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ALTDORF: Nun kommt Leben ins neue Schulhaus

Am Montag hat in den meisten Urner Gemeinden das neue Schuljahr begonnen – so auch für die Schüler des Berufs- und Weiterbildungszentrums BWZ Uri in Altdorf. Im neuen Erweiterungsbau lernen sie ab sofort in modernster Umgebung.
Carmen Epp
Die angehenden Fachleute Gesundheit an ihrem ersten Schultag im Neubau des BWZ Uri. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 21. August 2017))

Die angehenden Fachleute Gesundheit an ihrem ersten Schultag im Neubau des BWZ Uri. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 21. August 2017))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Es riecht nach Holz und frischer Farbe, von weitem sind Stimmen zu hören, gefolgt von Schritten und zurrenden Reissverschlüssen. Es ist Montagmorgen, kurz vor 10 Uhr. Zeit also für die erste grosse Pause im Berufs- und Weiterbildungszentrum BWZ Uri in diesem Schuljahr.

Für einige der angehenden Berufsleute ist es der erste Tag am BWZ überhaupt, andere sehen bekannte Gesichter vom vergangenen Schuljahr wieder. Eines aber ist für sie alle neu: Ab sofort holen sie sich einen Teil des Rüstzeugs für ihr Berufsleben in einem nigelnagelneuen Schulhaus, dem Erweiterungsbau südöstlich des «alten» BWZ.

Mit Aula für die Allgemeinheit und Sitzecken zum Entspannen

Die ersten Blickfänge beim Betreten des dreistöckigen Gebäudes haben jedoch nicht direkt mit Schule oder Lernen zu tun: Im Eingangsbereich zeigt ein grosser Bildschirm News, das Wetter und die nächsten ÖV-Verbindungen an. Links davon füllt gerade ein Mann in Latzhosen den Selecta-Automaten auf, während zwei Frauen Brötchen und Getränke bereitstellen. «Hier können sich die Schüler in der Pause verpflegen», erklärt David Schuler, Rektor des BWZ Uri. Und in zwei in die Wand eingelassenen Mikrowellen kann auch mal ein Mittagessen warmgemacht werden.

Auch im hinteren Teil des Erdgeschosses ist von Schule nicht viel spürbar. Hier wurde Platz geschaffen für eine grosse, lichtdurchflutete Aula. Die dient den jungen Berufsleuten als Aufenthaltsraum, kann aber auch für ausserschulische Zwecke gemietet werden. Bis zu 200 Personen finden hier Platz, eine mobile Bühne kann aufgebaut und der Raum mit modernsten Anlagen beschallt und beleuchtet werden – gemäss Schuler ideal für Vorträge, eine GV oder auch Konzerte. Bereits hätten potenzielle Mieter ihr Interesse angemeldet, sagt der Rektor. «Konkret ist aber noch nichts.»

Inzwischen ist die Pause vorüber und die Schüler wieder in die Schulzimmer zurückgekehrt. Über eine lange, indirekt beleuchtete Treppe gelangt man ins erste Obergeschoss, wo die Kauf- und Detailhandelsfachleute ihren Fachunterricht erhalten. Im zweiten Obergeschoss werden die angehenden Schreiner, Metallbauer und Fachangestellten Gesundheit unterrichtet. Auf beiden Etagen fällt zuerst ein Bereich ins Auge, der nicht in erster Linie mit Schule zu tun hat: die Sitzecke am Ende des Gangs vor einer grossen Fensterfront. «Auch wenn die Lernenden nicht fünf Tage die Woche hier sind, so wollen wir ihnen doch trotzdem Zonen anbieten, wo sie verweilen und sich zurückziehen können», erklärt Schuler.

Platzproblem ist gelöst, dank Effort des Landrats

Auf jeder Etage gibt es vier Schulzimmer mit anschliessenden Arbeitsplätzen für die Lehrpersonen sowie einem bis zwei Räumen für Gruppenarbeiten. Die Schulzimmer sind alle gleich gross und identisch eingerichtet: schlicht, aber auf dem neusten Standard. Insgesamt sind die beiden Obergeschosse durch die grosszügigen Fensterfronten hell und weitläufig gestaltet.

Damit ist das Problem gelöst, weshalb es überhaupt zum Neubau gekommen war: das Platzproblem. Da die Zahl der Klassen und die Anzahl Schulhalbtage mit den Jahren stetig gestiegen waren, kam das BWZ Uri mit dem Hauptgebäude aus den 1960er-Jahren und dem ersten Erweiterungsbau von 1984 mehr und mehr an seine Grenzen. Wurden 1984 noch 47 Klassen unterrichtet, waren es 2014 bereits deren 59. Der Platzbedarf hatte in dieser Zeit um 73 Prozent zugenommen, gleichzeitig konnte nur ein zusätzlicher Raum dazugewonnen werden.

Doch auch wenn das Raumproblem schon seit geraumer Zeit ausgewiesen war – der Weg zum Neubau war damit noch lange nicht geebnet. Erst politische Bemühungen brachten das Vorhaben ins Rollen. Landrat Simon Stadler (CVP, Altdorf) reichte im Dezember 2012 eine Motion zu genügenden und zeitgemässen Schulräumlichkeiten für das BWZ Uri ein, die der Landrat drei Monate später für erheblich erklärte. Bis schliesslich im Februar 2016 auch das Urner Stimmvolk deutlich Ja sagte zum Erweiterungsbau und mit einer Zustimmung von 87 Prozent einem Baukredit von 8,388 Millionen Franken zustimmte.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Im Juli 2016 fuhren die ersten Bagger auf. Nun, nach gerade mal einem Jahr Bauzeit ist das Werk vollbracht. David Schuler freuts. «Früher mussten wir uns bei der Stundenplanung fragen, wo überhaupt noch Platz ist für diese oder jene Klasse. Heute können wir die Stundenpläne so gestalten, dass möglichst wenig Zeitverlust beim Wechseln der Zimmer entsteht.»

Die Fassade sorgt für gutes Klima im Schulhaus

Der BWZ-Neubau schafft aber nicht nur zusätzlichen Platz für die angehenden Berufsleute; er produziert auch selber Energie. Verantwortlich dafür ist unter anderem die markante Gebäudehülle, für die mehr als ein erster Blick nötig ist, um sie ganz zu fassen. Von Weitem sieht man Holz hinter einer Glasscheibe. Auf den ersten Blick sind ganze Flächen verbaut, denen man die Äste gar von Weitem noch ansieht. Kommt man näher, werden kleine Lamellen in den Holzflächen sichtbar. Diese Lamellen in Verbindung mit dem Glas und der Sonne schaffen etwas, das mit dem blossen Auge nicht zu erkennen ist – und der Laie wohl auch nicht erahnt: Sie gewinnen Sonnenenergie in Form von Wärme.

Wie diese so genannte «thermoaktive Fassade» funktioniert, erklärt Thomas Rietmann von CAS Architekten: «Je nach dem, in welchem Winkel die Sonne auf die Lamellen scheint, wirkt die Fassade anders.» In der kalten Jahreszeit reduziert die Fassade den Wärmeverlust, da durch den flachen Einstrahlwinkel die ganze Wandfläche aufgewärmt wird und die Fläche an sonnigen Wintertagen gar zur «Wandheizung» werden kann. Im Sommer hingegen bilden die horizontalen Lamellen eine Art Wärmeschutz, indem sich die Lamellen gegenseitig beschatten. Diese Gebäudehülle sorgt denn auch unter anderem dafür, dass der Erweiterungsbau des BWZ Uri als einziger Bau im Kanton Uri den Minergie-P-Eco-Standard erfüllt, also nicht nur eine geringe Umweltbelastung, sondern auch mehr Lebensqualität mit sich bringt.

Die Pausenglocke erklingt erneut. Es ist 11.40 Uhr, Zeit für das Mittagessen. An der Attinghauserstrasse, vor dem «alten» Gebäude des BWZ Uri, begutachten ein paar neue Berufsschüler die Statue auf der Wiese. Zu sehen ist eine Person, die sich über eine Brücke beugt, die scheinbar ins Nichts führt. Die Statue stammt von Gedeon Renner und trägt den Titel Fundamendum. Sie soll die Schüler daran erinnern, dass Bildung ein lebenslanges Weiterbauen am eigenen Wissen ist. Auch die Bautätigkeit am BWZ selber ist noch nicht fertig: Jeweils in den Sommerferien der nächsten zwei Jahre werden der Altbau aus den 1960er-Jahren und der Erweiterungsbau von 1984 einer Sanierung unterzogen.

Hinweis

Am Samstag, 2. September, wird der Erweiterungsbau des Berufs- und Weiterbildungszentrum Uri offiziell und festlich eröffnet. Von 11 bis 16 Uhr steht der Neubau allen Interessierten offen.

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