Kurse im Haus statt. Die Vorbereitungen für das nächste Volksmusikfestival im kommenden Jahr sind angelaufen. Mit dem Planen für das zweite Halbjahr sind wir fast fertig. Seit Anfang Jahr hat die IG Volkskultur ihre Geschäftsstelle bei uns.

Davon bekommt die Bevölkerung aber nur wenig mit. Läuft bald wieder mehr auch für die Öffentlichkeit?

Brülisauer: Vieles muss vom Büro aus erledigt werden. So brauchen wir viel Zeit für administrative Aufgaben. Wir beschäftigen uns mit der Geldbeschaffung, dem Fundraising. Aber es wird in Zukunft wieder mehr Aktivitäten geben, die man vom Haus der Volksmusik in der Öffentlichkeit wahrnehmen wird.

Woran denken Sie?

Brülisauer: Die beiden Jugendlager im Sommer in Isenthal und im Melchtal in Obwalden sind eine tolle Sache für Kinder und Jugendliche. Dabei werden die jungen Teilnehmer auch für die Bevölkerung aufspielen. Im kommenden Jahr findet zum dritten Mal das Volksmusikfestival statt. Zudem bieten wir Kurse und Veranstaltungen an, die sich nicht nur an Musikanten richten. Interessierte sind bei uns im Haus immer willkommen. Täglich gibt es Anfragen von Urnern, aber auch aus der ganzen Schweiz.

Sie haben das Fundraising angesprochen. Wie schwierig ist es, das Geld zusammenzubringen?

Brülisauer: Es kommt darauf an, wofür das Geld benötigt wird. Geht es um den Nachwuchs, ist es nicht so schwierig. Sonst ist es aber – gerade in einem kleinen Kanton wie Uri – auch aufgrund der angespannteren wirtschaftlichen Lage schwieriger geworden, Geld zusammenzubringen. Zum Glück stellen uns für den Basisbetrieb im Haus Kanton, Gemeinden, Stiftungen und der Trägerverein rund 300 000 Franken zur Verfügung. Wir hätten natürlich gerne mehr: Eine halbe Million wäre eine gute Basis, um auch grössere Projekte realisieren zu können.

Wie wollen Sie so viel zusätzliches Geld zusammenbringen?

Brülisauer: Ich bin mir bewusst, dass das ein ehrgeiziges Ziel ist. Zurzeit arbeiten wir daran, dass wir in der nächsten Kulturbotschaft des Bundes ab 2016 verankert werden. Wir hoffen auf eine entsprechende Unterstützung. Mit den jetzigen Pensen sind wir zeitlich am Anschlag. Bedarf haben wir insbesondere im Bereich Forschung und Dokumentation. Verstärkt wollen wir die Volksmusik in die Schulen bringen. Diesbezüglich möchten wir die Lehrer weiterbilden. All dies ist sehr zeitintensiv, und dieser Bereich kommt bei uns momentan ein bisschen zu kurz.

Sie haben kürzlich grosse Bestände an Noten, unter anderem von Kasi Geisser, erhalten. Können Sie das alles überhaupt aufarbeiten?

Brülisauer: Soeben ist ein neues Projekt im Bereich Blechtanzmusik angelaufen. Zu Kasi Geisser wird es demnächst auch ein Projekt geben. Im Herbst wird Kasi Geisser zu seinem 70. Todestag ein Thema werden. Wir müssen zum Glück nicht selber ein eigenes Archiv unterhalten. Alles wird im Staatsarchiv digitalisiert und dort gelagert. Wir haben gute Leute, die sich mit dem Material intensiv beschäftigen. An vorderster Stelle steht Dieter Ringli. Er ist ein bekannter Volksmusikforscher der Schweiz. Auch weitere Fachleute können wir bei Bedarf einbeziehen.

Die traditionellen Volksmusikanten halten wenig vom Haus der Volksmusik. Viele finden es zu elitär. Wie wollen Sie Gegensteuer geben?s

Brülisauer: In den Kreisen der traditionellen Volksmusikanten ist die Akzeptanz zurzeit tatsächlich noch nicht so gross. Viele finden, die neue Volksmusik gehöre gar nicht zu ihrer Szene. Daher will ich alles daransetzen, das Haus weiter zu etablieren. Wir pflegen sehr gute Beziehungen zur neuen Volksmusik, zu den jungen Musikanten und zu den Hochschulen. Wir wollen unser Netz unbedingt ausbauen und auch die traditionellen Volksmusikanten ins Boot holen.

Wie wollen Sie diesen Leuten das Haus schmackhaft machen?

Brülisauer: Das Wichtigste ist der persönliche Kontakt mit den Leuten. Es braucht viel Überzeugungsarbeit. Das Angebot im Haus der Volksmusik wollen wir verstärkt auch auf das traditionelle Volksmusikpublikum ausrichten. Da ist Kasi Geisser als erster Ländlerkönig ein passendes Thema. Traditioneller geht es ja kaum.

In der Volksmusik wurde in den vergangenen Jahren bereits sehr viel ausprobiert. Ist da eine Entwicklung überhaupt noch möglich?

Brülisauer: Jede Musik entwickelt sich weiter. Dabei ist vieles, was zu neuen Klängen führt, ein Rückgriff auf Altes. Ich denke, Experimentieren hat mit einem Blick ins Archiv ebenso zu tun wie mit der Innovation. Ich bin selber aktiver Volksmusiker und finde sowohl die traditionelle als auch die neue Volksmusik toll. Dabei freue ich mich auch, mit viel Herzblut neue Wege zu gehen.

Zur Person

Markus Brülisauer wird ab Juli neuer Leiter im Haus der Volksmusik in Altdorf. Er tritt die Nachfolge von Johannes Schmid-Kunz an. Der 29-jährige Brülisauer ist studierter Historiker und ausgebildeter Musikvermittler. Er ist bereits seit Anfang 2012 im Haus der Volksmusik tätig und hat sich vor allem um die Administration und um die Nachwuchsarbeit gekümmert.