ALTDORF: Ist Altdorfer Gasthaus womöglich viel älter?

Der «Lehnhof» stammt aus dem Spätmittelalter. Dies und mehr zeigen nun Untersuchungen einer Archäologin.

Florian Arnold
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Das ehemalige Restaurant Lehnhof in Altdorf. (Bild Florian Arnold)

Das ehemalige Restaurant Lehnhof in Altdorf. (Bild Florian Arnold)

Von der Zapfanlage, dem Parkettboden und den Pissoirs ist mittlerweile nichts mehr zu sehen. Dafür haben die Umbauarbeiten am ehemaligen Restaurant Lehnhof etwas hervorgebracht, was die Herzen von Historikern und Archäologen höher schlagen lässt. «Von der ursprünglichen Bausubstanz aus dem Spätmittelalter ist weit mehr erhalten geblieben, als bisher angenommen wurde», freut sich Archäologin Anette Bieri, die im Auftrag der Abteilung für Natur- und Heimatschutz Uri Untersuchungen durchführt.

In den 80er-Jahren hat die Urner Kunsthistorikerin Helmi Gasser im Buch «Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri» ein Baujahr um 1500 vermutet. Das exakte Baujahr des «Lehnhofs» wird nun Mithilfe von Holzproben bestimmt. Dafür wurden millimeterdünne Bohrkerne entnommen. Unter Umständen ist das Haus sogar noch einiges älter als 513 Jahre.

Veränderung nun nachvollziehbar

Die Arbeit der Archäologin konzentriert sich momentan vor allem auf die Bestandsaufnahme des Hauses. Dazu macht sie Fotografien, zeichnet Pläne und hält ihre Beobachtungen schriftlich fest. «Die Baugeschichte ist viel komplexer, als wir ursprünglich vermutet haben», sagt Bieri. Schon in Helmi Gassers Aufzeichnungen ist beschrieben, dass das Haus aus mehreren Baukernen, also eigenständigen Gebäuden besteht. So ist der nördlichste Teil des Gebäudes ein Blockbau aus Holz auf gemauertem Sockel, während der südlichste Teil aus Stein gebaut wurde. Ein später gebauter Verbindungstrakt besteht ebenfalls aus Stein. «Wie diese zeitlich zueinander stehen, ist noch nicht klar», so die Archäologin. «Das Spannende an diesem Haus ist für mich, dass man vom Sockel bis zum Dach historische Bausubstanz findet», erklärt Bieri. «Es war sicher nie ein bescheidener Bau.» So war der Lehnhof zeitweise in herrschaftlichem Besitz. Ob es sich schon zu Anfangszeiten um eine Gastwirtschaft gehandelt hat, ist nicht klar.

Mit Sicherheit hat das Haus die zwei letzten Altdorfer Dorfbrände von 1693 und 1799 überstanden. Doch auch im Lehnhof hat es mindestens einmal gebrannt. Unter dem Dach sind deutliche Spuren zu sehen. Allerdings muss der Brand wohl rasch unter Kontrolle gebracht worden sein. Vorstellbar ist für die Expertin ein Kaminbrand. Ausser einer verkohlten Oberfläche haben die Balken aber keine grösseren Schäden genommen und tun noch heute ihren Dienst.

Im Streit mit Baukommission

Die Umbauarbeiten laufen noch bis im nächsten Jahr. Noch ist unklar, ob der «Lehnhof» wieder als Gaststätte öffnen wird. Denn noch sind sich Tino Gisler, der Besitzer des Gebäudes, und die Baukommission der Gemeinde Altdorf nicht einig über die Neugestaltung der Gartenwirtschaft. Gisler kündigte gegenüber der «Neuen Urner Zeitung» an, kein Restaurant mehr zu führen, wenn die Umbauten nicht nach seinen Vorstellungen durchgeführt werden könnten.