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ALTDORF: Im Kantitheater sind alle gleich, aber einige sind gleicher

Das Theater der Kantonalen Mittelschule Uri spielt «Farm der Tiere». Den Jugendlichen gelingt es, George Orwells Klassiker als politische Satire zu spielen, die nichts an Aktualität eingebüsst hat.
Markus Zwyssig
Die «Schweine» stellen die neuen Regeln auf. Demnach sind alle gleich – aber einige sind gleicher. (Bild: Angel Sanchez, Altdorf, 6. April 2017)

Die «Schweine» stellen die neuen Regeln auf. Demnach sind alle gleich – aber einige sind gleicher. (Bild: Angel Sanchez, Altdorf, 6. April 2017)

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Sie liegen kreuz und quer auf dem Bühnenboden. Einige tragen Ketten oder sind an einen Strick gebunden. Die Spielerinnen und Spieler sind barfuss. Sie tragen Bandagen an ihren Füssen, Beinen und Händen. Eine kleine Glocke bimmelt, was fast wie ein letzter Hoffnungsschimmer klingt.

Es wird gegrunzt und gegackert. Die Schüler tragen zwar keine Tierkostüme, werden aber mit ihren Stimmen, ihren Gesten und ihren Bewegungen trotzdem unverkennbar zu Kühen, Schweinen, Hühnern, Hunden, Pferd oder Esel.

Das Spiel kann aus 360 Grad beobachtet werden

Die grosse Bühne ist in der Mitte des Altdorfer Saals im Theater Uri angesiedelt. Die 120 Stühle für die Zuschauer sind rundherum wie in einer Arena angeordnet. Mit wenigen Handgriffen verwandeln die Spieler die Holzplatten, die zuerst am Boden liegen, in grosse Boxen. Gespielt wird in alle vier Himmelsrichtungen. Die Jugendlichen sind engagiert bei der Sache. Manchmal macht es einem Angst und Bange, wenn man sie über die Bühne springen sieht. Wenn sich da nur niemand verletzt! Das Spiel reisst mit und beeindruckt.

Die Tiere jammern und klagen. Der Stall werde nie geputzt, und es sei kalt. Der Bauer vernachlässige die Tiere, gebe ihnen zu wenig zu fressen. Doch nicht mehr lange: Die Tiere wehren sich gegen die Unterdrückung des Bauern, der sie ausbeutet. Sie vertreiben ihn von der Farm.

Das Theater der Kantonalen Mittelschule Uri spielt «Farm der Tiere» (Originaltitel: Animal Farm). Die Fabel von George Orwell ist 1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erschienen. Der Roman ist eine Parabel auf die Geschichte der Sowjetunion. Auf die Februarrevolution, die vom Volk getragen wurde, folgte die diktatorische Herrschaft Stalins.

Die Idee zur Geschichte hatte Orwell bereits 1937. Es dauerte aber acht Jahre, bis der Roman erschien. Der Inhalt von «Farm der Tiere» ist aber auch heute noch keineswegs verstaubt. Parallelen gibt es genug mit Blick auf Nordkorea oder Amerika. Die Schüler haben auf Orwells Vorlage eine eigene Erzählweise des immer wiederkehrenden Märchens über Macht und Ohnmacht entwickelt. Sie spielen das Stück in ihrer Sprache, so als würde alles heute, jetzt, passieren.

Schweine bauen eine Gewaltherrschaft auf

Mindestens zu Beginn glauben noch alle an den Erfolg der Revolution. «Wesentlich ist nicht, ob es wahr ist», sagt ein Rabe. «Entscheidend ist nur, ob man daran glaubt.» Allerdings arbeiten die Tiere noch mehr als zuvor. Die Arbeit mache nun aber Freude – schliesslich wird sie fortan zum Wohl aller Tiere geleistet. «Auf eure Eier können wir nicht verzichten», sagt ein Schwein.

Doch auf den Bauern folgen neue Herrscher, welche die Macht an sich reissen. Nach anfänglichen Erfolgen und beginnendem Wohlstand übernehmen die Schweine mit Chef Napoleon die Führung und errichten schliesslich eine Gewaltherrschaft, die schlimmer ist als diejenige, welche die Tiere abschütteln wollten.

Die Leitsätze werden immer mehr verdreht, die anfänglich klaren Regeln, die am Baum sichtbar für alle hängen, verwässern. Die herrschenden Tiere häuten sich und werden immer mehr zu Menschen. Die Kleider werden hübscher und eleganter. Und mit Lippenstift wird nicht gespart. Die Tiere wohnen nun in der Stube des Bauern, schlafen im Bett. Die Situation droht zu eskalieren. Vermeintliche Verräter werden hingerichtet. Bis schliesslich auf einem Schild steht: «Alle Tiere sind gleich, aber einige sind gleicher.»

Schenardi lässt die Schüler aktiv mitwirken

Regie führt Matteo Schenardi. Er setzt auf Kooperation. Die Schüler haben bei den Proben wesentlich zum Theaterstück beigetragen in der Art und Weise, wie sie spielen. Burkart & Pfaffen haben das Bühnenbild geschaffen. Die Jugendlichen haben beim Bau der Bühne Hand angelegt. Auch für das Licht und für den Flyer sind die Jugendlichen selber verantwortlich.

Schenardi versteht es einmal mehr, die Jugendlichen zu packen. «Ich spiele mit den Schülern erstmals einen Klassiker», sagt er. Weil das Thema des Stücks zeitlos sei, habe er die Jugendlichen auch gut motivieren können. «Vor allem in den letzten Tagen vor der Premiere haben alle noch einen Zacken zugelegt. Es macht Freude, mit dieser Truppe zu spielen.»

Das Premierenpublikum von gestern Abend gab sich beeindruckt und zollte dem Ensemble Respekt mit viel Applaus. Offensichtlich ist dem Theater der gute Ruf der vergangenen Produktionen vorausgeeilt. Der Vorverkauf ist sehr gut angelaufen. Drei Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Letzte Billette gibt es an der Abendkasse. Insgesamt sind noch rund 70 Tickets erhältlich.

Hinweis

Nach der gestrigen Premiere wird das Stück noch fünfmal gespielt. Heute Samstag um 16.30 Uhr sowie von morgen Sonntag bis zum kommenden Mittwoch jeweils um 19.30 Uhr im Theater Uri.

Auf der Farm geht die Revolution los. (Bild: Angel Sanchez, Altdorf, 6. April 2017)

Auf der Farm geht die Revolution los. (Bild: Angel Sanchez, Altdorf, 6. April 2017)

Schülerinnen spielen Tiere, eingepfercht in der Kiste. (Bild: Angel Sanchez, Altdorf, 6. April 2017)

Schülerinnen spielen Tiere, eingepfercht in der Kiste. (Bild: Angel Sanchez, Altdorf, 6. April 2017)

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