ALTDORF: Hausärzte spannen zusammen

Hausarzt Reto Rechsteiner lanciert eine neue Gemeinschaftspraxis. Künftig sollen mehr Patienten das ganze Jahr über behandelt werden können.

Anian Heierli
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Paul Scherrer (links) will ab 2016 als Hausarzt und Partner in der Altdorfer Praxis von Reto Rechsteiner einsteigen. (Bild Urs Hanhart)

Paul Scherrer (links) will ab 2016 als Hausarzt und Partner in der Altdorfer Praxis von Reto Rechsteiner einsteigen. (Bild Urs Hanhart)

Anian Heierli

Im Kanton Uri gibt es rund 25 praktizierende Hausärzte. Viele von ihnen werden in den kommenden Jahren pensioniert. Um dem drohenden Hausärzte­mangel entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass bereits heute Nachfolger und neue Mediziner gesucht und gefunden werden.

Der Altdorfer Hausarzt Reto Rechsteiner (61) will deshalb seine Praxis in den kommenden Monaten vergrössern. Aktuell arbeitet Paul Scherrer, Facharzt für Innere und Allgemeine Medizin, als Assistenzarzt in Rechsteiners Praxis. Und nun wird Scherrer auf 2016 als neuer Partner und Hausarzt einsteigen. «Wir haben einen guten Draht zueinander», so Rechsteiner. Die Zusammenarbeit funktioniere bestens. Im Praxisverbund am Altdorfer Winkelplatz arbeiten deshalb künftig die beiden Hausärzte Rechsteiner und Scherrer sowie der ­bisherige Dermatologe Mathias Koepke als Dreierteam zusammen. «Wir können so den Betrieb das ganze Jahr über aufrechterhalten und mehr Patienten annehmen», erklärt Rechsteiner. «Die Praxis soll immer werktags und am Samstagmorgen geöffnet haben. Ferienunterbrüche wird es keine geben.» Doch damit nicht genug: Rechsteiner will die Praxis in rund einem Jahr weiter vergrössern. Dazu möchte er die angrenzenden Räumlichkeiten von Tierarzt Thomas Stadler, der seinen Umzug plant, übernehmen (siehe Box). Somit könnte die aktuelle Praxis auf das Doppelte erweitert werden. Die Initianten finanzieren ihr Projekt selber. «Grosse Investitionen sind aber nicht nötig», so Rechsteiner. «Die Einrichtung mit Labor, Apotheke, digitalem Röntgen, zwei digitalen Ultraschallgeräten, EKG und Ergometer ist bereits heute auf dem neusten Stand.»

Weitere Ärzte sind interessiert

«Bei uns haben sich bereits mehrere Ärzte gemeldet, die in einer Gruppenpraxis an der Marktgasse mitmachen wollen», betont Rechsteiner. Darunter seien auch viel versprechende Schweizer Interessenten. Trotz des besagten Ärztemangels ist das für ihn nicht weiter verwunderlich: «Der Kanton Uri bietet eine schöne Landschaft. Es hat gute Schulen und Geschäfte», so Rechsteiner. Die Arbeitsbedingungen und das Einkommen seien gut, die Steuerbelastung nicht zu hoch. Auch Paul Scherrer (31) will unter anderem wegen dieser Vorteile bleiben. Als Sohn eines Schweizers und mit Mutter aus den Niederländischen Antillen ist er in der Dominikanischen Republik aufgewachsen. «Wegen meiner Herkunft begegnen mir einige Urner Patienten anfangs mit Skepsis», erzählt Scherrer. «Das legt sich aber während der Behandlung. Am Schluss sind sie jeweils zufrieden.»

«Ich habe mich gut eingelebt»

Scherrer ist im Alter von 24 Jahren in die Schweiz gekommen und hat auch hier die Ausbildung gemacht, die sechs Jahre dauerte: Er war als Unterassistent in Bülach auf der Inneren Medizin bei Georg Mang, der heute in Altdorf Chefarzt im Kantonsspital Uri ist. Danach war Scherrer Assistenzarzt in Frutigen (Innere Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe), und zuletzt war er knapp vier Jahre am KSU (Innere Medizin und Chirurgie). Heute lebt Scherrer mit seiner Frau und seiner sechsjährigen Tochter in Altdorf. «Ich habe mich gut eingelebt», sagt er. «Es gefällt uns gut. Insbesondere die schöne Landschaft und die Sicherheit. Die Leute sind privat sowie als Patienten angenehm und freundlich.»

Urner planen Grosstierpraxis

red. Die beiden Urner Tierärzte Thomas Stadler und Hans Hofstetter wollen auf dem Areal des 2012 durch einen Grossbrand zerstörten Biomassekraftwerks der Green Power Uri AG bei der ARA Altdorf eine moderne Grosstierpraxis bauen (siehe «Neue Urner Zeitung» vom Mittwoch, 4. März). Dort soll es künftig möglich sein, Kühe, Pferde oder andere Nutztiere zu operieren und auch für einige Tage stationär zu hospitalisieren. Stadler und Hofstetter haben zu diesem Zweck 2013 extra die Gross- und Nutztierpraxis Uri AG gegründet.

«Gesuch wird gerade geprüft»

Noch ist aber unklar, wann genau die Urner Tierärzte umziehen können. «Das Baubewilligungsgesuch wird derzeit von der Altdorfer Baukommission geprüft», heisst es bei der Gemeinde auf Anfrage. Bis jetzt gibt es im Kanton Uri kein Ambulatorium, in dem Tierärzte Operationen an Kühen oder Pferden vornehmen können. Heute werden kleinere Operationen wie Kaiserschnitte und Routineeingriffe direkt bei den Bauern in den Ställen ausgeführt.