ALTDORF: Ihm schauen zwei Chefs auf die Finger

Er macht seine Ausbildung in zwei Betrieben. Dem 19-jährigen Antonio Beljan bringt das Vorteile. Die Ausbildner müssen sich aber gegenseitig gut absprechen.

Markus Zwyssig
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Antonio Beljan kontrolliert die Qualität des Wassers im Thermalbad. (Bild Markus Zwyssig)

Antonio Beljan kontrolliert die Qualität des Wassers im Thermalbad. (Bild Markus Zwyssig)

Antonio Beljan nimmt ein Glasröhrchen und füllt es mit Wasser aus dem Therapiebad des Heilpädagogischen Zentrums. Das Glasröhrchen steckt der 19-jährige Erstfelder auf ein spezielles Messgerät. Dann gibt er fünf Tröpfchen von der einen und eben so viel von einer anderen Reagenz dazu. Jeder Handgriff sitzt. Morgens und abends werden so die Chlor- und Ph-Werte des Badewassers überprüft. Die Zahlen trägt er fein säuberlich auf ein Kontrollblatt ein. Falls die Werte vom Toleranzbereich abweichen würden, müsste er einschreiten. Das heisst, er müsste die Temperatur des Wassers entsprechend regulieren oder mit Säure den pH-Wert ändern. Doch heute stimmen die Werte, und er kann sich der nächsten Aufgabe widmen. Bei ihm steht noch einiges auf dem Programm.

Die Ausbildung, die Antonio Beljan absolviert, ist nicht alltäglich. Das Besondere daran: Er arbeitet nicht nur im Heilpädagogischen Zentrum Uri, sondern auch im Alters- und Pflegeheim Rosenberg. Seine beiden Ausbildungsstätten sind einen sogenannten Verbundvertrag eingegangen. Das heisst, dass beide Betriebe unter der Federführung von Karl Schuler, Leiter des technischen Diensts beim Heilpädagogischen Zentrum, und für den «Rosenberg», Bruno Arnold, Leiter Infrastruktur, für die Ausbildung zuständig und verantwortlich sind. «Die Ausbildner der beiden Betriebe müssen sich gut absprechen», sagt Schuler. Gemeinsam könne man dem Lernenden aber mehr anbieten, als dies bei einem einzigen Ausbildungsbetrieb der Fall wäre. «Für ihn wird die Ausbildung vielseitiger und abwechslungsreicher.»

Augen und Ohren offen halten

Die meisten Aufträge, die Antonio Beljan zu erledigen hat, erreichen ihn per E-Mail. Bei dringenden Fällen läutet auch mal das Telefon. Dazu kommt aber noch vieles, dass er im Arbeitsalltag selbstständig und ohne Auftrag erledigen kann. Denn ein Hauswart muss Augen und Ohren offen halten. Ein Motor, der lauter brummt als gewöhnlich; eine Leitung, die tropft: Wenn ein Hauswart durchs Haus läuft, merkt er, ob etwas nicht in Ordnung ist. «Mir gefällt, wie vielfältig der Beruf ist», sagt Beljan. Er hat beim Heilpädagogischen Zentrum bereits während des 10. Schuljahrs geschnuppert. Im Sommer hat er seine zweijährige Ausbildung als Hauswartmitarbeiter abgeschlossen. Vergleichbar ist dies mit einer Anlehre. Anfang August hat er nun seine dreijährige Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt begonnen. Diese wird er mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis abschliessen.

Absprache wichtig

Zwei Tage in der Woche arbeitet der junge Berufsmann im «Rosenberg», zwei Tage im Heilpädagogischen Zentrum, einen Tag besucht er die Berufsschule. Doch nicht immer geht es nach diesem Schema. Die beiden Ausbildner sprechen sich gegenseitig ab und setzen Beljan dort ein, wo er am nötigsten gebraucht wird. So half er während der grossen Sommerreinigung eine ganze Woche lang beim Heilpädagogischen Zentrum mit. Anschliessend war er eine Woche lang beim «Rosenberg» tätig; dies aufgrund anstehender Renovationsarbeiten. Auch Zügel- und damit verbundene Vorbereitungsaufgaben gehö­ren zum Aufgabenfeld eines Hauswarts. Im «Rosenberg» hilft Beljan auch bereits bei den unterschiedlichsten Reparaturen in den Wohnbereichen und Wartungen an Geräten mit. «Das Interessante an meiner Arbeit ist, dass ich sowohl mit jungen als auch mit älteren Menschen in Kontakt komme», sagt Beljan. Manchmal brauche es nur wenig, um den Leuten eine Freude zu bereiten. Das stelle er insbesondere im «Rosenberg» immer wieder fest. So wechselt der junge Berufsmann schon mal schnell und unkompliziert eine defekte Lampe aus, bringt einen Rollator wieder zum Laufen oder gibt Auskunft, wie man ein Problem lösen könnte. «Mit wenig Aufwand kann man manchmal viel erreichen und Menschen glücklich machen», sagt er mit einem Schmunzeln.

Hinweis

Seit zehn Jahren gilt das Berufsbildungsgesetz. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat 2014 deshalb zum Jahr der Berufsbildung erklärt. In diesem Zusammenhang wirft unsere Zeitung einen Blick auf die Urner Ausbildungsmöglichkeiten. In der Serie «Uri bildet aus» werden Lernende, Ausbildner und spezielle Berufe vorgestellt.