ALTDORF: Komponist Jonny Gisler verabschiedet sich

Anlässlich der Montag-Musik-Reihe im Schützenhaus Altdorf tritt der 87-jährige Volksmusikant Jonny Gisler von der öffentlichen Ländler-Bühne ab.

Georg Epp
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Zusammen mit Franz Schmidig am zweiten Akkordeon, Ruedi Zurfluh am Bass und Roger Schmidig am Klavier bot Jonny Gisler (ganz rechts) ein unvergessliches Abschiedskonzert. (Bild: Georg Epp (Altdorf, 16. 1. 17))

Zusammen mit Franz Schmidig am zweiten Akkordeon, Ruedi Zurfluh am Bass und Roger Schmidig am Klavier bot Jonny Gisler (ganz rechts) ein unvergessliches Abschiedskonzert. (Bild: Georg Epp (Altdorf, 16. 1. 17))

Georg Epp

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Wehmütig, ja eher traurig, ist die Tatsache, dass das Konzert vom 16. Januar im Saal vom Schützenhaus Altdorf der letzte öffentliche Auftritt von Jonny Gisler war. Im Alter von 87 Jahren ein über vierstündiges Konzert zu bestreiten, wohlgemerkt ohne Noten und ohne lange Pausen, stellt sogar für jüngere Musikanten eine grosse Herausforderung dar. Daher kann man sehr gut verstehen, dass Jonny Gisler in Zukunft nicht mehr zwei bis drei Stunden täglich üben mag, um seine musikalische und technische Perfektion aufrechtzuerhalten. «Die Finger wollen nicht mehr so recht», meint Jonny ganz bescheiden.

Könner spielen für Kenner

«Könner spielen für Kenner», der Slogan der Organisatoren der Montag-Musik mit Hans Arnold aus Kappel am Albis an der Spitze, trifft bei Ernst Gisler (Künstlername: Jonny Gisler) voll ins Schwarze. Nach den ersten zwei bis drei Takten wird es im Saal still, und über 120 Volksmusikliebhaber und -kenner geniessen die vorgetragenen Melodien. Zusammen mit Franz Schmidig am zweiten Akkordeon, Ruedi Zurfluh am Bass und Roger Schmidig am Klavier sorgte das Quartett für einen unvergesslichen Musikantenabend. Rund 40 Musikstücke, zum Teil auch weniger bekannte Titel, beinhaltete das Konzert. Von über 300 eigenen Kompositionen hörte man am Abschiedskonzert Melodien, die Jonny seiner Frau Claire, seinen Kindern und seinen Enkelkindern wie auch vielen anderen Personen gewidmet hat. In einer Zusatzrunde unterstützten Sebi Heinzer mit Klarinette und seine Tochter Nadia am Klavier die Formation von Jonny.

Als langjähriger Freund und Musikerkollege lies Sepp Inderkum, ehemaliger Wirt vom Hotel Tiefenbach am Furkapass, viele interessante Stationen aus dem Leben von Jonny Gisler nochmals Revue passieren.

Künstlername hat er beim Boxen bekommen

Wer hätte gedacht, dass Jonny, der Mann der feinen Melodien, in jungen Jahren eine Boxerkarriere in Angriff nahm? Aus dieser Zeit stammt übrigens der Künstlername «Jonny Gisler». Erstaunt vernimmt man auch, dass Jonny im Schwingen einen späteren Schwingerkönig besiegte und Tatsache ist, dass er später in Schattdorf Urner Schützenkönig wurde. Mit der Komposition «Danke Josef», bedankte sich Jonny Gisler bei Sepp Inderkum für die langjährige Musikantenfreundschaft.

Am Ende des Konzertes stand das Publikum auf und bedankte sich mit einem fast nicht enden wollenden Applaus bei Jonny Gisler und seinen Musikanten, im Wissen, dass es das letzte öffentliche Konzert war.