ALTDORF: Lernproblemen auf der Spur

Eine neue Praxis will Kindern mit Lernschwierigkeiten helfen. Das Angebot will keine Konkurrenz darstellen. Es soll die vorhandenen Fachstellen ergänzen.

Drucken
Teilen
Djana Albert (rechts) und ihre Schwester Tanja besprechen einen neuropsychologischen Test. (Bild Markus Zwyssig)

Djana Albert (rechts) und ihre Schwester Tanja besprechen einen neuropsychologischen Test. (Bild Markus Zwyssig)

Markus Zwyssig

Schulpsychologischer Dienst, Integrierte Förderung, Legasthenie- und Logopädie-Unterricht: Wenn Kinder und Jugendliche Schwierigkeiten in der Schule haben, steht ihnen ein breites Hilfsangebot zur Verfügung. Trotzdem ist damit nicht alles abgedeckt. Wer bisher aber eine Kombination aus medizinischer und psychologischer Behandlung suchte, der musste Fachstellen in anderen Kantonen aufsuchen.

Nach Ursachen suchen

Jetzt aber ändert sich das. Am Lehnplatz 8 in Altdorf gibt es neu die Praxis Lernfreude. Betrieben wird sie von den beiden Schwestern Djana und Tanja Albert. Sie sind in Altdorf aufgewachsen. Dr. Djana Albert ist promovierte Neuropsychologin. Sie hat in verschiedenen Spitälern als Fachperson gearbeitet. Ihre Erfahrungen gibt sie auch in Referaten an der Universität weiter. Nun ist sie in den Kanton Uri zurückgekehrt. «Ich will Kindern und Jugendlichen da helfen, wo ich aufgewachsen bin», sagt Djana Albert. Ihre Schwester Tanja bringt eine reiche Erfahrung als Lehrerin auf allen Stufen von der 1. Primarklasse bis zum 10. Schuljahr mit.

«Unser Angebot ist eine Ergänzung zu den bereits bestehenden», sagt Djana Albert. «Ziel unserer Praxis ist es, die Ursachen für Lernschwierigkeiten und Verhaltensprobleme zu erkennen.»

Vielfach würden bei den Fachstellen nur die Symptome bekämpft. So tut es etwa die Schulpsychologie. Die Neuropsychologie hingegen sieht sich als Schnittstelle zwischen Psychologie und Medizin. Sie befasst sich mit komplexen Hirnfunktionen wie Gedächtnis, Sprache, Wahrnehmung, räumlich-konstruktive Fähigkeiten, Konzentration und Aufmerksamkeit sowie mit Leistungs- und Motivationsproblemen.

Kind individuell fördern

«Nach ausführlichen Abklärungen stellen wir ein Förderprogramm zusammen, das individuell auf das Kind und seine Stärken zugeschnitten ist», sagt Tanja Albert. Die Lehrerin kennt sich mit Kindern aus, die in der Schule Schwierigkeiten haben. Sie hilft in der Praxis bei den Lernprogrammen mit. «Wir wollen den Kindern etwas mitgeben», sagt Tanja Albert. «Das wichtigste ist dabei, dass die Mädchen und Buben wieder Freude am Lernen haben. Denn nur wer sich wohl fühlt, kann richtig lernen», ergänzt Djana Albert.

So werden Trainings angeboten, um Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration, Rechen-, Lese- und Rechtschreibeleistung zu verbessern. Auch Kinder mit Trisomie 21 oder körperlichen Beeinträchtigungen werden ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert.

Die Praxis will allen helfen, die Probleme in der Schule haben und den Anforderungen nicht gewachsen sind. Sie richtet sich auch an Kinder mit einer Hirnverletzung oder Hirnerkrankung – beispielsweise nach einem Sportunfall – oder an Mädchen und Buben, die an Epilepsie leiden.

Wissen, wie das Problem heisst

In der Praxis Lernfreude werden neuro- und entwicklungspsychologische Untersuchungen durchgeführt, um individuelle Stärken und Schwächen zu erfassen. Je früher ein Problem erkannt werde, desto besser sei das sowohl für das Kind als auch für die Eltern, sagt Djana Albert. «Manchmal hilft es schon, wenn man weiss, wie das Problem heisst, das das Kind hat.» Die Praxis bietet auch Lerncoachings an. Nicht nur die Kinder, sondern alle beteiligten Personen wie Eltern, Lehrer oder Therapeuten werden beraten. Auf Wunsch wird auch eine entsprechende Weiterbildung angeboten. Die Praxis Lernfreude in Altdorf ist eine neutrale Stelle. Die Kosten werden jedoch nicht von der Krankenkasse bezahlt, sondern müssen selber berappt werden.

Zusammenarbeit wichtig

In der Praxis Lernfreude können nicht alle Probleme gelöst werden. Daher arbeitet die Praxis auch mit anderen Fachstellen und insbesondere mit Haus- und Fachärzten zusammen. Falls es nötig ist, werden die Kinder an andere Fachpersonen weiterverwiesen.

Nach Unfällen ist es wichtig, den längerfristigen Verlauf im Auge zu behalten. «Oftmals wird zum Beispiel nach einer Hirnerschütterung zu wenig darauf geachtet, ob sich die Leistungen oder das Verhalten des Kindes verändern», sagt Djana Albert. Bei schwereren Hirnverletzungen wie Schädelhirntraumata sei es wichtig, Mädchen und Buben in der Schule über eine längere Zeit zu begleiten.

Djana Albert weiss, wie wichtig eine richtige Diagnose ist. «Oftmals heisst es zu Unrecht, jemand leide an ADHS.» Die Kinder seien dann abgestempelt und würden das falsche Etikett mit sich herumtragen. «In der Tat kann aber die vordergründige Aufmerksamkeitsproblematik oder die Hyperaktivität eine andere Ursache haben.» Der Grund für Auffälligkeiten könne zum Beispiel auch in einer verzögerten Sprachentwicklung sowie einer Über- oder Unterforderung liegen. «In unserer Praxis soll das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehen», sagt Djana Albert. «Dem Kind zu helfen, das ist das A und O unserer Arbeit», ergänzt Tanja Albert.

HINWEIS
Am Samstag, 28. März, findet von 10 bis 12 Uhr in der Praxis Lernfreude am Lehnplatz 8 in Altdorf (bei der Metzgerei Ulrich im 1. Stock) ein Informations-Morgen statt. Dabei kann man sich kostenlos und unverbindlich über das Angebot informieren.