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ALTDORF: «Ich bin keine Nostalgikerin»

Die Soul- und R&B-Sängerin Joy Denalane spielt am Tonart-Festival. Sie spricht über Schwierigkeiten im Musikbusiness, über das Publikum an Festivals und verrät, was die Zuhörer in Altdorf erwartet.
Markus Zwyssig
Die Berliner Soul- und R&B-Sängerin Joy Denalane. (Bild: Eva Baales)

Die Berliner Soul- und R&B-Sängerin Joy Denalane. (Bild: Eva Baales)

Interview: Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Joy Denalane tritt am Samstag, 10. März, am Tonart-Festival in Altdorf auf. Im grossen Saal des Theaters Uri spielt sie – als Schweizer Premiere – ein akustisches Set. Die 45-jährige Berlinerin ist Tochter einer deutschen Mutter und eines südafrikanischen Vaters. Die Soul- und R&B-Sängerin ist mit dem deutschen Rapper, Singer-Songwriter und Musikproduzenten Max Herre verheiratet. Unsere Zeitung hatte die Möglichkeit, sich mit Joy Denalane am Telefon zu unterhalten.

Joy Denalane, Sie sind Soul- und R&B-Sängerin. Zu Beginn ihrer Karriere wollte man Sie ins Popgeschäft drängen. Wie schwierig ist es, seinem Stil treu zu bleiben?

Das ist im Musikgeschäft generell eine grosse Herausforderung, denn für viele geht es vor allem um den Profit. Zahlreiche Labels setzen daher auf klassische Popnummern und erhoffen sich, dass die Songs im Radio gespielt werden. Wenn man jung und unerfahren ist, läuft man Gefahr, dass man an die falschen Personen gerät und schliesslich nicht die Musik machen kann, die man eigentlich möchte.

Und das ist Ihnen zum Karrierebeginn auch passiert?

Ja. Meine frühere Plattenfirma wollte mich als Popsängerin verkaufen. Das war aber nicht das, was ich wollte. Mein Metier war viel mehr die Soulmusik. Ich habe mich gegen die Vorstellungen der Plattenfirma gewehrt. Ich fand ein anderes Musiklabel, konnte aus dem alten Vertrag aussteigen. Beim ersten Label war nicht nur alles schlecht. Auch da gab es Menschen, die mir helfen wollten. Man trifft überall auf Menschen, die nicht nur auf die Verkaufszahlen schauen.

Sie singen auf Deutsch. Englisch würde doch bei Soul und R&B mehr grooven.

Das Soundgewand ist die eine Sache. Die Geschichten, die in den Songs erzählt werden, sind die andere. Wenn man Lust hat, seine Musik in ein bestimmtes Gewand zu kleiden, ist es unerheblich, ob man die Songs auf Deutsch oder auf Englisch singt. Klar, bei Soul und R&B denkt man wohl zuerst an Englisch. Aber Deutsch macht das Schreiben und Singen von Songs auch nicht komplizierter. Ich bin nun mal in den Stilen Soul, R&B und Rap zu Hause. Deutsch ist meine Muttersprache. Daraus ergibt sich ein ganz natürliches Zusammenspiel für meine Songs.

Mit Ihrem Mann Max Here bilden Sie eine sehr musikalische Familie. Sind Sie immer auf derselben Linie, was den Musikgeschmack angeht?

Nein, das müssen wir ja auch nicht sein. Es gibt natürlich Musik, die wir beide gerne hören. Daneben gibt es aber auch unterschiedliche Vorlieben. Zudem habe ich einen besonderen Background. Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater stammt aus Südafrika. Multikulti ist für mich keine leere Floskel.

Welches sind Ihre musikalischen Vorbilder?

Da gibt es viele. Auf der einen Seite sind es natürlich die Klassiker wie Aretha Franklin, Chaka Khan, Stevie Wonder, Prince oder Michael Jackson. Das höre ich auch heute noch gerne. Aber mir gefällt auch der britische Sänger King Krule, der amerikanische Rapper Kendrick Lamar, das Duo Her oder der Hip-Hop- und R&B-Sänger Frank Ocean.

Hat sich unter diesen Einflüssen auch Ihre Musik verändert?

Ich bin keine Nostalgikerin, sondern auch interessiert an neuen Dingen. Ich weiss aber auch die Qualitäten der Alten zu schätzen.

Reagiert das Publikum in der Grossstadt anders auf Sie als auf dem Land wie beispielsweise in Altdorf, an einem doch eher beschaulichen Ort?

Das ist nicht so sehr eine Frage von Stadt oder Land. Vor allem an Festivals machen wir unterschiedliche Erfahrungen. Da kann es sein, dass bei Konzertbeginn kein Mensch weiss, wer ich bin. Publikum und Band wachsen dann aber im Laufe des Auftritts schnell zusammen und es wird ein tolles Erlebnis. Dann gibt es andere Auftritte, die nicht so gut funktionieren: Das Publikum hat am Anfang Fragezeichen, und die bleiben bis zum Schluss. Das kommt vor allem an Festivals vor, wenn die Leute Tickets kaufen für mehrere Konzerte. Der Funke springt nicht immer. Es braucht eine gegenseitige Bereitschaft. Wenn das Publikum nicht mitmacht, kann man sich auf der Bühne noch so abmühen. Aber eines weiss ich ganz bestimmt: Die Schweizer sind ein tolles Publikum.

Wie äussert sich das?

Ich habe sie immer als offen und wohlwollend empfunden. Die Schweizer sind nicht so skeptisch wie die Konzertbesucher in anderen Ländern. Wir spüren die Unterschiede auf unseren Reisen. Die Schweizer kommen, um mitzumachen und zu feiern.

Was darf das Publikum von Ihnen am Tonart-Festival erwarten?

Wir spielen leidenschaftliche, ehrliche Musik. In letzter Zeit waren wir an verschiedenen Orten akustisch auf Tour. Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug und eine Sängerin haben mich begleitet. Das war toll und hat viel Spass gemacht. So wird uns auch das Publikum in Altdorf erleben – ganz pur und ganz nah.

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