ALTDORF: Keine Hinweise auf Misshandlungen in Uri

Anders als in Luzerner Jugendheimen gibt es gemäss Urner Regierung keine Hinweise auf systematische Missbräuche im Kinderheim Uri zwischen 1930 und den 1960er Jahren. Dies ergab eine Umfrage bei Vormundschaftsbehörden, Altersheimen, Ärzten und Sozialdiensten.

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Die «Kantonale Erziehungsanstalt für arme und verwahrloste Kinder» in Altdorf (später: Kinderheim Uri), aufgenommen um 1900/1910. (Bild: Staatsarchiv Uri)

Die «Kantonale Erziehungsanstalt für arme und verwahrloste Kinder» in Altdorf (später: Kinderheim Uri), aufgenommen um 1900/1910. (Bild: Staatsarchiv Uri)

Der Urner Regierungsrat verzichtet daher auf eine weitergehende systematische Untersuchung, wie er am Donnerstag mitteilte.

Die Rückmeldungen der Befragten hätten keine Hinweise auf Fälle gegeben, bei denen das damals übliche Mass an Strafen deutlich überschritten worden sei. Gemäss Aussagen des heutigen Heimleiters und zweier früherer Heimärzte hätten sich ehemalige Heimkinder eher positiv über die Zeit im Heim geäussert.

Der Bericht eines Sohnes eines ehemaligen Heimkinds liessen nicht ausschliessen, dass es auch in Uri in Einzelfällen zu Gewaltanwendung gekommen sei, teilte die Regierung weiter mit. Die Aussagen würden sich aber nicht überprüfen lassen, da die betroffene Person verstorben sei.

Der Regierungsrat nimmt gemäss Mitteilung weiter Rückmeldungen von ehemaligen Heimkindern oder Angehörigen entgegen. Diese sollen sich an die Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion wenden.

Die Urner Regierung nahm zwei im vergangenen Jahr vorgestellte Berichte zu Missbrauchsfällen in Luzerner Kinderheimen zwischen 1930 und 1970 zum Anlass, Abklärungen im eigenen Kanton zu treffen.

In den Studien des Kantons Luzern und der Katholischen Kirche berichteten 54 ehemalige Heimkinder von fehlender Zuwendung bis hin zu Folter als Strafe wie das Unterwasserdrücken des Kopfes. Mehr als die Hälfte der Befragten berichteten von sexueller Gewalt im Heim. (sda)