Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

ALTDORF: Lehrabschluss-Feier: Begeisterung, Ehrgeiz und Wille

79 junge Männer und Frauen erhielten das Eintrittsticket ins Berufsleben. Bildungsdirektor Beat Jörg machte deutlich, dass es nicht nur Werte gibt, die man mit den Händen greifen kann.
Florian Arnold
Sie konnten sich gestern im Theater Uri feiern lassen: die 79 jungen Berufsleute. (Bilder: Urs Hanhart (Altdorf, 26. Juni 2017))

Sie konnten sich gestern im Theater Uri feiern lassen: die 79 jungen Berufsleute. (Bilder: Urs Hanhart (Altdorf, 26. Juni 2017))

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Gespannte Stimmung am Montagabend auf der Bühne des Theaters Uri. Denn die 79 jungen Automobilfachleute und -mechatroniker, Bekleidungsgestalterinnen, Elektroinstallateure, Fachfrauen Gesundheit sowie Maurer konnten nicht nur ihre Zeugnisse in Empfang nehmen. Gestern wurde auch zum ersten Mal der Urner Lehrlingspreis vergeben, welcher vom Dachverband Wirtschaft Uri lanciert worden war.

René Röthlisberger, Präsident von Wirtschaft Uri, war es vorbehalten, diese Auszeichnung für die beste Lehrabschlussprüfung zu überreichen. Ziel des Preises sei es, das erfolgreiche duale Bildungssystem zu stärken, wofür sich der Dachverband explizit einsetzt. Die über 2500 Betriebe und ihre 18000 Beschäftigten in Uri seien der Motor und das Fundament der Wirtschaft. Uri belege schweizweit einen Podestplatz, was die Ausbildungsbereitschaft betreffe. Dies beweise eine Durchfallquote von unter 5 Prozent sowie eine sehr geringe Anzahl von Lehrvertragsauflösungen.

Das Geheimrezept für einen Preis

Um unter den sehr guten Absolventen zu den Preisträgern zu gehören, sei Begeisterung für den Beruf wichtig. Zum andern gehörten Ehrgeiz, Wille und Disziplin dazu, so Röthlisberger. «Ohne Durchhaltewillen und Kämpferherz läuft im heute globalisierten und hektischen Umfeld nichts mehr.»

Zur Premiere des Urner Lehrlingspreises konnten gleich zwei junge Frauen aufgerufen werden. Die besten Lehrabschlüsse 2017 absolvierten die Fachangestellten Gesundheit Lara Gamma und Julie Bütikofer. Beide haben sie die Ausbildung beim Kantonsspital Uri absolviert. Der Preis ist dotiert mit 1000 Franken.

Einen Einblick in seine Lehrzeit gab der neu diplomierte Elektroinstallateur Fabian Ziegler. Die Lehre sei ganz ähnlich verlaufen wie die Entstehung eines Neubaus. Am Anfang sehe man nicht, was aus dem leeren Bauplatz werden soll. Danach werde in den ersten Wochen das Fundament gelegt. «Wenn das nicht sauber gemacht wird, ist es schwierig, ein Haus zu bauen», so der junge Urner. Schliesslich würde Stock für Stock erstellt. Vor der Inbetriebnahme gäbe es Testläufe, ehe schliesslich die Baukontrolle – respektive die Lehrabschlussprüfung – durchgeführt werde. Rückschläge könnten mit Mehraufwand wieder gutgemacht werden. Und die Kollegen seien auf der Baustelle wie in der Berufslehre wichtige Stützen. Rückblickend habe er sicher mehr bessere als schlechtere Erinnerungen an die Lehrzeit.

Fleischbeutel mit Wissen und Können gefüllt

Bildungsdirektor Beat Jörg schlug in seiner Festrede für einmal religiöse Töne an. Er erzählte eine Geschichte, die sich vor einigen hundert Jahren im deutschen Städtchen Dinkelsbühl zugetragen haben soll. Ein armer Mann habe sich dort mit einem Fleischbeutel auf die Suche nach Essen gemacht. Den Beutel füllte er mit fünf Vaterunser. Einem Metzger, der den Armen zuerst hochnehmen wollte, sei es schliesslich nicht gelungen, genügend Fleisch auf die Waage zu legen, um es mit dem geheimnisvollen Beutel aufzuwiegen. Die fünf Vaterunser waren somit schwerer als alles Fleisch, das dem Metzger zur Verfügung stand. Wie viel die fünf Vaterunser wirklich wogen, habe man nie erfahren, so Jörg. «Die fromme Geschichte will uns sagen, dass es auf der Welt nicht nur Werte gibt, die wir mit unseren Händen greifen können, sondern auch ganz bedeutende immaterielle Errungenschaften», sagte der Bildungsdirektor. «Am heutigen Tag können wir genau so eine immaterielle Errungenschaft feiern.» Die jungen Berufsleute hätten ihren Fleischbeutel in den vergangenen Jahren mit Wissen und Können gefüllt. Dies sei nicht immer so einfach gewesen, wie fünf Vaterunser aufzusagen – obwohl vielleicht das eine oder andere Stossgebet gen Himmel nötig gewesen sei. «Lernen bedeutet auch harte Knochenarbeit, und diese Arbeit haben Sie geleistet. Von Aufgabe zu Aufgabe, von Prüfung zu Prüfung, von Woche zu Woche und von Jahr zu Jahr.»

Was in der frommen Geschichte das Fleisch darstellte, seien bei der beruflichen Grundausbildung die Möglichkeiten, im Erwerbsleben solid Tritt zu fassen und ein Leben lang ein gutes Auskommen zu finden, erklärte Jörg. Er appellierte an die jungen Berufsleute, nach ihren Wanderjahren auch an den Kanton Uri zurückzudenken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.