ALTDORF: «Nicht auszuschliessen, dass sie wieder illegal einreisen»

Drei junge Einbrecher aus Serbien sind an die Grenze gestellt worden. Ihre Identität konnte nicht zweifelsfrei ermittelt werden.

Bruno Arnold
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Ein Einbrecher steigt in eine Wohnung ein. Gestellte Szene. (Bild: Keystone.)

Ein Einbrecher steigt in eine Wohnung ein. Gestellte Szene. (Bild: Keystone.)

Die Kantonspolizei Uri hat am 8. Juli in Altdorf drei Einbrecher verhaftet. Es handelte sich dabei um Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren. Sie gaben an, aus Serbien zu stammen. Das Trio war mit einem Personenwagen unterwegs, die Polizei stellte im Fahrzeug Einbruchwerkzeug fest. Eine Anwohnerin hatte den Einbruchdiebstahl in einem Wohnhaus in Altdorf beobachtet und die Polizei benachrichtigt. Der Mediensprecher der Urner Kantonspolizei, Gusti Planzer, nimmt zu Fragen Stellung, die in diesem Zusammenhang in den vergangenen Tagen in der Bevölkerung immer wieder gestellt wurden.

Gusti Planzer, wo sind die drei minderjährigen Einbrecher zurzeit?

Gusti Planzer: Das wissen wir nicht. Am Mittwoch, 10. Juli, sind sie an die Schweizer Grenze zurückgeführt worden. Verfügt wird ein solcher Vollzug jeweils vom Amt für Migration und ausgeführt in der Folge von Mitarbeitern des Korps der Kantonspolizei Uri. Vom 8. bis zum 10. Juli waren die drei jugendlichen Einbrecher im Untersuchungsgefängnis in Stans untergebracht.

Das Trio gab an, aus Serbien zu stammen. Hat man die Identität der drei Jugendlichen im Rahmen der Befragungen zweifelsfrei ermitteln können?

Planzer: Nein, nicht mit definitiver Sicherheit. Die drei Jugendlichen waren ohne Ausweis unterwegs. Ihre Identität konnte weder im Rahmen der Befragung noch mit Hilfe automatisierter Fahndungssysteme der Polizei zweifelsfrei ermittelt werden. Grundsätzlich wären bei Straftaten von minderjährigen Jugendlichen eigentlich die Eltern zu informieren. Da die drei Jugendlichen keine Angaben zu den Eltern machten, konnten diese logischerweise auch nicht kontaktiert werden. Es ist davon auszugehen, dass die drei Personen aus dem Ausland eingereist sind. Fest steht nur, dass sie nicht in Uri wohnhaft waren. Mehr war nicht in Erfahrung zu bringen.

Das heisst: Man stellt sie an die Grenze zurück, um das Problem vom Hals zu haben, muss aber damit rechnen, dass sie wieder illegal einreisen?

Planzer: Wir haben aufgrund der rechtlichen Grundlagen gar keine andere Möglichkeit. Obwohl auch für Jugendliche ein Einreiseverbot verfügt wird, ist deshalb nie ganz auszuschliessen, dass sie wieder illegal in die Schweiz einreisen.

Die drei 13- bis 14-jährigen Jugendlichen waren mit einem Personenwagen unterwegs. Wie ist es möglich, dass so junge Männer mit dem Auto über sämtliche Grenzen gelangen?

Planzer: Im Rahmen des Schengen-Abkommens hat die Schweiz die systematischen Personenkontrollen an den Grenzposten mit den Nachbarländern aufgegeben. Denkbar ist aber auch, dass die drei über die «grüne Grenze» in unser Land gelangt sind. Woher das Auto stammt, mit dem das Trio unterwegs war, ist noch Gegenstand unserer Abklärungen.

Hatten die Jugendlichen auch Waffen dabei oder nur Einbruchwerkzeuge?

Planzer: Sie hatten keine Waffen «im eigentlichen Sinne» dabei.

Das heisst?

Planzer: Es wurden keine Schusswaffen, Messer oder ähnliche Waffen gefunden.

Müssen minderjährige Straftäter von der Polizei und von den Untersuchungsbehörden «speziell» behandelt werden?

Planzer: Gemäss Jugendstrafprozessordnung sind das Alter und der Entwicklungsstand der Jugendlichen angemessen zu berücksichtigen. Das heisst: Schutz und Erziehung sollten wegleitend sein. So wird etwa eine Untersuchungshaft nur in Ausnahmefällen angeordnet. Kommt ein Jugendlicher in Untersuchungshaft, so wird er dort getrennt von Erwachsenen untergebracht und auch von ausgebildeten Fachleuten betreut. Bei der Festnahme dürfen aber zum Beispiel Handschellen eingesetzt werden. Diese dienen dem Eigenschutz des Polizisten. Selbstverständlich steht Jugendlichen immer auch das rechtliche Gehör zu.

Mit welchen Strafen müssen die drei für ihr Vergehen rechnen?

Planzer: Gemäss Jungendstrafprozessordnung können Jugendliche bis 15 Jahre bei einem solchen Vergehen mit einem Verweis und einer persönlichen Leistung bis zu 10 Tage bestraft werden. Jugendlichen ab 15 Jahren droht in einem solchen Fall ein Verweis, eine persönliche Leistung bis zu drei Monate, eine Busse bis zu 2000 Franken oder auch ein Freiheitsentzug bis zu einem Jahr.

Sind die drei Verhafteten die jüngsten Einbrecher, die man in Uri in der jüngsten Vergangenheit in Gewahrsam genommen hat?

Planzer: Die drei verhafteten Personen zählen sicher zu den jüngsten.

Glauben Sie, dass es sich um eine Tendenz Richtung «immer jünger» handeln könnte, oder gehören die drei zu einer Bande, die von älteren Personen organisiert wird?

Planzer: Es bestehen gewisse Anzeichen, die in Richtung «immer jünger» deuten. Es wäre aber meines Erachtens noch etwas zu früh, um von einer eigentlichen Tendenz zu sprechen. Ob die drei zu einer grösseren organisierten Bande gehören, ist aufgrund des aktuellen Ermittlungsstandes noch unklar.