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ALTDORF: «In Zürich wär’s kaum möglich»

Markus Brülisauer, Leiter des Hauses der Volksmusik, freut sich auf das Festival kommendes Wochenende. Auch wenn der Anlass heuer in einem etwas kleineren Rahmen stattfindet.
Markus Zwyssig
Auch wenn es dieses Jahr keine Festival-Arena mehr gibt, hoffen die Initianten auf gute Stimmung. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf 17. Mai 2014))

Auch wenn es dieses Jahr keine Festival-Arena mehr gibt, hoffen die Initianten auf gute Stimmung. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf 17. Mai 2014))

Interview: Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Beim Volksmusikfestival in Altdorf wird dieses Jahr mit der kleineren Kelle angerührt. Auf dem Lehnplatz gibt es keine Open-Air-Arena mehr. Der Winkel-Platz wird nicht mehr mit einbezogen. Musiziert wird in einem Festzelt auf dem Lehn sowie im Theater Uri, im «Schlüssel»-Saal und im Restaurant Schützenmatt. Markus Brülisauer, Leiter des Hauses der Volksmusik, erklärt, weshalb beim Festival abgespeckt wurde.

Markus Brülisauer, das Volksmusikfestival wird kleiner. Besteht dadurch nicht die Gefahr, dass das Festival an Bedeutung verliert?

Unser Festival ist nicht mehr so gross wie bei den ersten drei Ausgaben, die 2010, 2012 und 2014 stattfanden. Die Verkleinerung schmerzt auch das OK. Hauptgrund dafür ist, dass es schwieriger geworden ist, einen derartigen Grossanlass zu finanzieren. Der Kanton Uri ist reich an Kultur, das heisst aber auch, dass viele bei der öffentlichen Hand, bei Stiftungen und Sponsoren um Unterstützung anklopfen. Insgesamt stehen weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. Das heisst, es wird für alle schwieriger, das benötigte Geld zusammenzubringen. Wir haben Signale von Geldgebern erhalten, dass auch wir nicht mehr mit denselben Mitteln wie früher rechnen können. Daher haben wir uns entschieden, ein bisschen bescheidener zu fahren und dadurch finanziell auf der sicheren Seite zu sein.

Können Sie mit einem abgespeckten Programm, die mit dem Festival angestrebten Ziele überhaupt noch erreichen?

Unser Ziel ist es nicht, das grösste Volksmusikfest der Schweiz zu haben. Das Festival dauert nur noch eineinhalb Tage. Das Programm kann sich aber sehen lassen. Wir bieten am Freitag und Samstag über ein Dutzend unterschiedliche Konzerte an. Wir unterhalten das Publikum fast rund um die Uhr. Es gibt ein grosses Festzelt, wir haben eine Stubetä-Bühne und ein Rahmenprogramm mit Vortrag und Buchvernissage.

Der Markt im Volksmusikbereich ist nicht unerschöpflich. Wird es nach mehreren Austragungen nicht immer schwieriger, sich vom Musikfestival Alpentöne abzugrenzen?

Für mich ist die Abgrenzung kein Problem und ich glaube auch für das Festival Alpentöne nicht. Wir haben ein klares Profil, das sich seit Beginn nicht verändert hat. Wir stellen verschiedenste Volksmusikstile aus unterschiedlichen Regionen der Schweiz vor. Unser Programm soll einen Querschnitt durch das breite Angebot bieten.

Ist die Volksmusik heute weniger gefragt, als noch vor ein paar Jahren?

Nein, eher das Gegenteil ist der Fall. Der Boom dauert weiter an. Volksmusik ist weiterhin sehr lebendig. Es gibt aber neue Angebote. Seit wir 2010 in Altdorf das erste Volksmusikfestival durchgeführt haben, sind neue Festivals entstanden zum Beispiel in Heiden im Appenzellerland. Volksmusik ist weiterhin im Aufwind, gerade auch bei den Jungen. Heute gibt es die Möglichkeit, ein Hochschulstudium in Richtung Berufsvolksmusiker zu machen.

Heisst das, man muss in Zukunft studieren, um Volksmusik spielen zu können?

Nein, ein Studium bietet aber neue Möglichkeiten. Auch die Musikschulen tragen mit ihrem breiten Angebot dazu bei, dass der Standard in der Volksmusik angestiegen ist und vor allem sind die Instrumente qualitativ besser geworden.

Schwyzerörgeli und Handorgel sind beliebt. Wie sieht es bei den anderen Musikinstrumenten aus?

Die Geige hat in der Volksmusik in der Innerschweiz an Boden gewonnen. Blechblasinstrumente werden wieder vermehrt eingesetzt. Auch die Gitarre wird in der Volksmusik öfters gespielt. Schwieriger ist es vor allem, Kinder und Jugendliche für die Klarinette zu begeistern. Die konzertante Ländlermusik im Stile von Jost Ribary, der Kapelle Heirassa oder von Carlo Brunner erlebt momentan doch eher eine Durststrecke. Das Publikum ist mit den Musikanten älter geworden. Der Nachwuchs fehlt in der Volksmusik vor allem bei den Bläsern. Das wollen wir im Auge behalten.

Wie wollen sie Gegensteuer geben?

Wir wollen mit unserem Kurs- und Veranstaltungsprogramm gezielt solche Spezialitäten thematisieren. Wenn wir beispielsweise die «Gupfbuebä» bei uns haben, dann sind plötzlich für einen Kurs zehn Klarinettenspieler im Haus. Das meine ich, wenn ich sage, wir wollen, dass diese Musik nicht vergessen geht. Auch bei unseren Lagern legen wir Wert darauf, dass alle Instrumente angesprochen werden, insbesondere Bläser und Streicher. Klar, damit lösen wir noch keine Massenbewegung aus. Uns ist es aber wichtig, dass wir den Musikanten einen Austausch mit Gleichgesinnten ermöglichen. Wir zeigen ihnen, dass sie keine Exoten sind. Im Gegenteil: Es gibt eine Szene, auch wenn sie klein ist. Wir stellen auch Notenmaterial zur Verfügung. Wir sind immer da, wenn die Musikanten eine Auskunft wollen. Wir verstehen uns als Drehscheibe für die Volksmusik.

Wie wichtig ist das Volksmusikfestival in Altdorf für das Haus der Volksmusik?

Es ist für uns ein Grossanlass, der in die ganze Schweiz ausstrahlen soll. Wir wollen die Volksmusik in der gesamten Bandbreite zeigen, gezielt unser Beziehungsnetz pflegen und weiter ausbauen. Mit dem Festival wollen wir uns auch bei der Bevölkerung von Altdorf in Uri bedanken. Sie hat uns in den vergangenen zwölf Jahren unterstützt. So ein Haus in Zürich aufzubauen, das wäre wahrscheinlich nicht möglich gewesen.

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