ALTDORF: «Perfekt organisiärt» überzeugt

Zum 90. Jubiläum der Trachtengruppe Altdorf wurde erstmals ein Dreiakter aufgeführt, welcher beim Publikum für viele Lacher sorgte. Das Spezielle: Das Theaterstück wurde ohne Regie auf die Beine gestellt.

Robert Kuster
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Kellnerin Rita mit ungewohntem Benehmen ihrem Gast gegenüber (Baumeister Fredi). (Bild: ku (Altdorf, 6. 5. 17))

Kellnerin Rita mit ungewohntem Benehmen ihrem Gast gegenüber (Baumeister Fredi). (Bild: ku (Altdorf, 6. 5. 17))

Robert Kuster

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Der Jubiläumsabend der Trachtengruppe Altdorf gehörte am Samstag ganz den eingeladenen Gästen und Sponsoren. Nur gerade eine Woche nach dem 75. Jubiläum der Trachtenvereinigung Uri in Spiringen feierte auch die Trachtengruppe Altdorf ihren 90. Geburtstag. Eingeladen waren Vertretungen der übrigen Trachtengruppen Uris, die Heimatgemeinde Altdorf und die mit den Trachten Altdorfs eng befreundete Stadt Altdorf bei Nürnberg. Seit Jahren pflegt Altdorf freundschaftliche Beziehungen zum Frankenland.

Im Gegensatz zum vergangenen Wochenende konnte es die Präsidentin der Trachtenvereinigung Uri, Martha Zwyssig, diesmal ruhig angehen. Sie nahm als alleinige Vertretung der Trachtengruppe Seelisberg am Anlass im Winkel teil. Das in Spiringen neu ernannte Ehrenmitglied Markus Truttmann war nicht ­dabei.

Viele Theaterspieler mit langjähriger Erfahrung

Die Trachtengruppe Altdorf entschied sich aus verschiedenen Gründen, für die diesjährigen Feierlichkeiten mit einem Dreiakter aufzuwarten. Dies hat sich zweifelsfrei gelohnt. Das Lustspiel «Perfekt organisiärt» von Armin Vollenweider überzeugte in allen Belangen. Es durfte ausgiebig gelacht werden. Schuld war aber nicht das Stück an sich, sondern die glänzende Spiellaune und das Können der Spieler.

Das Spezielle am Theaterstück: Es wurde ohne Regie auf die Beine gestellt. Der gewohnte Theaterbesucher fragt sich zwar, wie dies möglich war. Im Gespräch mit dem Posthalter Max (Bruno Gisler) stellte sich aber heraus, dass er eben derjenige war, der das Stück ausgewählt und zur Leseprobe im Oktober gerufen hat. Was erstaunlich ist, war die Möglichkeit der Spieler, ihre Rolle selber zu bestimmen und sich selber entsprechend der eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Möglich machte dieses regielose Einüben des Stücks allerdings die Tatsache, dass die meisten Spieler eine mehrjährige Erfahrung mit sich brachten.

Verstrickungen, Streit und Liebesaffären

Der Besucher bekommt das Gefühl übermittelt, dass man sich selber spiele. Beeindruckend ist dabei Madlen Arnold als Kellnerin Rita. Aber auch die übrigen Rollen sind sehr gut verteilt. Inhaltlich geht es um die grosse Möglichkeit, Land zu verkaufen, um sich ein besseres Leben leisten zu können. Da aber viele das wollen und nicht offen kommuniziert wird, kommt es zu Verstrickungen, Streit und Liebesaffären.

Der Wirt Felix von der «Linde» (Thomas Bissig), der Posthalter Max (Bruno Gisler), der Spekulant Jörg (Daniel Arnold) und der Baumeister Fredi (Simon Zurfluh) haben nicht die gleichen Absichten, wenn sie sich treffen. Das Gleiche gilt auch für Felix’ Frau Marianne (Julia Zgraggen), die Kellnerin Rita (Madlen Arnold), für Posthalters Frau Ruth (Priska Zgraggen), deren Tochter Regula (Rahel Ziegler) und die Studentin Gabi (Stefanie Riedweg). Ihre Absichten, das Geld vom eventuellen Landverkauf zu gebrauchen, entsprach nicht den Absichten der Männer. Ein besonderes Lob gilt der Kulisse. Das riesengrosse Foto von Flüelen mit der liebevoll gemalten Kulisse lässt den Ort als willkommener Platz für eine prachtvolle Überbauung erscheinen. Hergestellt wurde das Bühnenbild von der Malerin Martina Riedi. Auch sie wurde von Bruno Gisler wie die übrigen Theaterspieler zum Theaterprojekt angefragt. Gerade dieses uneigennützige Engagement aller habe sie gereizt, meinte sie.

Der Chor wartet auf eine Wiederbelebung

Vielleicht hätten die einen oder andern einen Trachtentanz oder ein Jodellied dazwischen erwartet. Man habe das machen müssen, was möglich gewesen sei, sagte der Präsident der Trachtengruppe Toni Marty. Die Altdorfer Tänzer spannen seit einiger Zeit mit Bürglen zusammen. Der Chor ist aufgelöst und wartet auf eine Wiederbelebung. Die Theatergruppe aber zeigte sich am Samstag bei bester Laune und voller Tatendrang. Vielleicht ergibt sich daraus wieder eine Volkstheater-Tradition in Altdorf, wie sie seit längerem nicht mehr besteht.

Hinweis

Weitere Aufführungen: 10./ 12./13. Mai jeweils 20 Uhr (Einlass ab 19 Uhr); Reservierung unter: Tel. 041 870 49 13 oder 079 88 64 83 (12 bis 13 und 17 bis 19 Uhr).