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ALTDORF: «Kein Plan, wie das Leben funktioniert»

Viele Jugendliche tappen in die Schuldenfalle. Drei Studentinnen der Hochschule Luzern haben nun ein Konzept erarbeitet, wie der Verschuldung bei Kindern und jungen Erwachsenen besser vorgebeugt werden kann.
Philipp Zurfluh
Drei Studentinnen stellten sich am Samstag in Altdorf den Fragen zum Thema Verschuldung.Bild: Philipp Zurfluh (Altdorf, 22. Oktober 2016)

Drei Studentinnen stellten sich am Samstag in Altdorf den Fragen zum Thema Verschuldung.Bild: Philipp Zurfluh (Altdorf, 22. Oktober 2016)

Auf dem Altdorfer Lehnplatz musste man sich als Passant am Wochenende in Acht nehmen. Am Samstagmorgen machten dort drei Kredithaie die Runde. Dabei handelte es sich um verkleidete Studentinnen, die versuchten, ihre faulen Kredite unters Volk zu bringen. Nur wer die Fragen zur Schuldenprävention richtig beantwortete, war vor den Haien sicher. Die Aktion richtete sich vor allem an die junge Generation. Doch diese war um diese Uhrzeit nur sehr spärlich zugegen. So waren es vor allem Erwachsene, die sich informieren liessen.

Für Christine Herrscher von der Fachstelle für Schuldenfragen, die auch vor Ort war, ist dies keine Überraschung: «Das Thema Verschuldung wird bei den Jugendlichen oft tabuisiert.» So würden auch zu ihr in der Beratung mehrheitlich erwachsene Personen kommen. Die drei Studentinnen der Hochschule für Soziale Arbeit in Luzern haben nun versucht, ein Konzept zu erarbeiten, um bessere Angebote für Jugendliche zu bieten. Dabei stehen verstärkte Angebote in den Schulen im Zentrum. Auch die Vernetzung der Schulen mit den Fachstellen soll verbessert werden. Zudem sollen die Eltern von Schülern mehr Informationen erhalten zum Thema Verschuldung.

«Die Kinder lernen oft zu wenig im Elternhaus, wie man mit Geld umgeht», weiss auch Christine Herrscher. So würden materielle Wünsche im Kindesalter meistens erfüllt.

Das neuste Handy und ein geleastes Auto

«Plötzlich kommt der Bruch, wo die Eltern nicht mehr für die Jugendlichen sorgen», erklärt die Schuldenberaterin. Heutzutage seien die Verlockungen für junge Erwachsene gross: ein Handy, ein Auto oder eine zu grosse Wohnung auf Pump, um nur einige Dinge zu nennen. «Sie haben ein Bedürfnis nach Statussymbolen», weiss Herrscher. Dabei würden wichtige Ausgaben wie die Steuern, Krankenkasse oder die Wohnungsmiete zur Nebensache geraten. Ein wichtiger Faktor kommt noch hinzu: «Ich beobachte, dass die Jugendlichen mit Verträgen überfordert sind.» So würden teilweise Verträge unterschrieben, welche die jungen Menschen gar nicht richtig verstünden.

Hoch verschuldet ohne Drogen- und Spielsucht

Die Verschuldung ist teilweise massiv. Beraterin Herrscher erinnert sich an einen typischen Fall, in dem ein junger Mann tief in die Schuldenfalle gerutscht war. «Ein 26-Jähriger meldete sich bei uns. Er hatte 100 000 Franken Schulden», so Herrscher. Er sei weder drogen- noch spielsüchtig, wie sich vielleicht viele Menschen einen stark verschuldeten jungen Erwachsenen vorstellen würden. «Er ist ein ganz normaler junger Mann.»

Mit dem ersten Lohn in der Lehre sei es dann beim 26-Jährigen abwärtsgegangen. Eine eigene Wohnung und ein geleastes Auto mussten her. Dafür nahm der Mann unzählige Kredite auf – und so wurde die Schuldenspirale immer grösser. «Der junge Mann hatte keinen Plan, wie das Leben funktioniert», sagt Christine Herrscher.

Die Beraterin in Schuldenfragen findet es wichtig, dass man nicht erst im jugendlichen Alter mit Geldfragen konfrontiert wird. «Präventionen in der Berufsschule und im Gymi sind oft zu spät», weiss sie aus Erfahrung.

Umgang mit Geld im Kindesalter thematisieren

Für Christine Herrscher ist Umgang und Verantwortung mit Geldfragen nicht nur Aufgabe der Eltern: «Wir wären froh, wenn dieses Thema ein fester Bestandteil in der Schule wird. Das würde präventiv helfen.» Schliesslich würden an den Primarschulen die Gefahren von Social Media vermittelt. Aufklärung zur Verschuldung aber fehlt bis heute im Lehrplan.

Philipp Zurfluh

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