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ALTDORF: Seine Majestät auf Neujahrsbesuch

Zum Jahresbeginn spielte Fabio di Càsola, der «König unter den Klarinettisten», im Theater Uri. Der Tessiner verzichtete aber auf Königsgebaren, sondern überzeugte mit einem einzigartigen Klang und gutem Zusammenspiel.
Florian Arnold
Fabio di Càsola machte mit seinem Spiel deutlich, weshalb er «König unter den Klarinettisten» genannt wird. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 1. Januar 2018))

Fabio di Càsola machte mit seinem Spiel deutlich, weshalb er «König unter den Klarinettisten» genannt wird. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 1. Januar 2018))

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Es werde ein internationales Konzert, sagte Dirigent Ciarán McAuley in seiner kurzen, persönlichen Ansprache: Das Kurpfälzische Kammerorchester Mannheim sorge für die «deutsche Präzision», er selber für das «irische Feuer», und der Solist stehe für «Schweizer Garantie».

Wahrlich entpuppte sich der Tessiner Fabio di Càsola als echter Garant. Nach einem kurzen Warmlaufen zeigte er schon im ersten Satz von Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur auf, weshalb er den Titel «König unter den Klarinettisten» verdient. Seine Verzierungen wirken frisch. Besonders berührend spielt er die Pianissimo-Passagen, die selbst von einem Flüstern übertönt würden und die man nur noch als Hauch wahrnimmt.

Hinzu kommt der warme Klang, zu dem sein Instrument, eine Spezialanfertigung aus Buchsbaum, einen wesentlichen Teil beiträgt. Die daraus entlockten Töne schlängeln sich geradezu in die Herzen und Seelen der Zuhörer. Daneben ist das helle Holz ein Hingucker.

Mit einem Lächeln bei der Sache

Der Solist und das Orchester harmonierten sehr gut. Dies nicht zuletzt, weil di Càsola auf das Königsgehabe verzichtete. Während seiner Pausen hat er stets ein Lächeln auf dem Gesicht und wirft seinen Mitspielern wohlwollende Blicke zu. Um dann wieder die nächste Hürde zu nehmen, von denen es in «Introduzione, Tema e Variazioni für Klarinette und Orchester» von Gioachino Rossini reichlich gibt. Die zahlreichen Sechzehntel- und Zweiunddreissigstel-Läufe sind regelrechte Fingerübungen und zeigen auf, wo die Grenzen eines Königs liegen. Am beeindruckendsten sind dabei die Stellen ohne Orchesterbegleitung, in denen Fabio di Càsola seiner Virtuosität freien Lauf lassen kann. Mit einem moderneren Solostück verabschiedete sich der Ausnahmekönner am Montagabend schliesslich vom Publikum auf eindrückliche Weise.

Dirigent McAuley kündigte schon zu Beginn des Konzerts an, vielleicht müsse er frühzeitig verschwinden: «Meine Frau ist riesig schwanger», sagte er mit irischem Akzent. Aber das Orchester habe so gut geübt, dass es auch ohne ihn klappen würde, scherzte er.

Gute Laune überträgt sich aufs Orchester

Vielleicht war es die freudige Erwartung, die den Dirigenten beinahe zu Luftsprüngen auf seinem Podest verleiten liess. Mit tänzerischen Gesten führte er das Kammerorchester, hielt sich zuweilen am Geländer des Podests fest, gab auch mal mit einem Stampfen einen Einsatz oder klopfte gelegentlich mit seinem Stab hörbar aufs Notenpult.

Die Musikerinnen und Musiker aus Deutschland liessen sich von der guten Laune ihres Chefs anstecken und legten besondere Spielfreude an den Tag. Die Stärke des Orchesters liegt vor allem in der Rhythmik, wie es in der Sinfonie Nummer 5 von Franz Schubert bewies. Die schnellen Läufe der Streicher kommen kompakt daher, womit die leichten Intonationsschwächen wettgemacht werden.

Auf die typische Neujahrskonzert-Literatur, wie sie die Wiener Philharmoniker definiert haben, wurde in diesem Jahr gänzlich verzichtet. Stattdessen verabschiedete sich das Kammerorchester mit einem Stück von ­Joseph Haydn. Kurz vor Schluss machte sich dann Dirigent McAuley wirklich aus dem Staub – mit Blick auf die Uhr und der Geste eines Babybauchs.

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