ALTDORF: Schon Kleine gezielt fördern

Ein Bericht gibt nun umfassend Auskunft, welche Angebote es für Mädchen und Buben im Vorschulalter gibt. Doch damit ist die Arbeit noch lange nicht beendet.

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Mädchen und Buben sollen früh gefördert werden - wie hier in einer Kinderkrippe. (Bild Roger Grütter)

Mädchen und Buben sollen früh gefördert werden - wie hier in einer Kinderkrippe. (Bild Roger Grütter)

Markus Zwyssig

Gesundheitsförderung Uri setzt einen Schwerpunkt bei der frühen Förderung der Kinder. «Die ersten Lebensjahre eines Menschen sind entscheidend», sagt Projektleiterin Simone Abegg. «In dieser Lebensphase werden wichtige Weichen für die zukünftige Entwicklung gestellt.» Setze man früh an, so helfe das, den Mädchen und Buben eine optimale Ausgangslage für das weitere Leben zu bieten. «Zudem kann man dadurch Fehlentwicklungen vorbeugen», ist Abegg überzeugt.

Bestandesaufnahme liefern

Jetzt ist ein umfassender Bericht erschienen, der Auskunft darüber gibt, wie es um die frühe Förderung in Uri steht. Im Rahmen des Projekts «Primokiz Frühe Förderung lokal vernetzt» hat die Gesundheitsförderung Uri zusammen mit Anbietern unterschiedlichster Angebote die aktuelle Situation der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung im Kanton Uri analysiert. Der Bericht will eine Bestandesaufnahme der verschiedenen Angebote liefern und liegt nun in einer ersten Fassung vor. Er kann auf der Homepage unter www.gesundheitsfoerderung-uri.ch abgerufen werden. Gesundheitsförderung Uri ist die Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung des Kantons Uri.

Fast 80 Angebote ausgewertet

Im Rahmen der Situationsanalyse wurde eine umfassende Liste mit aktuellen Angeboten im Bereich der frühen Förderung zusammengestellt. Im Oktober 2014 führte die Gesundheitsförderung Uri bei den Anbietern von Angeboten und Dienstleistungen im Frühbereich eine schriftliche Umfrage durch. Es konnte ein Rücklauf von 64 Prozent verzeichnet werden. Das wird von den Organisatoren als «sehr gut» bezeichnet. Insgesamt wurden 78 konkrete Angebote ausgewertet. Zudem wurde bei allen Urner Gemeinden eine kurze telefonische Umfrage durchgeführt, um Fragen der Zuständigkeit zu klären. Bestehende Strukturen und Angebote auf Ebene Kanton wurden erfasst. «In einem nächsten Schritt geht es darum, zu prüfen, ob der Bericht vollständig ist», sagt Abegg. «Wir sind froh um Rückmeldungen, damit wir die entsprechenden Listen der Anbieter vervollständigen können.» Frühkindliche Förderung wird dabei in ihrer ganzen Breite verstanden. Dazu zählen Kindertagesstätten, Kleinkindergarten und Spielgruppen ebenso wie Therapieangebote oder Deutschkurse für fremdsprachige Kinder, Mutter-Kind-Turnen, Angebote der Elternzirkel bis hin zu Eltern-Kind-Therapien. «Wir betrachten den gesamten Bereich von der Schwangerschaft bis zum Kindergarten», sagt Abegg. Wichtig sei es dabei aber auch, die Eltern miteinzubeziehen. «Auch den Eltern soll es gut ergehen», so Abegg. «Denn nur zufriedene und in ihrer Aufgabe sichere Eltern können den Kindern ein gutes Umfeld bieten.»

Angebote bekannt machen

«Es gibt ein breites Angebot im Kanton Uri», sagt Abegg. Wichtig sei, dass dieses bei Eltern mit kleinen Kindern auch bekannt sei. «Vor allem bei Familien mit Migrationshintergrund oder bei Alleinerziehenden stellen wir oftmals fest, dass das Wissen um die Angebote fehlt.» Setze man früh an bei der Förderung, so könnte man oftmals später teure Massnahmen vermeiden. Abegg denkt da etwa an die sprachliche Förderung oder an den psychomotorischen Bereich. Wichtig sei auch, dass man die Eltern in ihren Erziehungsaufgaben unterstütze. «Wir wollen nicht dreinreden, möchten Eltern aber bei ihrer Arbeit bestärken und unterstützen.» Denn das erste und wichtigste Umfeld des Kindes sei seine Familie. «Nicht jedes Kind hat das Privileg, in einer entwicklungsfördernden Umgebung aufzuwachsen», so Abegg. Hier könne die frühe Förderung gezielt unterstützen und die Chancengerechtigkeit erhöhen.

Das vor einem Jahr gestartete Projekt «Primokiz» zur frühen Förderung im Kanton Uri ist Teil des kantonalen Programms zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendpolitik, das vom Regierungsrat im März 2014 bewilligt worden ist und vom Bund massgeblich unterstützt wird. Das Mandat der Bildungs- und Kulturdirektion sowie der Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion, mit Unterstützung der Jacobs Foundation, an die Gesundheitsförderung Uri dauert von Mai 2014 bis Ende 2015.

Veranstaltung soll Impulse liefern

Am Mittwoch, 10. Juni, steht eine Impulsveranstaltung zum Thema «Frühe Förderung lohnt sich» auf dem Programm. Der Anlass für Erwachsene, die in diesem Bereich tätig sind, findet im Q4 an der Hellgasse 23 in Altdorf statt und dauert von 12.45 bis 18 Uhr. Referieren werden Professor Martin Hafen, Hochschule Luzern; Professorin Margrit Stamm, Swiss Education, sowie Philine Zimmerli von der Jacobs Foundation.