ALTDORF: Korporation modernisiert Gesetz

Die traditionelle Urner Korporationsgemeinde war am Sonntag bereits nach 40 Minuten beendet. Die Bürger hiessen die komplexe Änderung des Bodenverbesserungsgesetzes mit grossem Handmehr gut.

Elias Bricker
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Uristier Bernhard Walker beim feierlichen Einzug. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 7. Mai 2017))

Uristier Bernhard Walker beim feierlichen Einzug. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 7. Mai 2017))

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Am Sonntag fand auf den Lehnplatz in Altdorf die Korporationsgemeinde statt, eine traditionelle Angelegenheit. Alle zwei Jahre, immer am ersten Sonntag im Mai, kommen die Urner Korporationsbürger im Ring zusammen – so wie früher an der Landsgemeinde – und beraten aktuelle Geschäfte.

Der traditionelle Einzug mit der Feldmusik Altdorf und der Urner Harstgruppe gehört dabei ebenso dazu wie das von der Korporation offerierte Mittagessen im Anschluss.

Keine Wortmeldungen zur komplizierten Vorlage

Auf der Traktandenliste standen Wahlgeschäfte (siehe Box) sowie eine Gesetzesänderung. Die Korporationsgemeinde dauerte aber lediglich 40 Minuten. Wortmeldungen aus der Versammlungsmitte gab es nicht. Vielleicht wollten die Bürger die Versammlung im Regen nicht künstlich in die Länge ziehen. Oder vielleicht lag dies auch an der Vorlage selber. Denn die traktandierte Änderung des Gesetzes betreffend «Bodenverbesserung auf Allmend» war derart komplex und kompliziert, dass da wohl die wenigsten Bürger den Durchblick hatten – es sei denn, sie seien selber Älpler oder Landwirte und müssen sich berufsbedingt regelmässig mit Sömmerungsbeiträgen und Subventionsverordnungen herumschlagen. So wurde die Gesetzesänderung schliesslich denn auch mit grossem Handmehr angenommen.

Bund übernimmt heute einen Teil der Kosten

Doch um was ging es bei dieser Vorlage überhaupt? Älpler und Tierbesitzer, die im Sommer Vieh auf Korporationsalpen und Heimkuhweiden treiben, müssen auf der Alp respektive auf der Heimkuhweide bei den jährlichen Verbesserungsarbeiten mithelfen. Dazu gehört etwa das Zusammenlesen von Steinen («Scheenä»), das Mähen von Unkraut oder das Zurückschneiden von Sträuchern. Älpler und Tierbesitzer müssen dabei pro aufgetriebene Grossvieheinheit unentgeltlich drei so genannte Schwendstunden leisten.

Wird mehr gearbeitet, bezahlt die Korporation den jeweiligen Personen 15 Franken pro Stunde aus. In den vergangenen Jahren wendete die Korporation dafür im Schnitt rund 180'000 Franken auf.

Das Gesetz ist mehr als hundert Jahre alt

Mit der Änderung des entsprechenden Gesetzesartikels wird nun aber genau unterschieden, welche Arbeiten als Schwend- und welche als Infrastrukturarbeiten gelten. «Damit passen wir das Gesetz der heutigen Praxis an», erläuterte Peter Ziegler, Vizepräsident und Weidchef der Korporation Uri, an der Versammlung. Denn inzwischen kommt der Bund mit einem Anteil des Sömmerungsbeitrages für die Infrastrukturarbeiten auf. Die Korporation will folglich nur noch die Schwendarbeiten entschädigen. Der Unterhalt von Gebäuden, Wasserleitungen, Wegen oder Brunnen soll neu unter die so genannten Infrastrukturarbeiten fallen. Die Korporation unterstützt aber ausserordentliche Unterhaltsarbeiten an Strassen und Wegen, etwa nach einem Unwetter, auch weiterhin finanziell. Mit den Präzisierungen im Gesetz will die Korporation unter anderem auch allfälligen Missbrauchsfällen vorbeugen. «Für die Älpler ändert sich damit nicht viel», betonte Ziegler. «Doch der administrative Aufwand wird für sie sicher ein bisschen kleiner.»

Zudem stammte das bisherige Gesetz in seinen Grundsätzen aus dem Jahr 1904. Darin war auch noch festgehalten, dass die Korporation Uri das «Einfrieden von gefährlichen Stellen» finanziell unterstützt. Doch das Einfrieden, also das Bauen von Steinmauern im Gelände, ist im Zeitalter von Elektrozäunen längst kein Thema mehr. Deshalb wurde auch dieser Absatz aus dem Gesetz gestrichen.

Der Weidchef ist jetzt erleichtert

Die am Sonntag genehmigte Änderung ist aber eigentlich bereits seit einiger Zeit Realität. Denn die Korporation liess die neue Regelung während dreier Jahre in der Praxis testen. «Wir haben dabei grossmehrheitlich sehr gute Erfahrungen gemacht», bilanzierte Weidchef Ziegler.

Dennoch war die Vorlage in der Detailberatung im Korporationsrat anfänglich heftig umstritten und wurde dabei auch einmal zurückgewiesen – auch wenn der Engere Rat immer wieder betonte, dass es sich dabei nicht um eine Sparübung handle. Deshalb war Ziegler erleichtert, dass die Vorlage ohne Opposition durchgewinkt wurde. «Ich hätte nicht gedacht, dass dies ohne Gegenstimmen über die Bühne geht», sagte er im Anschluss.

Korporationspräsident Rolf Infanger verglich die Korporation in seiner Rede, in der er auf die Urner Stein- und Wasserressourcen einging, zudem mit einem «Steinmandli». Und die genehmigte Vorlage sei wie ein Stein davon. «Manchmal muss man den Stein zwei oder drei Mal anschauen und kehren, bis er passt.»