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ALTDORF: Iris Ganz: «Jeder sollte Kunst studieren»

Die Kunst hat Iris Ganz’ Dilemma beendet. Ihr Glück teilt die Performerin und Filmemacherin mit anderen Leuten, die bei ihren Kunstwerken mitwirken.
Florian Arnold
Die Urner Künstlerin Iris Ganz vor ihrer Videoinstallation «Akt mit Barke» im Dachstock des Hauses für Kunst in Altdorf. (Bild F. X. Brun)

Die Urner Künstlerin Iris Ganz vor ihrer Videoinstallation «Akt mit Barke» im Dachstock des Hauses für Kunst in Altdorf. (Bild F. X. Brun)

Florian Arnold

Plötzlich schwimmt da ein Boot auf dem Burgseeli oberhalb des Haldis auf gut 2200 Metern über Meer. Wanderer reiben sich die Augen: eine Fata Morgana? Ein Witz? – Nein: Kunst! Hinter der Aktion steckt die Urnerin Iris Ganz. «Wir zogen ein Schiff auf einen Berg und machten dabei Kunst in Form eines Happenings», schreibt sie in einem Begleittext zum Projekt. «Es geht mir um das Erleben einer gemeinsamen Situation, um das Machen und das Schauen, Kunst produzieren und an ihr teilhaben.» Das Boot wurde nicht nur per Helikopter auf den Berg gebracht, sondern zu einem grossen Stück auch mit vereinten Kräften hochgehievt. «Die Haldibergler haben mich mit ihrer Offenheit und ihrem Interesse beim Projekt unterstützt und es so erst realisierbar gemacht», so die Künstlerin.

«Ich hatte dieses idyllische Bergbild in mir, das auch etwas Abenteuerliches in sich trägt», sagt Ganz. Der aufwendige Transport wurde auf Video festgehalten und daraus die Videoinstallation «Akt mit Barke» geschaffen, die zurzeit im Haus für Kunst Uri zu sehen ist. Auf drei Bildschirmen kann man die Aktion aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

Von Kunst abgeraten

Dass sie sich einst der Kunst hingeben würde, ahnte Iris Ganz in ihren Jugendjahren nicht. «Ich habe eine sehr unbeschwerte Kindheit in Uri verbracht, nur die Schulzeit war etwas anstrengend», blickt sie zurück. Mit den vorgegebenen Normen der Schule hatte sie ihre Mühe. Sie sei etwas rebellisch gewesen. «Wenn man nicht so genau formulieren kann, was einem nicht passt, dann ist das schwierig.»

Entgegen den meisten ihrer Kollegen begann die junge Urnerin nach der obligatorischen Schulzeit keine Lehre. Sie jobbte. Es mit Kunst zu versuchen, davon sei ihr abgeraten worden. «Es hat immer geheissen, man müsse so wahnsinnig gut sein, sonst schaffe man es nicht», weiss sie. «Und dann habe ich es doch probiert.»

Mit der Anmeldung an der Kunsthochschule habe sich ihr Leben verändert. Was ihr Umfeld davon hielt, sei ihr egal gewesen. «Ich habe das Plätzchen gefunden, das gut für mich war.» Und sie habe Menschen kennen gelernt, die gleich dachten wie sie. Heute macht die 42-Jährige Kunst nach Lust und Laune. Sie umgebe sich mit viel Kunst und hat erst noch einen Künstler geheiratet. Mit ihrem Mann verwirklicht sie auch Projekte.

Unterschiedliche Akteure am Werk

Videoarbeiten und Performances sind häufige Formen, die Iris Ganz wählt. Als Performerin bringt sie andere Leute dazu, Teil ihrer Kunstwerke zu werden. Jüngst setzte sie auf dem Helvetiaplatz in Bern eine Gruppe Menschen so in Szene, dass am Schluss das Bild eines Elefanten entstand. «Ich arbeite mit dem Publikum», sagt Ganz. Durch ihre Projekte entstünden weitere. So ist denn auch das Projekt auf dem Haldi mit der Videoinstallation noch nicht zu Ende. Denn bei der Aktion lud Ganz unterschiedliche Akteure ein: Fotografen, Soziologen, Zeichner, Künstler, Betrachter, Vermittler, Maler und Texter, die nun ihre Sicht auf den Schiffstransport festhalten und weitere Kunstwerke schaffen. «Das Projekt ist noch lange nicht zu Ende.»

Von ihrer Kunst zu leben, sei nicht möglich, räumt die 42-Jährige ein. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit einem Lehrauftrag an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel, wo sie auch wohnt. Trotz der gemischten Gefühle an ihre Schulzeit, sagt sie mit noch immer deutlich hörbarem Urner Akzent: «Mir liegt sehr viel am Kanton Uri.» Als Künstlerin reise man mit den Projekten mit. Deshalb habe sie auch die Aktion auf dem Haldi angelegt, um wieder mal hier zu arbeiten.

Verständnis für Betrachter

«Die einen finden vielleicht, es sei reine Zeitverschwendung, was ich mache», weiss die Künstlerin. «Das wichtige an meiner Kunst ist aber, dass es eine Auseinandersetzung und Gespräche gibt.» Das zeige auch die Aktion auf dem Haldi, die doch den einen oder anderen schmunzeln oder aufbrausen liess. «Ich möchte einfach verstehen, was die Leute denken, ob sie meine Kunst nun gut finden oder nicht.» Durch Kunst könne man so viel entdecken, auf verschiedene Weisen betrachten und reflektieren. Und so geht denn Iris Ganz so weit, dass sie zum Schluss kommt: «Jeder sollte Kunst studieren. Die Welt wäre dadurch eine bessere.»

HINWEIS

Die Ausstellung des Hauses für Kunst Uri «Dall’altra parte» läuft noch bis zum 28. August. Infos unter www.hausfuerkunsturi.ch

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