ALTDORF: Maler zeigte neue Perspektiven auf

Ab Freitag sind in der Kleingalerie Müller Bilder von Rudolf Stüssi zu sehen. Nebst Werken aus Altdorf wird auch eine brandneue Serie Ölbilder gezeigt.

Markus Zwyssig
Drucken
Teilen
In Rudolf Stüssis Bild scheint ein forsch auftretender Tell das Theater Uri zum Beben zu bringen. (Bild: PD)

In Rudolf Stüssis Bild scheint ein forsch auftretender Tell das Theater Uri zum Beben zu bringen. (Bild: PD)

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Die Kirche St. Martin, das Kapuzinerkloster, das Theater Uri oder das Haus für Kunst: All die bekannten Häuser von Altdorf scheinen aus den Fugen geraten zu sein, kommen ins Wanken, und es ist, als würden sie sich bewegen und tanzen. Auch Tell und sein Sohn Walterli steigen wohl demnächst vom Denkmal.

Die Bilder sind ein untrügliches Zeichen, dass Rudolf Stüssi wieder einmal in der Kleingalerie Müller in Altdorf ausstellt. Am Freitag findet die Vernissage statt. Stüssi kennt die perspektivische Malerei nicht nur sehr gut, er hat sie an der Kunstschule in Toronto selber unterrichtet. Er ist nicht interessiert an fotorealistischer Malerei. Spannender findet er es, Bilder zu malen, die es in der Realität nicht gibt.

Weit gereist und vielseitig interessiert

In der neusten Ausstellung von Rudolf Stüssi in der Kleingalerie Müller in Altdorf sind Ölbilder und Aquarelle zu sehen. Bilder aus Altdorf bilden einen Schwerpunkt. Vieles auf den Bildern scheint vertraut, wirkt aber in der vom Künstler gezeichneten Perspektive ungewohnt, irgendwie befremdend. Zu sehen ist aber auch der Anfang einer brandneuen Serie Ölbilder mit dem Namen Figuratur, die schliesslich etwa 20 Bilder umfassen wird. Figuratur versucht, autobiografische Standorte und Erlebnisse durch eine eigenartige Kombination von Figur und Architektur und einer rahmensprengenden Ausführung mit Sperrholzergänzungen zu erleuchten.

Geboren 1947 in Zürich, wuchs Rudolf Stüssi in der Schweiz und in den USA auf. 1967 kam er ins kanadische Ottawa, um an der Universität Englische Literatur und Journalismus zu studieren. Er verbrachte darauf ein Jahr in London als Designer für ein Theater. Es folgten Ausbildungen am Ontario College of Art in Toronto sowie im italienischen Florenz.

Stüssi promovierte 1978, studierte aber Kunst weiter in Mexiko und London. Stüssi unterrichtete Kunst in verschiedenen ­Orten in Kanada. Von 1988 bis 1991 war er Präsident der Kanadischen Aquarellgesellschaft, gründete dabei Kanadas erste nationale Aquarellsammlung. 1989 war Stüssi Künstler in Residenz in der Dominikanischen Republik. Ab 1987 engagierte er sich in der Trickfilmindustrie, dabei half er auch bei Produktionen auf den Philippinen, in China und Korea mit und malte Hintergründe für den Trickfilm «Asterix in Amerika». Beteiligt war Stüssi auch bei den Fernsehserien «Der Kleine Bär» und «Rolie-Polie-Olie» sowie beim Trickfilm «Heidi».

Rudolf Stüssi wird von Galerien in Kanada, der Schweiz, Deutschland und Österreich vertreten. 2005 und 2015 stellte er im Museum H. R. Giger in Gru­yère aus. Er leitete von 2005 bis 2008 ein College in Toronto. Er wohnt im kanadischen Toronto, in der Lenzerheide und in Berlin.

Hinweis

Die Vernissage der Ausstellung «Schief gesehen» von Rudolf Stüssi in der Kleingalerie Müller in Altdorf findet am kommenden Freitag, 2. Juni, um 19 Uhr statt.