ALTDORF: Neuartiger Roboter gibt dem Ski den rechten Schliff

Ein Hightechgerät aus Nidwalden schleift Ski-Kante und -Belag in einem einzigen Arbeitsschritt. Ganz ohne Handarbeit geht der Skiservice dann aber doch nicht.

Florian Arnold
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In Altdorf steht einer der modernsten Ski-Schleifroboter der Welt. Die Maschine schleift den Belag des Ski und behandelt zugleich die Kante mit 18 000 Umdrehungen pro Minute. (Bild Florian Arnold)

In Altdorf steht einer der modernsten Ski-Schleifroboter der Welt. Die Maschine schleift den Belag des Ski und behandelt zugleich die Kante mit 18 000 Umdrehungen pro Minute. (Bild Florian Arnold)

Ohrenbetäubend faucht der Luftdruckstrahl über die Kanten, die Wassertropfen spritzen auf alle Seiten. Dann löst sich der Ski aus der Halterung – ganz automatisch. Mit einem Klacken landet er auf dem Förderband und spielt ihn in die Hände von Mike Arnold (59). Prüfend begutachtet der Fachmann das Werk. Auf der flachen Unterseite ist ein geschwungenes, regelmässiges Muster entstanden, als hätte es ein Künstler darauf gepinselt. «Damit gleitet man besser als mit einem herkömmlichen Schliff», sagt Arnold und fährt mit dem Daumen über die Kante: «Messerscharf!»

18 000 Umdrehungen

Für den Schliff des Belags und der Kante ist einer der modernsten Schleifroboter der Welt verantwortlich. Und dieser steht in der Altdorfer Werkstatt der Firma Imholz-Sport, Bürglen. «Diese Maschine gibt es erst drei Mal auf der Welt», sagt Werkstattchef Arnold. Zwar würden auch an anderen Orten Roboter zur Skibehandlung eingesetzt. Doch das Modell, das in Altdorf steht, verfügt über ein Spezialelement: In einem Arbeitsgang wird erst der Skibelag geschliffen, und sogleich wird auch der «Race Edge Finish» gemacht; auf Deutsch wird das Ganze als «Weltcup-Kante» verkauft. Dabei behandelt ein winziger Schleifstein die Kante des Ski mit 18 000 Umdrehungen pro Minute. Das Resultat: Die Kante ist extrem scharf (siehe Kasten).

Hochsaison für die Mitarbeiter

Derzeit sind die fahrbaren Gestelle in der Altdorfer Werkstatt voll mit Skipaaren. Ob Kinder-, Carver-, Freerider-, Langlauf- oder Rennski: Alles soll nun auf Vordermann gebracht werden – schliesslich könnte es bald Schnee geben. «Teilweise arbeiten hier drei Personen im Akkord», sagt Arnold und zieht sich eine Schutzbrille und ein Paar Ohrenstöpsel an. Denn trotz hochmodernem Roboter könne nicht auf die Handarbeit der Fachleute verzichtet werden, sagt Arnold.

Auf einer Art Walze ist jetzt ein breites Schleifpapier gespannt. Die Funken sprühen, als Arnold den Ski damit behandelt und den kaputten Belag wegrasiert. Dann werden die Furchen ausgebessert. Kleineres macht der Servicemann von Hand, für gröbere Schäden wird eine Maschine angeworfen. Diese erhitzt das Belagsmaterial auf rund 300 Grad Celsius. Wenn der kaputte Ski darüber gleitet, füllen sich die Löcher von selbst.

Behandlung mit Hochkarätigem

Nach diesen Arbeitsschritten ist die Zeit für den Roboter gekommen. Der Ski muss kopfüber eingespannt werden. Von alleine wird die Unterseite mit einem Wetzstein behandelt, der von einem Diamanten immer wieder in die gewünschte Form gebracht wird. «Je nachdem, wie sich der Diamant bewegt, entsteht auf dem Stein ein anderes Muster. Und dieses überträgt sich dann auf den Skibelag», erklärt Arnold. «Eine Wissenschaft für sich», sagt er. Seine Augen leuchten, als er den fertig geschliffenen Ski in der Hand hält. «Früher haben wir noch alles von Hand gemacht», sagt Arnold. Seit 35 Jahren ist er im Business.

Dass er nun teilweise von einem Roboter ersetzt werde, störe ihn nicht. Vielmehr fasziniere ihn die Technologie. Und es freue ihn, dass die Maschine nicht weit von Altdorf entwickelt wurde. Denn diese stammt aus dem Hause Montana, der Weltmarktführerin in der Skibearbeitung mit Sitz in Nidwalden.

Mit Wachs zum Ende

Was nun für einen perfekten Ski noch fehlt, ist der Wachs. Auch dafür haben die Profis eine Spezialmaschine – eine, mit zwei Walzen: Die eine bringt den Wachs auf den Belag, die andere reibt das überschüssige Material wieder weg. Elegant lässt Mike Arnold den Ski über die beiden Walzen gleiten. Dann streicht er ein letztes Mal mit seinem Handschuh über den Belag. Und fertig ist der Service.

Florian Arnold

Das bringt die «Weltcup-Kante»

Skiservice zf. Die «Weltcup-Kante» ist in der Zentralschweiz nur bei zwei Fachhändlern erhältlich. Den Spezialservice gibt es bei Imholz-Sport Bürglen und Renta-Sport Flumserberge. Die extrem scharfe Kante wird beim Ski-Service für einen Aufpreis von 25 Franken angeboten. «Mit der ‹Weltcup-Kante› kommt man auf der Piste viel weniger ins Rutschen», sagt Mike Arnold von Imholz-Sport.
Die Kante sei so scharf, dass sie beim Kurvenfahren im Schnee besser haften bleibe als anders behandelte Ski, führt Arnold weiter aus. «Durch die bessere Haftung fühlt man sich sicherer und braucht auch weniger Energie beim Skifahren.»

Mike Arnold, Werkstattchef von Imholz-Sport, bereitet einen Ski vor, damit er im Roboter geschliffen werden kann. (Bild Florian Arnold)

Mike Arnold, Werkstattchef von Imholz-Sport, bereitet einen Ski vor, damit er im Roboter geschliffen werden kann. (Bild Florian Arnold)