ALTDORF: «Kunst, die nur provoziert, ist billig»

Der ehemalige Nationalrat Franz Steinegger hat ein differenziertes Bild von der Kunst. Er befürwortet eine breite Förderung, schlägt aber auch kritische Töne an.

Markus Zwyssig
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In der aktuellen Ausstellung om Haus für Kunst Uri drehen sich ausgestopfte Raubtiere um die eigene Achse. (Bild: PD)

In der aktuellen Ausstellung om Haus für Kunst Uri drehen sich ausgestopfte Raubtiere um die eigene Achse. (Bild: PD)

Alt Nationalrat Franz Steinegger hat die Schweizer Politik jahrzehntelang mitgeprägt. Der 71-jährige Flüeler Jurist war unter anderem Nationalrat und Präsident der FDP Schweiz. Grosse Aufmerksamkeit erhielt er als Retter der Landesausstellung Expo und als Krisenmanager bei den Urner Naturkatastrophen 1977, 1987, 1999 und 2005. Diesen Einsätzen verdankt er den landesweit bekannten Übernamen Katastrophen-Franz. Am Donnerstag begab er sich auf einen Kunstrundgang durch die neue Ausstellung «Better safe than sorry» im Haus für Kunst Uri. Kunstvermittlerin Lotti Etter zeigte Franz Steinegger die Werke des Künstlerduos Pascale Wiedemann und Daniel Mettler. Eine gute Gelegenheit, um sich mit ihm über Kunst und Politik zu unterhalten.

Franz Steinegger, welche Kunst hängt bei Ihnen zu Hause?

Steinegger: Bei uns hängt ein Spiegel des Zermatter Künstlers und Architekten Heinz Julen. Wir haben ein Bild eines südfranzösischen Künstlers, das ich mir nach einem Referat bei einer Bank aussuchen durfte. Von der NZZ habe ich eine Karikatur von mir erhalten. Auch ein Bild von der Expo 02 mit allen Arteplagen ist mir geschenkt worden. Zudem hängt da noch ein kleines Uristier-Shirt. Das war ein Dankeschön dafür, dass ich an der Expo mit einem Leibchen meines Heimatkantons aufgetreten bin.

Bei den Steineggers gibt es also reichlich Kunst. Haben Sie überhaupt Platz für alles?

Steinegger: Nein, viele Bilder sind bei uns irgendwo gelagert. Wir kaufen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Manchmal handelt es sich um eine ganze Serie. Wir schauen erst nach dem Kauf, wo wir etwas Neues aufhängen könnten. Ab und zu kann man ja ein Bild auswechseln.

Wie stark soll sich Politik in die Kunst einmischen?

Steinegger: Am besten gar nicht. Man darf aber eine gewisse Qualität verlangen. Billig finde ich es, wenn die Kunst nur provozieren will. Das war ein beliebtes Stilmittel in den Sechziger-, Siebziger- und allenfalls noch in den Achtzigerjahren. Heute sind reine Provokationen aber out, sie sind subtiler geworden. Auch bei der Expo 02 haben wir uns Gedanken über dieses Stilmittel gemacht. Aber Politiker bringen nicht unbedingt die Fähigkeit mit, Kunst zu beurteilen. Dafür gibt es andere Fachleute.

Was halten Sie von Politikern, die selber zum Mäzen werden?

Steinegger: Das finde ich sehr gut. Wünschen würde ich mir, dass es nicht nur Sammelleidenschaft ist, sondern dass damit auch aktuelle Kunst unterstützt wird. Ich schmunzle manchmal, wenn ich sehe, dass Ferdinand Hodlers Werke heute teuer verkauft werden. Einer seiner Künstlerkollegen malte zur Landesausstellung 1914 ein grünes Pferd. Das wurde heftig kritisiert. Hodler hat damals seinen Kollegen verteidigt. Er wurde dafür von allen nur belächelt. Heute wird Hodler in ähnlichen Kreisen bejubelt. So ändert sich eben der Zeitgeist. Daher soll auch aktuelle Kunst unterstützt werden.

Welche Kunst sprechen Sie an?

Steinegger: Ich befürworte eine Förderung der Kunst in der ganzen Breite. Für mich gehört auch die Volkskunst dazu. Da liegt mir mein Sohn im Ohr. Er sagt immer, jede Oper werde unterstützt. Für Open Airs gäbe es aber kaum Geld.

Wie viel Geld soll in die Förderung fliessen?

Steinegger: Das würde ich nicht an einem bestimmten Prozentsatz fixieren. Je nach Möglichkeiten soll man sich relativ grosszügig geben. In Uri werden Kunst und Kultur sehr stark gefördert. Der Kanton lebt aber auch vom Mäzenatentum, insbesondere eines Max Dätwyler. Ich staune, was in Uri alles passiert. Das Haus für Kunst ist ein Vorzeigebeispiel. Wegen der grossen Konkurrenz ist es aber nicht einfach, das Haus zu bespielen. Die Kunsthäuser gefährden sich gegenseitig. Ausserdem besteht die Gefahr, dass Ausstellungen einen Museumscharakter erhalten. Doch das ist im Haus für Kunst Uri zum Glück nicht der Fall.

Wie halten Sie denn von der neuen Ausstellung im Haus für Kunst Uri?

Steinegger: Ich habe sie bereits zweimal gesehen. Nach dem ersten Besuch musste ich die Werke auf mich wirken lassen. Jetzt, beim Kunstrundgang, habe ich festgestellt, dass die Ausstellung mit einer zurückhaltenden Art auf Problematiken aufmerksam macht. Auch Humor ist dabei.

Welche Art von Kunst gefällt Ihnen persönlich?

Steinegger: Ich bevorzuge Malereien. Wenn ich mir neue Kataloge von Galerien und Auktionshäusern anschaue, habe ich manchmal Mühe mit den Angeboten. Es gibt zwar tolle Sachen, aber immer überzeugt mich die Qualität nicht. Vor kurzem schaute ich mir wieder einmal die Bilder von Heinrich Danioth an. Wenn ich diese Arbeiten vor Augen habe, frage ich bei vielen anderen Künstlern, ob sie diese Qualität erreichen. Generell habe ich gewisse Probleme mit Installationen. Die sind mir zu kopflastig.

Hat Kunst mit Können zu tun?

Steinegger: Ja, das finde ich wichtig. Manchmal sind viele Ideen da, aber es fehlt am Handwerk.

Es ist ruhiger geworden um Franz Steinegger. Haben Sie nun im Pensionsalter die Musse, selber zum Maler zu werden?

Steinegger: Nein, dafür bin ich zu wenig begabt. Während meiner ganzen Zeit im Kollegi habe ich immer nur einen Löwenkopf gemalt. So habe ich wenigstens die Note Fünf erreicht. Mir liegt eher das Schreiben. Es gibt da bereits eine Idee für ein kleineres Projekt.

Worum geht es?

Steinegger: Um ein Sachbuch über das Gruontal in Flüelen. Botanisch, geologisch und forstlich ist das Gebiet sehr interessant. Die Wasserbautechnik ist von nationaler Bedeutung. Momentan fehlt mir aber noch die Zeit, all dies aufzuschreiben.

Hinweis

Die Ausstellung «Better safe than sorry» im Haus für Kunst Uri ist jeweils donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 24. August.