ALTDORF: Leiter Bauabteilung: «Der Wakker-Preis spornte uns an»

Vor zehn Jahren wurde Altdorf eine besondere Ehre zuteil. Die Auszeichnung hat den Urner Hauptort in der ganzen Welt bekannt gemacht und wirkt bis heute nach.

Markus Zwyssig
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Toni Arnold, Leiter der Bauabteilung, vor der neuen Turn- und Sportanlage Hagen in Altdorf. Unten ein Ausriss des damaligen Zeitungsartikels zum Gewinn des Wakker-Preises. (Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 24. 1. 2017))

Toni Arnold, Leiter der Bauabteilung, vor der neuen Turn- und Sportanlage Hagen in Altdorf. Unten ein Ausriss des damaligen Zeitungsartikels zum Gewinn des Wakker-Preises. (Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 24. 1. 2017))

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Das Telldenkmal, markante Gebäude, Gassen und Mauern: Bilder von Altdorf wurden vor zehn Jahren in die ganze Welt hinausgetragen. In der Hauptausgabe der «Tagesschau» hatte der Urner Hauptort einen prominenten Auftritt. Insgesamt erschienen in Zeitungen und Zeitschriften 250 Artikel. 12 Millionen Besucher schauten sich auf 100 verschiedenen Internetseiten die Beiträge an. Sogar in Japan wurde darüber berichtet, dass Altdorf den Wakker-Preis erhalten hat. Die Fluggesellschaft im Land der aufgehenden Sonne stellte den Urner Hauptort in einem Bord-Magazin vor. Zahlen und Fakten zum Wakker-Preis-Jahr wurden in einem Bericht festgehalten.

Für Altdorf begann 2007 mit einem Paukenschlag. Der Schweizer Heimatschutz (SHS) gab bekannt, dass der Urner Hauptort den Wakker-Preis erhält. Die Gemeinde Altdorf erhielt den Preis «für seine klare, landschaftsverträgliche Raumentwicklung und die erstaunliche Vielzahl gelungener Neubauten und Sanierungen». Als beispielhaft wurden die Erweiterung der Schulanlage St. Karl, die Renovation des Suworow-Hauses und die Sanierung der historischen Natursteinmauern bezeichnet.

Werbung ist 1,5 Millionen Franken wert

«Das waren ‹good news› im besten Sinne des Wortes», blickt Toni Arnold, Leiter der Bauabteilung, zurück. «Der Preis kam für uns unerwartet.» Aber sehr gerne habe man diesen entgegengenommen und sich ausserordentlich gefreut, war er doch beste Werbung für Altdorf und viel Geld wert. Die Gemeinde Köniz, Wakker-Preis-Trägerin im Jahre 2014, hat errechnet, dass die mit der Auszeichnung verbundene Publizität einem Werbebetrag von 1,5 Millionen Franken entspricht.

«Der Preis brachte uns viele zusätzliche Besucher», so Arnold. Fachverbände, Kommissionen und Gemeinderäte aus der ganzen Schweiz besuchten den Urner Hauptort. Sogar chinesische Architektur- und Design-Studenten wurden in Altdorf auf einem Rundgang geführt. Firmen auf einem Betriebsausflug oder Kinder auf der Schulreise: vermehrt wurde der Urner Hauptort als Ziel gewählt. Und auch heute noch werden Wakker-Preis-Führungen angeboten.

Arnold arbeitet seit bald 30 Jahren auf der Bauabteilung. «Der Preis war eine Bestätigung für unsere Arbeit», so Arnold. Im Urner Hauptort habe man schon immer Wert auf das Dorfbild gelegt. «Der Wakker-Preis spornte uns zusätzlich an.» Zehn Jahre später zieht Arnold ein positives Fazit. «Wir haben die Publizität genutzt und am Image gefeilt», so der 57-Jährige. «Dank der Auszeichnung können wir vermehrt Einfluss nehmen, wie sich der Dorfkern entwickelt.»

Die Gemeinde Altdorf setzt vor allem auch auf Architekturwettbewerbe. «Private unterstützen wir bei der Planung und Ausschreibung ebenfalls», so Arnold. Der Einsatz trägt offensichtlich Früchte. «Es sind in Altdorf ein paar gute Sachen entstanden», gibt sich der gelernte Architekt überzeugt. Für Toni Arnold ist die Turn- und Sportanlage Hagen ein positives Beispiel. Er ist überzeugt, dass sich der Wettbewerb mit über 80 Architekturbüros gelohnt hat. Ebenfalls sehen lassen könne sich die Neuüberbauung Pro Familia. Als positive Beispiele erwähnt Arnold das Heilpädagogische Zentrum mit der speziellen Holzfassade, die Neugestaltung des Gartens im Kloster St. Karl, das sanierte Kaufhaus Türmli, das renovierte Von-Roll-Haus und die Erweiterung des «Plätzlis». Viel Lob hat Arnold für die Dätwyler-Stiftung. «Der Uristiersaal wurde sehr subtil saniert», so Arnold. «Auch das Hauptgebäude an der Gotthardstrasse sorgt dafür, dass der Eingang zum Urner Hauptort einen guten Eindruck macht.»

Die Mauersanierungen werden finanziell immer noch unterstützt. Damit das Dorfbild zur Geltung kommt, arbeitet man in Altdorf seit Jahrzehnten an einem Verkehrskonzept. «Die neue West-Ost-Verbindung mit den flankierenden Massnahmen wird Altdorf eine deutliche Entlastung bringen», ist Arnold überzeugt.

Es läuft nicht immer ohne Konflikte ab

Toni Arnolds Arbeit ist nicht immer einfach. Nicht alle wollen oder können nachvollziehen, was von den zuständigen Gemeindeinstanzen beschlossen wird. «Es hat Vor- und Nachteile, wenn man sich kennt», sagt Arnold. Es gelte, das öffentliche gegen das private Interesse abzuwägen. Farben, Fenster, Dachfenster müssten ins Dorfbild passen. Im Kern von Altdorf bestehen klare Vorschriften für Wohnungen und Gewerberäumlichkeiten.

Wenn Arnold auf seine Arbeit zurückschaut, hat sich seit Beginn einiges verändert. Die Entwicklung in Altdorf war enorm. «Das Bauvolumen hat sich praktisch verdoppelt», so Toni Arnold. Die Einwohnerzahl hat sich aber im gleichen Zeitraum kaum vergrössert. Das deshalb, weil immer weniger Personen in einem Haushalt leben.

Hinweis

In der Rubrik Uri damals blickt unsere Zeitung zurück, was den Kanton einst beschäftigt hat. Sie spricht mit Zeitzeugen, besucht die Originalschauplätze, analysiert die Entwicklung und beleuchtet, was aus den Schlagzeilen von damals geworden ist.