ALTDORF: Scharfe Kritik an Partys im «Winkel»

Anwohner sind von Grossanlässen auf dem Winkelplatz genervt – der Lärm raubt ihnen den Schlaf. Die Gemeinde will reagieren, und ein Veranstalter kontert.

Anian Heierli
Merken
Drucken
Teilen
Am Wochenende haben rund 1200 Personen am Moove Uri auf dem Winkelplatz gefeiert. Der Partylärm hat einige Anwohner verärgert. (Bild Urs Hanhart)

Am Wochenende haben rund 1200 Personen am Moove Uri auf dem Winkelplatz gefeiert. Der Partylärm hat einige Anwohner verärgert. (Bild Urs Hanhart)

Anian Heierli

So absurd es klingen mag: Einige Anwohner des Altdorfer Winkelplatzes freuen sich auf die Baustelle im kommenden Jahr. «Für uns bedeutet das Erholung», sagt Rechtsanwalt Bruno Aschwanden. «Wenn der ‹Winkel› saniert wird, können auf dem Platz zumindest vorübergehend keine grossen Partys mit lauter Musik mehr stattfinden.» Denn aktuell sei die Situation für ihn und weitere Anwohner unerträglich. Immer wieder würden Veranstaltungen mitten im Dorf stattfinden, bei denen der Lärmpegel bis tief in die Nacht hinein enorm hoch sei.

Aktuell ist Aschwanden über den jüngsten Grossanlass Moove Uri verärgert, der am vergangenen Wochenende stattgefunden hat (siehe «Zentralschweiz am Sonntag» vom 11. Oktober). Bei dieser Freeski- und Snowboardparty wurde der mit der Gemeinde vereinbarte maximale Lärmpegel von 80 Dezibel überschritten. «Die Musik und vor allem die tiefen Basstöne sind das grösste Problem», so Aschwanden. «Die Luftschallwellen der Bässe haben die Scheiben zum Klirren gebracht. An Schlaf ist so nicht zu denken.»

Anwalt prüft Anzeige

Aschwanden steht mit seiner Reklamation nicht allein da. Auch andere Anwohner haben sich beschwert. Der Rechtsanwalt überlegt sich deshalb, ob er nun gegen die Veranstalter und die Verantwortlichen bei der Gemeinde eine Anzeige einreichen soll. Vom nächtlichen Lärm hätten sich sogar Bewohner gestört gefühlt, die in der zweiten oder dritten Hausreihe des «Winkels» wohnen würden. «Ich habe die Genehmigung, dass ich betroffene Anwohner namentlich dem Gemeinderat nennen darf», hält Aschwanden fest.

Die Kritik der Bewohner richtet sich nicht nur an die Veranstaltung Moove Uri. Beim Oktoberfest, das Anfang September stattgefunden hat, seien ebenfalls Grenzen überschritten worden. «Auch hier war enormer Betrieb bis tief in die Nacht hinein», so Aschwanden. «Zudem haben Betrunkene damals an Hauswände uriniert und in den Gassen erbrochen.» Für ihn ist klar: «Ein organisiertes Besäufnis in der Grösse des Altdorfer Oktoberfests ist auf dem Winkelplatz im Altdorfer Dorfkern fehl am Platz.»

Laut Aschwanden hat sich dieses Problem in den vergangenen Jahren verschärft. Einerseits, weil die Partys grösser und massloser geworden seien, andererseits, weil sich das Quartier verstärkt zum Wohngebiet gewandelt habe. «Wir Anwohner sind nicht gegen Veranstaltungen auf dem Winkel», so Aschwanden. Der Jugendkeller sei wegen der geschlossenen Türen und der Musik im Innern kein Thema. Ein Dorn in den Augen der Anwohner sind dagegen Freiluftveranstaltungen.

Gemeinderat ist negativ überrascht

Der Veranstaltungslärm und die damit verbundenen Beschwerden sind der Gemeinde Altdorf bekannt. «Ich habe diesbezüglich auch schon mit Herrn Aschwanden telefoniert», sagt Gemeindepräsident Urs Kälin. «Die Reklamationen sind für uns verständlich, und wir nehmen sie ernst.» Anlässe werden immer mit Auflagen bewilligt. Darunter fällt auch der Lärm mit einer entsprechenden Dezibelgrenze. Im Auftrag der Gemeinde werden Anlässe kontrolliert, und es wird ein Lärmprotokoll geführt. «Beim Moove Uri haben wir am Freitag- und Samstagabend Kontrollen durchgeführt», so Kälin. «Die von uns definierten Werte sind zeitweise überschritten worden, was auch uns negativ überrascht hat.» Deshalb hat der zuständige Gemeinderat, Andreas Bossart, am Wochenende vor Ort interveniert und veranlasst, dass die Lautstärke zurückgeschraubt wurde. «Das Moove Uri war eigentlich ein Open Air mitten im Dorf», so Kälin. «In Zukunft müssen wir das vermutlich anders handhaben.» Für ihn ist das Bedürfnis nach Nachtruhe ein legitimes Interesse der Anwohner. Deshalb will der Gemeinderat die Bewilligung für Grossanlässe auf dem Winkel überprüfen. «Auch für das Oktoberfest finde ich den Winkelplatz persönlich nicht ideal», sagt Kälin. Beim Original in München heisse es «auf den Wies’n» – und das sollte eigentlich ebenso für Altdorf gelten. Die Gemeinde selber verfügt aber über keine grösseren Ausweichflächen in der Peripherie. Gemäss Gemeindepräsident Kälin müssten Veranstalter selber auf Landbesitzer zugehen. «Wir möchten aber auch, dass im Dorf etwas los ist und attraktive Angebote ermöglicht werden», so Kälin. «Daraus resultiert ein Zielkonflikt, der nie völlig vermieden werden kann. Wir müssen möglichst allen Anspruchsgruppen gerecht werden.»

Veranstalter entschuldigt sich

Roman Waser, OK-Präsident von ­Moove Uri, nimmt die Kritik ernst. «Zusätzlich zur Gemeinde haben wir selber die Lautstärke gemessen», sagt er. Ihre Messung sei die ganze Veranstaltung über gelaufen, und seines Wissens habe es keine Überschreitungen gegeben. «Wenn die Lautstärke dennoch kurzzeitig höher als 80 Dezibel gewesen ist, dann tut uns das leid. Nach 23 Uhr war der Wert aber unter 80 Dezibel», hält Waser fest. «Falls Moove Uri künftig erneut durchgeführt werden kann, werden wir ein noch grösseres Augenmerk auf die Lautstärke richten.»

«Die Feedbacks waren positiv»

Das OK ist auch zu einer Aussprache mit der Gemeinde bereit. «Es wäre aus unserer Sicht aber schade, wenn die Jugend vom Winkelplatz verdrängt würde», so Waser. Denn die Feedbacks sind laut dem OK-Präsidenten positiv gewesen. «Beschwerden während des Anlasses hat es nur von einer Person gegeben», sagt er. Trotz der positiven Rückmeldungen ist noch unklar, ob Moove Uri erneut stattfindet. «Viele wünschen sich, dass wir den Anlass wiederholen», so Waser. Das müsse man aber zu gegebener Zeit noch im Detail klären.