ALTDORF: Hürde für Französisch-Dispensierung tiefer gesetzt

Der Urner Landrat will, dass lernschwächere Oberstufenschülerinnen und -schüler leichter vom Französischunterricht dispensiert werden können. Er hat am Mittwoch die entsprechende Forderung einer Parlamentarischen Empfehlung überwiesen.

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Sich vom Französisch dispensieren zu lassen wird im Kanton Uri nun einfacher. (Symbolbild / Neue UZ)

Sich vom Französisch dispensieren zu lassen wird im Kanton Uri nun einfacher. (Symbolbild / Neue UZ)

Mit seinem Vorstoss möchte der Schattdorfer CVP-Landrat Flavio Gisler, dass Schüler im Niveau B bereits von Beginn der Oberstufe an vom Französischunterricht dispensiert werden können und nicht erst nach einem Semester. Das Parlament unterstütze diesen Vorschlag mit 35 zu 26 Stimmen bei einer Enthaltung.

Weiter soll die Dispensation vom Französischunterricht im Niveau B nicht mehr nur von den Noten in den Fächern Deutsch und Englisch, sondern von einer Gesamtbeurteilung abhängig sein. Diesem Teil der Parlamentarischen Empfehlung wurde mit 42 zu 18 Stimmen (zwei Enthaltungen) zugestimmt. Die dritte Forderung, dass der freiwillige Sprachunterricht auf der dritten Oberstufe gegenüber dem obligatorischen gestärkt werden soll, liess Flavio Gisler fallen, weil diese bereits heute erfüllt sei.

Fehlanreiz abschaffen

Die heutige Lösung ist nach Ansicht von Flavio Gisler nicht praktikabel und weder für die Schule noch für die Schüler sinnvoll. «Ein halbes Jahr Französischunterricht für lernschwache Schüler bringt nichts für den Zusammenhalt in der Schweiz.» Für «bequeme Schüler» würde ein Fehlanreiz geschaffen, wenn sie dank schlechter Leistungen in den Fächern Deutsch und Englisch vom Französischunterricht dispensiert werden können.

Mehrere Votanten unterstützten die Parlamentarische Initiative. Die Gegner monierten, dass es willkürlich sei, Niveau-B-Schülern die Möglichkeit zu geben, sich vom Französischunterricht dispensieren zu lassen. Es gebe auch in anderen Fächern lernschwache Schüler, sagten etwa Dimitri Moretti (SP) oder Thomas Sicher (FDP). Alf Arnold (Grüne) betonte, dass laut eidgenössischem Sprachengesetz alle Schüler bis Ende der obligatorischen Schulzeit Kenntnisse in mindestens einer zweiten Landessprache haben müssen.

Kein Frühfranzösisch in Uri

Auch Bildungsdirektor Beat Jörg votierte vergeblich gegen eine Überweisung. Es sei zu befürchten, dass die Urner Schulabgänger mit einer weiteren Reduktion der Französischlektionen gegenüber anderen Kantonen ins Hintertreffen geraten könnten. Denn anders als in der übrigen Zentralschweiz wird in Uri auf der Primarstufe kein Frühfranzösisch unterrichtet, sondern nur Englisch. Bereits heute, so Jörg, gebe es die Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler mit angepassten Lernzielen vom Französisch zu dispensieren. Im Jahr 2012 wurden beim Übertritt in die Oberstufe 17 von 397 Kinder vom Französischunterricht dispensiert.

sda